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"Eltern berichten von nachlassender Motivation"

Überall Lücken: Dresdner Nachhilfeanbieter stellen sich auf großen Ansturm ein. Viele Eltern sind im Homeschooling komplett überfordert.

Ab dem 15. März sollen die Kinder ab der 5. Klasse wieder in die Schulen zurückkehren.
Ab dem 15. März sollen die Kinder ab der 5. Klasse wieder in die Schulen zurückkehren. © Sebastian Gollnow/dpa

Dresden. Aufatmen bei vielen Dresdner Schülern und Eltern. Ab dem 15. März sollen die Kinder ab der 5. Klasse wieder in die Schulen zurückkehren. Wenn die Inzidenz nicht über 100 steigt. Und die Rückkehr wird auch Zeit, finden viele Eltern. Die Motivation ihrer Kinder habe im Homeschooling zuletzt stark nachgelassen. Aus Sorge um große Bildungslücken beim Nachwuchs melden sich jetzt viele zur Nachhilfe an.

Nico Kühnold, Inhaber der Nachhilfeagentur Schülerhilfe, rechnet ab der Schulöffnung wieder mit deutlich erhöhter Nachfrage in Dresden. "Eltern und Schüler beklagen sich bei uns im Lockdown nicht nur über die technischen Unzulänglichkeiten der Lernplattform LernSax. Viele Eltern berichten uns über die stark nachlassende Motivation ihrer Kinder für schulische Belange", so Kühnold. Schüler bekämen oft nur Aufgaben in LernSax bereitgestellt und müssten diese dann termingerecht abgeben. "Aber wer hilft ihnen beim Lösen der Aufgaben? Wer erklärt ihnen ein Thema und diskutiert es in der Gruppe? Wer findet und bespricht ihre Fehler vor der Klassenarbeit?", fragt er. Der so dringend nötige persönliche Unterricht werde online nur von einigen wenigen engagierten Lehrern angeboten. Häufig gibt es pro Unterrichtsfach einen festen Termin pro Woche mit dem Fachlehrer im Rahmen eines Chat im LernSax. Hier können Schüler zwar Fragen stellen, aber diese werden eben nur in Textform beantwortet. Unterricht braucht mehr. Im Homeschooling gibt es häufig keinen festen Stundenplan. Es fehlt Schülern deshalb ganz oft an Struktur, Orientierung und einem konkreten Lernplan. Daran ändert auch eine Klassenleiter-Stunde pro Woche in LernSax nichts.

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Von großem Bedarf spricht auf Ute Stark von Studienkreis. Etwa 500 Dresdner Schüler nehmen dort Nachhilfe in Dresden. "Die Bandbreite geht von der 1. bis zur 12. Klasse" , sagt sie. Doch trotz großen Bedarfs mussten sich viele Familien abmelden, das Geld fehlt in Coronazeiten wegen Kurzarbeit und Entlassungen. "Viele Eltern sind mit dem Homeschooling überfordert und wenden sich an uns", so Stark. Die Eltern von Erstklässlern verzweifeln daran, ihren Kind Grundfähigkeiten wie lesen und schreiben beizubringen und die von Teenagern an der fehlenden Motivation und den schweren Gleichungen in Mathe.

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Auch der Bundesverband Nachhilfe- und Nachmittagsschulen beobachtet, dass der Bedarf an Nachhilfe durch Schulschließungen und Homeschooling deutlich gestiegen ist, weil viele Schüler Schwierigkeiten hatten, sich den Stoff eigen- und selbstständig zu erarbeiten und ihnen die Möglichkeit des Austauschs mit den Lehrern und den Klassenkameraden fehlten. "Auch die Lehrer bestätigen die Lernlücken und Wissensdefizite", so Sprecherin Marion Steinbach. Ein Problem sei: Da Klassenarbeiten ausgesetzt wurden, war Eltern und Schülern lange Zeit auch nicht bewusst ist, wie groß die Wissenslücken sind.

Unverständnis von Grundschuleltern

Ein großes Unverständnis würden auch die Eltern von Grundschülern zeigen. "Ihre Kinder können seit 15. Februar 2021 die Schule wieder im festen Klassenverband besuchen, aber der Besuch der Schülerhilfe bleibt weiterhin per Verordnung untersagt", so Kühnold. Er betont, er arbeite bei der Schülerhilfe im Grundschulbereich mit maximal drei Schülern im Kurs gegenüber 28 Schülern einer Schulklasse. Gerade für Grundschüler sei der Präsenzunterricht jedoch noch wichtiger, da sie bei der Online Nachhilfe meist zuhause technische Unterstützung durch Eltern oder Großeltern benötigen und am Bildschirm schneller ermüden.

Kühnold betont aber , er und sein Team seien , wenn die Präsenz-Nachhilfe verboten bleibt, in der Lage, das Kursprogramm für alle Schüler innerhalb weniger Tage auf Online Nachhilfe umzustellen. Diese erfolge mit dem persönlich bekannten Lehrer zur selben Zeit im selben Umfang auf Basis einen echten interaktiven Unterrichts. U

Besonders gefragt sind bei der Schülerhilfe die Hauptfächer Mathematik, Deutsch und Englisch. "Da nach unserer Erfahrung jedoch auch andere Schulfächer im Homeschooling oder im Präsenzunterricht für die Abschlussschüler bearbeitet werden, führen auch wir unsere Kurse in Chemie, Physik, Französisch, Latein und Spanisch weiterhin durch", sagt er. Für die Abschlussschüler stellen zudem spezielle Crashkurse zur Prüfungsvorbereitung.

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