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Dresden: Neuer Radweg am Terrassenufer

Bisher gab es auf dem Fuß- und Radweg vor den Dampferanlegestellen Konflikte. Sie sollen durch einen Streifen entschärft werden. Werden die Dresdner ihn nutzen?

Neu: Am Terrassenufer gibt es jetzt auf der südlichen Seite einen Radstreifen, der auch zwingend benutzt werden muss.
Neu: Am Terrassenufer gibt es jetzt auf der südlichen Seite einen Radstreifen, der auch zwingend benutzt werden muss. © Sven Ellger

Dresden. Radfahrer sollen auf einer der beliebtesten Straßen der Stadt ab jetzt sicherer unterwegs sein. Dafür soll ein 900 Meter langer Schutzstreifen auf der südlichen Seite des Terrassenufers zwischen Italienischem Dörfchen und Steinstraße sorgen. "Radfahrer, die in Richtung Albertbrücke unterwegs sind, müssen jetzt zwingend diesen Streifen nutzen und dürfen nicht mehr wie bisher auf dem gegenüberliegenden Fuß- und Radweg vor den Dampferanlegestellen fahren", sagt Dresdens Bau- und Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne).

Die Stadt erhofft sich davon auch eine verbesserte Situation für Fußgänger auf dem Geh- und Radweg. Immer wieder war es dort zu gefährlichen Situationen zwischen Radfahrern, die in zwei Richtungen unterwegs waren, und Fußgängern gekommen. Mitunter waren die Warteschlangen vor den Dampfern auch so breit, dass Radfahrer nicht mehr vorbeikamen.

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"Wir wissen, dass der Streifen nur ein Kompromiss ist, aber auf dem Terrassenufer ist nicht genug Platz für beidseitige Radwege", sagt Kühn. Laut dem Radwegspezialisten Gerd Jarosch aus dem Straßen- und Tiefbauamt hätte das Terrassenufer 1,50 Meter breiter sein müssen, um beidseitige Radstreifen anordnen zu können. Zudem seien hier auch Vorgaben des Denkmalschutzes zu beachten. Deshalb sei man froh, diese Variante als Lückenschluss des Elbradweges zwischen Theaterkahn und Steinstraße anbieten zu können. Sie ist Teil des Dresdner Radwegekonzeptes. Dafür müssen Radfahrer allerdings zweimal das Terrassenufer überqueren. Vor allem an der Fußgängerinsel am Theaterkahn ist dies aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens von 20.400 Fahrzeugen pro Tag kein leichtes Unterfangen, wie zum Termin am Dienstagmittag zu beobachten war. Auch an der Ampel Steinstraße ist nur wenig Platz, auf dem sich Radfahrer aufstellen können. Offen ist auch noch die Frage, ob alle Radfahrer auf dem gelben Hinweisschild samt Pfeil am Theaterkahn erkennen, dass sie jetzt die Straßenseite wechseln müssen.

Kühn und seine Kollegin Simone Prüfer, die Leiterin des Straßen- und Tiefbauamtes, glauben dennoch, dass der neue Streifen gut angenommen wird. Positive Rückmeldungen von Nutzern gebe es bereits. Immerhin stolze 35.000 Euro haben die Markierungsarbeiten und eine Bordsteinabsenkung am Terrassenufer gekostet.

Dass nicht alle den neuen Radstreifen am Terrassenufer nutzen, sondern auch weiterhin auf dem elbseitigen Geh- und Radweg fahren, war gestern häufig zu beobachten. Die Polizei ist jedoch über den neuen Streifen informiert und wird auch kontrollieren.
Dass nicht alle den neuen Radstreifen am Terrassenufer nutzen, sondern auch weiterhin auf dem elbseitigen Geh- und Radweg fahren, war gestern häufig zu beobachten. Die Polizei ist jedoch über den neuen Streifen informiert und wird auch kontrollieren. © Sven Ellger

Eigentlich hätte die Stadt aufgrund der hohen touristischen Nutzung gern Tempo 30 auf dem Terrassenufer eingeführt, doch dies ließen die gesetzlichen Vorgaben nicht zu. "Dafür bräuchten wir als Kommune mehr Handlungsspielraum", sagt der Verkehrsbürgermeister. Vielleicht gebe es dafür nach der Bundestagswahl neue Möglichkeiten. Der Deutsche Städte- und Gemeindetag habe dazu eine Initiative gestartet.

"Wir prüfen derzeit, ob wir temporäre Verkehrsversuche zu verschiedenen Themen wie Tempo 30 oder Shared Spaces machen können und suchen dafür nach geeigneten Straßenabschnitten", sagt Stephan Kühn. Ihm fällt dazu neben dem Terrassenufer die Pillnitzer Landstraße ein, auf der sich Tempo 30 und 50 ständig abwechseln, was dem Verkehrsfluss nicht dienlich ist. Zu den Versuchen sei man auch mit der TU Dresden über eine Zusammenarbeit im Gespräch. "Aber auch dazu benötigen wir die Zustimmung der Straßenverkehrsbehörde", sagt Kühn.

Für das kommende Jahr stellte der Verkehrsbürgermeister weitere Lückenschlüsse an Radwegen auf der Bautzner Straße und der Reicker Straße in Aussicht. Dort seien die Arbeiten allerdings komplizierter, da jeweils Busse oder Bahnen auf diesen Straßen unterwegs seien und es kein Ziel sei, durch verbesserte Radwege den Nahverkehr auszubremsen.

Beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC kommt der neue Radstreifen gut an. "Das haben wir selbst auch angeregt. Allerdings halten wir es für ungünstig, dass dafür zweimal das Terrassenufer überquert werden muss", sagt Vorstandsmitglied Nils Larsen. Negativ bewertet er auch, dass Radfahrer jetzt nicht mehr den elbseitigen Fuß- und Radweg benutzen dürfen, wenn sie in Richtung Albertbrücke unterwegs sind.

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