Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Dresden
Merken

Nach gescheitertem Pilotprojekt: Wie Dresden Schulhöfe als Spielplätze öffnen will

Seit 2015 soll Dresden Schritt für Schritt Schulhöfe öffnen, damit dort nachmittags gespielt werden kann. Warum dies bisher scheiterte - und was jetzt anders gemacht werden soll.

Von Dirk Hein
 3 Min.
Teilen
Folgen
NEU!
Schulhöfe in Dresden sollen verstärkt auch nach der Schulzeit genutzt werden dürfen.
Schulhöfe in Dresden sollen verstärkt auch nach der Schulzeit genutzt werden dürfen. © Symbolbild: Dietmar Thomas

Dresden. In der ganzen Stadt fehlen Spielplätze, Bewegungsangebote für Kinder und Plätze zum Treffen für Jugendliche. 2015 hatte der Stadtrat daher auf CDU-Antrag hin die Öffnung von Schulsportanlagen zur freien sportlichen Nutzung beschlossen. Doch zwei Pilotprojekte wurden eingestellt und auch bei Schulneubauprojekten öffnet die Stadt zum Beispiel Bolzplätze nur zögerlich. Jetzt wurde im Jugendhilfeausschuss ein Neustart beschlossen.

"Wir brauchen die Unterstützung des OBs"

Der Jugendhilfeausschuss der Landeshauptstadt hat sich mit Nachdruck für die weitere Öffnung von schulischen Freiflächen für Jedermann ausgesprochen. Wörtlich heißt es im Beschluss: "Der Jugendhilfeausschuss bekräftigt die Notwendigkeit der Erschließung weiterer Freiflächen für den Aufenthalt junger Menschen im öffentlichen Raum. Diesbezügliche Bemühungen zeigen bislang kaum Wirkung, insbesondere die Öffnung von Schulhöfen für die Nutzung außerhalb der Schulzeit bleibt weit hinter den Erwartungen zurück."

Der konkrete Plan, damit dies auch Wirklichkeit werden kann: Im Zuständigkeitsbereich von OB Dirk Hilbert (FDP) soll eine neue Stelle geschaffen werden, deren Aufgabe in der "Koordinierung der Erschließung von Freiflächen und der Öffnung von Schulhöfen" besteht. Aus dem eigenen Budget stellt der Rathaus-Ausschuss dafür die notwendigen 50.000 Euro zur Verfügung.

"Da, wo während der Schulzeit Kinder spielen, sollte es doch auch möglich sein, dass dort Kinder nach der Schulzeit spielen können. Bislang wurden uns vielfältige Hindernisse genannt, warum das nicht gehen soll. Um das zu ändern, muss der OB ran", sagt Stadtrat und Mitglied im Jugendhilfeausschuss, Tilo Kießling (Linke). Mithilfe der neu geschaffenen Stelle - und der Unterstützung von OB Hilbert - sollen kontinuierlich und mit Nachdruck noch offene Fragen und Unsicherheiten in den Schulen geklärt werden.

In zwei Musterschulen war die Öffnung der Höfe aus Sicht der Stadt gescheitert. Zu groß war die Angst vor Vandalismus oder vor einer "Übernutzung" der Freiflächen. Der Arbeitskreis "Sportliche Kinder- und Jugendarbeit" hat dazu Stellung genommen. Neben einem persönlichen Öffnungs- und Schließdienst wäre auch eine technische Lösung vorstellbar, zum Beispiel die Öffnung der Tore mit zeitgesteuertem Zahlenschloss. Zudem könne mit einem jährlichen Zuschuss von 1.000 Euro, einer Erhöhung der Hausmeisterstunden oder neuen Sportgeräten gelockt werden.

Bekenntnis für Jugendökohaus

Der Jugendhilfeausschuss hat sich auch zum drohenden Aus des Jugendökohauses im Großen Garten geäußert. Per Beschluss wird der OB aufgefordert, bis zum Herbst 2023 in einer Vorlage die "weitere Entwicklung außerschulischer Jugendbildung im naturkundlichen Bereich zu beschreiben". In die Erarbeitung der Vorlage ist der Förderverein Jugendökohaus einzubeziehen.

Das Jugendökohaus ist derzeit noch im Kavaliershaus im Großen Garten beheimatet. Bereits Ende April droht jedoch der Rauswurf, nachdem die Stadt Dresden und der Freistaat Sachsen einen Aufhebungsvertrag ausgehandelt hatten. Unterstützer des Jugendökohauses kämpfen für den Erhalt und haben die von über 8.000 Menschen unterzeichnete Petition bereits an OB Hilbert übergeben. Der Stadtrat und Landtagsabgeordnete Thomas Löser (Grüne) sieht Stadt und Land in der Pflicht. Mögliche Ausweichstandorte könnten aus seiner Sicht im Dresdner Zoo, im Botanischen Garten sowie in der Heide am Albertpark sein.

"Es reicht nicht, dass Herr Dirk Hilbert gut gelaunt die Petition entgegennimmt. Die Verwaltungsspitze muss handeln und sich direkt mit dem Staatsbetrieb Schlösser und Gärten in Verbindung setzen und darauf hinwirken, dass eine Übergangsfrist bis Ende des Jahres geschaffen wird", sagt Thomas Löser.