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Dresdner Lösung für neuen Zugtunnel?

Für den gigantischen Tunnel in Richtung Prag soll ein Überholbahnhof in Heidenau entstehen. Der ist umstritten. Bietet Dresden eine Alternative?

Der Güterbahnhof Dresden-Friedrichstadt bietet viel Platz für das Rangieren von Zügen. Eine Alternative für den umstrittenen Überholbahnhof in Heidenau?
Der Güterbahnhof Dresden-Friedrichstadt bietet viel Platz für das Rangieren von Zügen. Eine Alternative für den umstrittenen Überholbahnhof in Heidenau? © Marion Doering

Dresden/Heidenau. Es ist ein Großprojekt der besonderen Art: Die Deutsche Bahn will einen riesigen Tunnel bauen, um das Elbtal vom Zugverkehr zu entlasten. Ein Projekt, das prinzipiell viel Zustimmung bekommt. Allerdings sorgt ein großer Überholbahnhof, der vor dem Tunneleingang in Heidenau entstehen soll, seit Monaten für Aufregung in der sächsischen Kleinstadt. Denn dafür wird viel Fläche rechts und links der jetzigen Gleise benötigt, Privatgrundstücke würden an Wert verlieren, allein die Großbaustelle für den Tunnel wird Heidenau über Jahre hinweg belasten.

Nun schlug ein Dresdner SZ-Leser vor, stattdessen den alten Güterbahnhof in Dresden-Friedrichstadt dafür zu nutzen, die Züge vor der Einfahrt in den Tunnel nach ihrer Schnelligkeit sortieren zu können. Auf SZ-Anfrage bestätigt ein Bahnsprecher, dass für eine hohe Kapazität auf der Schiene in regelmäßigen Abständen Überholmöglichkeiten für die Züge nötig seien. "Dort können schnellere Züge einen langsameren Zug überholen."

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Für die Neubaustrecke Dresden – Prag ist ein grenzübergreifender Tunnel mit einer Länge von mindestens 26 km geplant. Vor den Tunnelportalen auf deutscher und auf tschechischer Seite ist jeweils ein Überholbahnhof notwendig, so der Sprecher weiter.

Und er betont: "Bei der Volltunnelvariante müsste dieser Überholbahnhof im Bereich Heidenau angeordnet werden." Die genaue Lage und Ausdehnung werde derzeit untersucht.

Baukosten: 1,3 Milliarden Euro

Der Idee, den Güterbahnhof in der Friedrichstadt dafür zu nutzen, erteilt der Bahnsprecher indes eine klare Absage. "Dresden-Friedrichstadt kann diese Aufgabe des Überholbahnhofes nicht leisten, da der Abstand zu den Tunnelportalen zu groß ist." Das hätten entsprechende Simulationen der Kapazitätsbetrachtung ergeben.

Die Landesdirektion Sachsen (LDS) hatte als zuständige Behörde Mitte vergangenen Jahres das sogenannte Raumordnungsverfahren abgeschlossen. Der Güterbahnhof Dresden-Friedrichstadt sei nicht Gegenstand dieses Verfahrens gewesen, teilt LDS-Sprecher Ingolf Ulrich jetzt mit. Im Zuge des Verfahrens wurden aus sieben möglichen Varianten zwei als umsetzbar bewertet. Demnach könnte es sowohl ein Volltunnel werden, als auch eine teiloffene Strecke.

Fest steht schon jetzt: Die neue Strecke soll zwischen Heidenau und Pirna von der bestehenden Elbtalstrecke abzweigen und durch einen mindestens 25 Kilometer langen Tunnel bis nach Tschechien verlaufen. Die Baukosten liegen geschätzt bei 1,3 Milliarden Euro, 2039 könnte das gigantische Projekt fertig sein. Mittlerweile hat die Deutsche Bahn den Planungsauftrag für die Ausfädelung der Neubaustrecke in Heidenau vergeben. Bis der Planer konkrete Entwürfe für den Überholbahnhof vorstellt, wird allerdings noch einige Zeit vergehen.

Wie genau die Tunnelröhren einmal gebaut werden, ist ebenfalls noch offen. Darüber wird auch die geologische Beschaffenheit des Gesteins entscheiden. Allerdings soll jedes Gleis eine eigene Röhre bekommen, die in regelmäßigen Abständen über Stollen verbunden sind. Diese sind auch im Falle einer Havarie oder eines Noteinsatzes wichtig.

Tschechien segnet Machbarkeitsstudie ab

Das tschechische Verkehrsministerium hat nun auch eine Machbarkeitsstudie für seinen Teil der Strecke abgesegnet. Das teilte das staatliche Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen SZ am Freitag mit. Die Projektstudie werde nun als Grundlage für die weiteren Planungen dienen.

Die Strecke soll von Prag nach Litomerice (Leitmeritz) und von dort durch einen 18 Kilometer langen Tunnel unter dem Böhmischen Mittelgebirge hindurchführen. In Usti nad Labem (Aussig) an der Elbe ist der Bau eines neuen Fernzughalts im Bereich des jetzigen Westbahnhofs geplant. Von dort besteht Anschluss an den Tunnel nach Deutschland.

Die Machbarkeitsstudie rechnet mit bis zu 150 Güterzügen täglich. Die Fahrzeit im Personenverkehr zwischen Prag und Dresden soll von derzeit zweieinhalb Stunden auf nur noch 51 Minuten verkürzt werden. Die Züge sollen mit Höchstgeschwindigkeiten zwischen 200 und 320 Kilometern pro Stunde je nach Streckenabschnitt unterwegs sein. Die Neubaustrecke ist Teil des transeuropäischen Verkehrsnetzes TEN-T.

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