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So war der Striezelmarkt nach dem Krieg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben die Menschen in Dresden vor 75 Jahren ihre erste Friedensweihnacht gefeiert.

„Tannenduft und Kerzenschimmer": So weinig selbstverständlich wie der Striezelmarkt in diesem Jahr ist, war er schon mindestens einmal.
„Tannenduft und Kerzenschimmer": So weinig selbstverständlich wie der Striezelmarkt in diesem Jahr ist, war er schon mindestens einmal. © Robert Michael

Der 586. Striezelmarkt ist dem neuartigen Coronavirus zum Opfer gefallen. Als 75 Jahre zuvor, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die Menschen die erste Friedensweihnacht feierten, war inmitten der Trümmer in der Innenstadt an Glühweinduft und Weihnachtsseligkeit nicht zu denken. Doch in der damaligen Not ging es ohne Weihnachtsmarkt denn doch nicht. In einem Gebäudeflügel der ehemaligen Goehle-Werke an der Riesaer Straße, dem jetzigen Zentralwerk, lockte die „Weihnachtsmesse 1945“ Groß und Klein.

Zur Eröffnung am 5. Dezember war der Erste Bürgermeister Walter Weidauer erschienen. „Weihnachtliche Stimmung umfängt uns schon beim Betreten der Messeräume“, schrieb der Reporter der „Sächsischen Volkszeitung“. „Tannenduft und Kerzenschimmer tragen erstes weihnachtliches Ahnen in unsere Herzen.“ Frau Stadtrat Elsa Fenske, wie es damals hieß, hielt eine Rede, der Kreuzchor sang. „Mit fröhlichem Jubel drängten sich glückselige Kinder durch die Räume“, wurde weiter berichtet.

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50.000 Spielzeuge gesammelt

Bis zum 13. Dezember drängten sich mehr als 30.000 Besucher durch Türen, die wegen des Andrangs immer wieder geschlossen werden mussten. Auf einer Märchenbühne wurde vorgelesen, Kasperletheater gespielt, gab es Tanzvorführungen. Mädchen erfreuten sich an Puppen und Puppenstuben, Jungs an Kaufmannsläden, Pferdeställen sowie Autos, Omnibusse und Eisenbahnen aus Holz. 50.000 Spielzeuge waren zusammengetragen worden. In Nähstuben waren neben Kleidungsstücken Stofftiere und Puppen gefertigt worden.Der damals schmerzlich vermisste Striezelmarkt geht auf ein „landesherrliches Privileg“ von 1434 zurück, mit dem Kurfürst Friedrich II. der Stadt gestattete, ein Mal wöchentlich und auch „am Tage vor dem Heiligen Christabend“ einen Markt abzuhalten . Die Frauen sollten für die Festtage einen Braten kaufen können. Später durften auch die Bäcker dort ihre Weihnachtsleckereien anbieten, vor allem den Striezel oder Struzel, wie der Stollen damals hieß. Um 1500 war die Rede vom „Striezelmontag“. Im 18. Jahrhundert wurde der Markt ausgeweitet und um 1780 begann er in der Regel am 19. Dezember.

Stammplatz des Striezelmarktes war auch früher schon der Altmarkt. Später ging das Marktreiben auch am Neustädter Markt am Goldenen Reiter oder am Neumarkt vor der Frauenkirche über die Bühne. In den 1930er-Jahren bot zeitweise der Stallhof die Kulisse. Nach der Premiere 1945 zog die Weihnachtsmesse in die Stadthalle in der Albertstadt, dem späteren Armeemuseum der DDR und heutigem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr. Zehntausende Dresdner strömten am ersten Adventssonntag zur Eröffnung von Weihnachtsmesse und Striezelmarkt.

Schnitzer, Drechsler, Klöpplerinnen

Die zehnjährige Renate Kretsch, deren Vater im Krieg geblieben war, erhielt als 200 000. Besucherin ein Puppenschlafzimmer geschenkt. Attraktion der vierten Weihnachtsmesse 1948 war ein Stand, ein „freier Laden“ der HO (Handelsorganisation), wo Waren ohne Bezugsmarken erworben werden konnten wie Süßigkeiten, Weißbrote und Brötchen. An weiteren Ständen gab es Bücher, Bilder, Glaswaren, Spielzeug, Schmuck, Textilien, Schnitzereien und Haushaltsartikel sowie die traditionellen Pfefferkuchenhäuschen. Schnitzer, Drechsler und Klöpplerinnen zeigten ihre Erzeugnisse. Zudem zog eine große Modelleisenbahnanlage Aufmerksamkeit auf sich.Die Weihnachtsmessen in der Stadthalle wurden noch bis 1967 gezeigt.

Der Striezelmarkt zog 1954 wieder in die Innenstadt, zunächst auf den Theaterplatz, 1955 und 1956 auf den Altmarkt. Weitere Standorte in den Folgejahren waren die Webergasse, die Wallstraße, die Gewandhausstraße, die Weiße Gasse und die Kreuzstraße. In den 1970er-Jahren wurde er zeitweilig auf den Straßburger Platz, dem damaligen Fucikplatz, verbannt. 1977 kehrte er dann auf den Altmarkt zurück.

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