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Nach SMS-Absage: "Ich fühle mich so gedemütigt"

Meistgelesen: Per SMS kündigte ein Dresdner Büro den Praktikumsvertrag einer Architektin aus Honduras. Nun hat sie kein Geld mehr - und ihr Visum ist abgelaufen.

Loany Guzman wollte in Dresden als Architektin arbeiten. Nun steht sie vor einer ungewissen Zukunft.
Loany Guzman wollte in Dresden als Architektin arbeiten. Nun steht sie vor einer ungewissen Zukunft. © Christian Juppe

Dresden. Sie sagt, es sei das erste Mal, dass sie darüber reden kann, ohne zu weinen. Und dann werden ihre Augen doch feucht. Loany Guzman hat eine furchtbare Woche hinter sich. Eigentlich wollte die 31-Jährige aus Honduras jetzt in einem Dresdner Architekturbüro den nächsten Schritt machen. Stattdessen ist ihre Zukunft in Deutschland vollkommen ungewiss, weil das Büro ihr vor wenigen Tagen absagte. Mit einer SMS.

Loany Guzman stammt aus Honduras, ein Land mit zehn Millionen Einwohnern in Zentralamerika. Schon als Kind träumte sie davon, eines Tages nach Europa zu gehen. Vor allem Deutschland faszinierte sie. Mit 15 wünschte sie sich, an einem Austauschprogramm mit einer deutschen Schule teilzunehmen. Doch das konnten ihre Eltern nicht ermöglichen.

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Verspätete Reise nach Deutschland

Ein Jahr später wurde ihr Vater, ein Anwalt, in der Hauptstadt Tegucigalpa auf dem Weg zu einem Restaurant auf offener Straße ermordet. "Er war es, der die Familie zusammengehalten und das Geld verdient hat", erinnert sie sich. "Und jetzt war er plötzlich nicht mehr da." Obwohl es finanziell nun kaum mehr zu stemmen war, schloss sie die Highschool ab und studierte in ihrer Heimat Architektur. Das nötige Geld verdiente sie sich nebenbei als Bauzeichnerin.

Nach ihrem Abschluss wollte sich Loany Guzman endlich den Traum von Europa erfüllen und meldete sich für den Bundesfreiwilligendienst an. Einen Monat vor ihrer Abreise erhielt ihre Mutter jedoch eine Krebsdiagnose. Die Tochter blieb und begleitete sie bei der kräftezehrende Chemotherapie.

Erst als es der Mutter besser ging, reiste Loany nach Deutschland. "Ich wollte raus und einen sicheren Ort finden, an dem ich in Frieden leben kann", sagt sie. "Außerdem hatte ich den Plan, hier Geld zu verdienen, um es nach Hause zu schicken." Die teuren Medikamente für die Mutter müssten privat bezahlt werden. In manchen Monaten sei das möglich, in anderen nicht.

Jobangebot aus Dresden

Ihr Bundesfreiwilligendienst führte sie nach Quedlinburg, wo sie 18 Monate lang das Deutsche Fachwerkzentrum unterstützte. "Das war eine großartige Zeit", sagt sie, "in der ich unheimlich viel gelernt habe und viele inspirierende Menschen getroffen habe." Täglich unterstützte sie das Team auf der Baustelle oder in der Tischlerwerkstatt bei der Restaurierung von historischen Fenstern und Türen von Fachwerkhäusern. Dafür bekam sie eine Wohnung und Taschengeld.

Parallel begann sie in den letzten sechs Monate ihres Dienstes, sich nach künftigen Arbeitgebern umzuschauen. Nach einem Online-Interview schien ihre Suche erfolgreich zu sein. Ein Architekturbüro in Dresden zeigte Interesse. "In den Wochen und Monaten danach standen wir immer in Kontakt", sagt sie, ein erster Vertrag sei jedoch von der Arbeitsagentur zurückgewiesen worden, da ihr kein Mindestlohn zusichert worden war.

Kein Problem, hieß es aber von der Firma, der Vertrag werde rechtzeitig geändert. Nach dieser Zusicherung suchte sich Loany Guzman eine Wohnung in Dresden und begann mit der Einrichtung. "Dafür musste ich mir Geld von einem Freund leihen, dem ich versprach, es von meinen ersten Gehältern zurückzuzahlen."

"Ich weiß nicht, wie es weitergeht"

Unterdessen lief ihr Visum in Deutschland aus. Für die Verlängerung musste sie der Ausländerbehörde den neuen Arbeitsvertrag vorlegen. Termin war vergangenen Freitag. Am Tag zuvor ging sie noch in ein Möbelhaus einkaufen und schleppte gerade zwei volle Taschen zur Haltestelle, als ihr Handy vibrierte.

Die SMS vom Architekturbüro bestand aus zwei Sätzen. Es gebe leider keine Möglichkeit für ein Praktikum und: "Wir wünschen Ihnen trotzdem alles Gute."

"So saß ich dann an der Haltestelle zwischen meinen Taschen und habe erstmal nur geweint", sagt sie. "Ich wusste nicht, wie es weitergeht und ich weiß es auch jetzt noch nicht." Sie habe alles auf eine Karte gesetzt und verloren. Ihr geliehenes Geld steckt in der Einrichtung der neuen Wohnung, die sie nun womöglich gar nicht braucht. Am vergangenen Samstag lief ihr Visum aus, doch nicht mal einen Flug nach Hause könnte sie derzeit bezahlen.

Die Ausländerbehörde gab ihr nun einen Monat Zeit, um ihre Angelegenheiten zu regeln. Beim Büro, das sie versetzte, habe sie sich bis jetzt noch nicht gemeldet. "Das konnte ich einfach nicht. Ich fühle mich so gedemütigt und respektlos behandelt. Ich möchte wissen, ob sie mit einem Deutschen genauso umgegangen wären."

Gern würde Loany Guzman in Dresden bleiben, doch die Zeit läuft. Potenzielle Arbeitgeber können sich online über ihre Qualifikationen informieren.

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