SZ + Dresden
Merken

Nach Dynamo-Krawallen: Gefälschte Fahndungsplakate

Seit einigen Tagen sucht die Polizei mit Plakaten nach den Rädelsführern der Ausschreitungen. Jetzt sind Fälschungen mit bekannten Gesichtern aufgetaucht.

 2 Min.
Teilen
Folgen
Der Ausgangspunkt: Die Krawalle rund ums Stadion am 16. Mai.
Der Ausgangspunkt: Die Krawalle rund ums Stadion am 16. Mai. © Sebastian Kahnert/dpa

Es wird nicht still um Dynamos Fanszene: Erst am Donnerstag ging die Polizei mit Fahndungsplakaten an die Öffentlichkeit, mit denen sie nach möglichen Beteiligten an den Krawallen vom 16. Mai suchte. Am Sonntag nun teilte die Polizeidirektion Dresden mit, dass unbekannte Täter insgesamt 30 fingierte Fahndungsplakate in Umlauf gebracht haben.

Die Plakate waren an die Öffentlichkeitsfahndung der "Sonderkommission Hauptallee" angelehnt, zeigten jedoch Bilder des Sächsischen Innenministers, des Pressesprechers der Polizeidirektion Dresden, des Leiters der genannten Sonderkommission und 17 Polizeibeamte der Bereitschaftspolizei. Zudem war der Text verfälscht. Die Polizei ermittelt nun wegen übler Nachrede und Verleumdung.

In dem Plakattext heißt es, gesucht werde nach 20 Personen, die im Verdacht ständen, an den Ausschreitungen rund um das Rudolf-Harbig-Stadion beteiligt gewesen zu sein. Ihnen werde schwerer "Dynamolandfriedensbruch" vorgeworfen.

Insgesamt wurden 27 der Plakate im Bereich Lennéstraße gefunden und drei an der Haltestelle Walpurgisstraße. Die Polizei entfernte sie.

Mitte Mai war es während und nach dem Drittligaspiel gegen Türkgücü München (4:0) zu massiven Ausschreitungen im Stadion-Umfeld gekommen. Dabei wurden 185 Polizisten verletzt, aber auch Journalisten sowie unbeteiligte Fans, deren Zahl nicht bekannt ist. Die Randale war von rund 400 gewaltbereiten Personen ausgegangen, die zuvor mit tausenden Dynamo-Fans den sich anbahnenden Aufstieg gefeiert hatten.

Bislang wurden mehr als 160 Täter ausfindig gemacht. Die Polizei wertete in einer 50-köpfigen Sonderkommission (Soko) 82 Stunden Videomaterial aus. Hinzu kämen mehrere Terabyte Datensätze aus Fremdquellen, deren Auswertung noch mehrere Monate dauern dürften, sagte Enrico Lange, Chef der Soko "Hauptallee" der Dresdner Polizei.

Nach der anschließenden Öffentlichkeitsfahndung der Polizei haben sich mittlerweile sechs Tatverdächtige von allein gestellt. Das teilt die Polizei am Freitag mit. Seit Donnerstag fahnden die Staatsanwaltschaft Dresden sowie die Dresdner Polizeidirektion öffentlich nach 20 Tatverdächtigen.

Die vier Männer, die sich bis Freitagmittag auf Polizeidienststellen gemeldet hatten, sind zwischen 16 und 34 Jahre alt und haben alle die deutsche Staatsbürgerschaft. "Der erste von ihnen erschien bereits eine halbe Stunde nach Veröffentlichung der Öffentlichkeitsfahndung in einem Polizeirevier", teilt die Polizei mit. (SZ)