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"Ich hatte mich schon fast aufgegeben"

Mehr als drei Wochen lang kämpfte ein Paar aus Dresden nach einer Corona-Infektion ums Überleben. Nun will es Ärzten und Pflegern danken.

Nach einem schweren Verlauf ihrer Corona-Infektion sammelt das Ehepaar Koch nun wieder Kräfte.
Nach einem schweren Verlauf ihrer Corona-Infektion sammelt das Ehepaar Koch nun wieder Kräfte. © Sven Ellger

Dresden. Es begann mit einem leichten Husten. Wie so oft. Vorsichtshalber holte sich das Ehepaar Koch einen Schnelltest und stellte überrascht fest, dass das Ergebnis bei dem 72-Jährigen positiv ausfiel. Am 8. April bestätigte ein PCR-Test, dass er sich mit Covid-19 infiziert hatte.

"Wir können uns das überhaupt nicht erklären", sagt sein Frau. "Wir waren so vorsichtig und sind fast nur zu Hause gewesen." Wahrscheinlich, so vermuten sie, muss sie das Virus am Gründonnerstag beim Einkaufen erwischt haben.

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Nach dem Test verschlechterte sich der Zustand des 72-Jährigen innerhalb kurzer Zeit dramatisch, so dass seine Frau in der Nacht den Notarzt rief. "Er hat kaum noch Luft bekommen und hatte hohes Fieber", erinnert sie sich. Der Senior wurde nach Friedrichstadt gebracht und dort sofort auf der Intensivstation beatmet.

"Zu wenig gewürdigt"

Seine Frau blieb unteressen zu Hause in Quarantäne und bemerkte zunächst nur, wie ihre Beine immer wackliger wurden. Ihr Sohn brachte ihr täglich das Essen an die Tür, bis sie einsehen musste, dass sie dringend Hilfe brauchte. Am 21. April kam auch sie in kritischem Zustand auf die Intensivstation.

"Wir wollen die aufopferungsvolle Arbeit der Ärztinnen und Pflegerinnen würdigen", schrieben die beiden nun in einem Brief an die Sächsische Zeitung. "Die Pflege erfolgte mit viel Menschlichkeit, liebevoll und stets mit Freundlichkeit", dabei seien die Arbeitsbedingungen mit Maske, Helm und Schutzbekleidung alles andere als einfach.

Diesem großen Einsatz werde nach ihrer Auffassung in der Öffentlichkeit immer noch zu wenig Beachtung geschenkt. Die beiden sind sich sicher, dass ihre Leben nur durch die rechtzeitige Beatmung auf der Intensivstation gerettet werden konnten. "Ich hatte mich schon fast selbst aufgegeben", sagt der 72-Jährige, der durch mehrere Stents und einen Schlaganfall bereits vorbelastet war. "Zeitweise habe ich schon nichts mehr um mich herum mitbekommen."

Fast wie im Hotel

Psychisch hätten ihm in diesen Stunden die Worte des medizinischen Personals sehr geholfen und ihm die Zuversicht gegeben, weiterzukämpfen. Ganz sicher zu ihrer Genesung beigetragen hätte zudem, dass sie auf beiden Stationen in einem Zimmer liegen durften und nicht getrennt wurden. "Damit wussten wir immer, wie es dem Partner geht."

Auch für das Reinigungspersonal und die Küche haben sie nur positive Worte übrig und hätten sich trotz der widrigen Umstände fast wie in einem Hotel gefühlt. "Uns wurden sogar die Frühstücksbrötchen geschmiert."

Dennoch waren die Kochs froh, als sie das Krankenhaus zuletzt nach dreieinhalb Wochen als Genesene verlassen konnten. Sie fuhr mit dem Taxi nach Hause, er im Krankenwagen. "Darüber sind wir sehr glücklich. Es hätte durchaus auch ein anderes Auto sein können. Unsere Kinder haben sich große Sorgen gemacht."

Ratschlag an Corona-Leugner

Zu Hause braucht der 72-Jährige nun weiterhin ein Sauerstoffgerät, bis seine Lunge wieder in vollem Umfang funktioniert. "Zum Glück reicht der Schlauch bis auf den Balkon und unter die Dusche", sagt er.

"Jeder Corona-Leugner sollte mal eine Woche lang täglich eine Schicht auf einer Covid-Intensivstation durchzuführen, um all das Leid mitzuerleben", schreibt das Paar - und fügt dann vorsichtshalber hinzu, dass das in der Realität lieber doch den Profis überlassen werden sollte.

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