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"Ich habe schon in der Schule gekuppelt"

Die Liebe in den Zeiten Coronas hat es schwer. Aber nicht nur das stellt die Partnersuche vor neue Herausforderungen, wie Liebescoach Simone Klebe erzählt.

Gleichklang hält Partnervermittlerin Simone Klebe für aussichtsreicher, als anziehende Unterschiede - zumindest, wenn eine Liebe lange halten soll.
Gleichklang hält Partnervermittlerin Simone Klebe für aussichtsreicher, als anziehende Unterschiede - zumindest, wenn eine Liebe lange halten soll. © dpa

Dresden. Es gibt Freundinnen, die haben ein Ohr für jeden Herzschmerz. Sie kennen die Regeln der Liebe und geben Rat im Wirrwarr der Gefühle. Ganz so, als ob ihnen ein ganz besonderer Sensus mitgegeben sei.

Simone Klebe war solch ein Mädchen. "Schon als Schülerin haben sich immer alle bei mir ausgeweint, wenn sie unglücklich verliebt waren. Die bohrenden Fragen, warum der eine die andere nicht wolle und was man tun könne, landete geradewegs bei mir", erzählt sie.

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Nur folgerichtig, dass sie heute Partnervermittlerin ist. Der Weg dahin hat seine Zeit in Anspruch genommen. Mit der Liebe zum Beruf ist es oft nicht anders, als es vielen Menschen in der Partnersuche geht.

Ihre Hoffnung, den Menschen fürs Leben zu finden, beflügelt Corona nicht gerade. Gerade steigen die Chancen zwar wieder, am Nachbartisch des Biergartens aufmerksam oder im Fitnessstudio angesprochen zu werden. Doch viele andere Möglichkeiten, sich kennenzulernen, fallen weiterhin aus: Konferenzen, Reisen, Tanzen, Feste. Auch Freundeskreise treffen sich nicht wie früher, und das Arbeitsumfeld reduziert sich für viele auf die eigenen vier Wände.

Seit 23 Jahren leitet Simone Klebe ihre Partnervermittlung "Liebe im Takt" und bringt in Dresden, ganz Sachsen, Berlin und Brandenburg Menschen auf den Weg zur glücklichen Beziehung.
Seit 23 Jahren leitet Simone Klebe ihre Partnervermittlung "Liebe im Takt" und bringt in Dresden, ganz Sachsen, Berlin und Brandenburg Menschen auf den Weg zur glücklichen Beziehung. © PR

"Die Nutzung von Onlineportalen hat im letzten Jahr stark zugenommen. Doch das Blatt wendet sich langsam wieder", sagt Simone Klebe. Mit ihrer Partnervermittlungsagentur "Liebe im Takt" bietet sie beides: "Wir bringen unsere Kunden individuell ausgewählt miteinander in Kontakt, haben aber auch eine Online-Börse, in der sie selbstständig suchen können."

Die veränderten Lebensbedingungen durch Corona haben nicht nur die Voraussetzungen für Frauen und Männer auf Partnersuche verändert. Simone Klebe musste sich ebenso neu orientieren und ihr Angebot erweitern.

Als die Diplomökonomin Mitte der 1990er Jahre aus beruflichen Gründen in eine neue Stadt gezogen war und dort nach Anschluss suchte, schaltete sie eine Zeitungsannonce. So entstand eine Freizeitgruppe, in der sie eine Art Déjà-vus erlebte. Wieder begegneten ihr Menschen, die so gern die große Liebe fänden und ihr von Enttäuschung, Verunsicherung und unpassenden Vorstellungen erzählten.

"Meine Mutter hatte schon viel früher zu mir gesagt: Warum machst du nicht zum Beruf, was dir so gut liegt?", erzählt sie. Nun begann sie, die Idee ernst zu nehmen. "Ich habe schon in der Schule gekuppelt und später erfolgreich unter Freunden. Warum sollte das nicht auch professionell gehen?" Schließlich gründete sie ihre eigene Agentur.

"Wir sind keine Erotikbörse"

Jetzt, ziemlich genau 23 Jahre später, schaut Simone Klebe auf eine Zeit mit existenziellen Höhen und Tiefen zurück. Aber sie weiß auch, dass es die richtige Entscheidung war. Rund 50.000 Dates habe sie zusammen mit ihrem Team seither vermittelt. "Inzwischen bin ich schon vielfache Kuppel-Oma geworden." Wie viele Paare aus jenen ersten Anbandelungen entstanden sind, wie viele geheiratet haben oder wieder geschieden sind, das kann sie nicht sagen. Doch zahlreiche Zuschriften und Fotos frisch Verliebter, die sie erreichen, geben ihr Recht.

Der Erfolg für alle Seiten will gut vorbereitet sein. "Wer zu uns kommt, muss wissen: Wir sind eine Partnervermittlung, keine Erotikbörse", sagt Simone Klebe. Ihrer Erfahrung nach suchen rund 50 Prozent nach sexuellen Abenteuern. "Die einen wollen heiraten, die anderen fremdgehen - das ist ein gewaltiger Unterschied." Wer sich jedoch für "Liebe im Takt" entscheidet, sollte beziehungswillig sein.

Und beziehungsfähig. Auch diese Voraussetzung klopft die Vermittlerin gleich zu Beginn ab, wenn ein neuer Kunde ihre Dienstleistung in Anspruch nehmen will. "Es kann passieren, dass jemand zwar meint, er suche einen Partner oder eine Partnerin." Aber für eine stabile Beziehung sei er gar nicht geeignet. Es gehört zu Simone Klebes Expertise, solche Einschätzungen ebenso offen wie respektvoll zu treffen.

Nötig ist das auch, wenn sie bemerkt: Da sucht jemand auf der falschen Plattform. Es mag befremdlich und politisch inkorrekt klingen, doch Menschen mit Handicaps unterstützt sie lieber bei der Suche einer passenden Börse, als ihr in ihrer Agentur gegen Geld falsch Hoffnungen zu machen. "Das halte ich für nötig, wenn sich jemand bei mir vorstellt, der suchtkrank oder verschuldet ist und in prekären Verhältnissen lebt."

"Fast alle haben Angst vor Enttäuschung"

Für sehr groß- oder kleingewachsene Menschen, Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen beispielsweise gibt es speziell zugeschnittene Portale, zu denen Simone Klebe entsprechenden Suchenden verhilft.

Ihre Kundschaft bewegt sich im Alter zwischen 25 und 85 Jahren. Ganz bewusst, mit Erfahrung aus früheren Beziehungen und konkreten Vorstellungen suchen überwiegend Frauen und Männer ab Ende 40. Viele haben bereits Partnerschaften und Ehen hinter sich. "Fast alle haben Angst vor Schmerz und Enttäuschung", weiß die Partnervermittler, die sich auch als Liebescoach versteht und Ehe-und Paarberatung anbietet.

Furcht vor Verletzungen und Rückschlägen führt viele zurück auf den analogen Weg der Partnersuche. "Wisch und weg" titelte jüngst eine Dokumentation aus der "37 Grad"-Reihe des ZDF. Sie drehte sich um das Datingportal Tinder, das wegen Menschenverachtung schon oft in Kritik stand. Bewerber stellen sich dort mit Foto und kleinem Text vor. Suchende wischen über den Bildschirm um Kandidaten auszusortieren, die für sie nicht in Frage kommen.

Simone Klebe kennt die Vor-und Nachteile der Onlinesuche. Seit um 2015 die Portale im Internet immer präsenter und frequentierter wurden, hat auch sie sich darauf eingestellt - nicht nur mit einer eigenen Online-Börse, sondern auch mit Beratungen zur erfolgreichen Onlinesuche. Einem anderen Menschen eine Absage zu erteilen, gehört für sie sowohl zur Suche im Netzt, als auch zur individuellen Vermittlung dazu. "Die Frage ist aber, wie würdevoll man das tut." Selbst darin leitet sie ihre Kunden an.

"Ich bin gerade sehr verliebt"

Damit ein Nein nicht nötig wird, gilt es Regeln zu beachten: "Das fängt mit dem Bild an. Ein gutes Foto ist das A und O", weiß Simone Klebe. Einfach mal flugs einen Schnellschuss per Handy hält sie für keine gute Idee. Schließlich lassen sich die meisten Menschen von diesem allerersten Eindruck leiten. Auch der Text, mit dem man sich kurz und prägnant vorstellt, bedarf Überlegung. Diese Hürden sind die höchsten.

Verändert haben sich über die Jahre auch die Kriterien, die relevant für Suchende sind. "Früher ging es nur um Alter, Statur, Hobbys, Beruf. Heutzutage spielt schon von vornherein eine Rolle, ob jemand Allergien, Haustiere, Kinderwunsch oder einen bestimmten Glaube hat."

Ebenso im Wandel der Zeit sieht Simone Klebe die Schere zwischen den Ansprüchen der Männer und Frauen: "Es gibt jetzt auffällig mehr Damen mit Niveau, die einen ebensolchen Mann suchen, als ich ihnen vermitteln kann." Der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen stellte einst eine Theorie auf. Danach orientieren sich suchende Männer in Sachen Bildung und beruflichem Erfolg der Frauen eher unterhalb ihrer eigenen Augenhöhe.

Frauen suchen umgekehrt. Sie wollen einen Mann mit vergleichbarem Bildungsgrad. Die Folge ist: "Übrig bleiben schlaue Frauen und dumme Männer", spitzt Hirschhausen zu. Ein Dilemma, das Simone Klebe zwar so drastisch nicht ausdrückt, aber gut kennt. Genau so wie die regelbestätigenden Ausnahmen und Sprüche wie "Gleich und Gleich gesellt sich gern" oder "Unterschiede ziehen sich an".

Für eine lange, stabile und harmonische Beziehung hält sie jedoch zwischenmenschliche Gleichungen für aussichtsreicher. Das weiß sie aus eigener Erfahrung. "Ich bin gerade sehr verliebt", sagt sie. Mehr will sie nicht verraten. Aber es klingt nach Frühling.

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