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Pflegeexpertin: "Brennpunkte werden aktiv geschaffen"

Die SZ befragt Dresdner vor der Bundestagswahl, welche Probleme es gibt und was sie von den Politikern erwarten. Heute: Pflegeexpertin Friederike Kühn.

Die Dresdner Pflegeexpertin Friederike Kühn arbeitet beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).
Die Dresdner Pflegeexpertin Friederike Kühn arbeitet beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). © ASB Dresden

Dresden. Hier haben die Dresdner das Wort: Wenige Wochen vor der Bundestagswahl möchte die SZ in einem für alle gleichen Fragenkatalog wissen, wo der Schuh drückt - in Deutschland, in Dresden, im jeweiligen Stadtteil. Die Befragten antworten und sagen, was sie sich von den Politikern, die ihre Stadt im Bundestag vertreten, erwarten.

Friedrike Kühn (38) ist Referentin für Qualitätsmanagement und Recruiting in der Altenpflege beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Dresden.

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Wo sehen Sie aktuell die größten Probleme in Deutschland?

Für mich sind es vor allem diese drei Probleme: Die Schere zwischen arm und reich geht weiter auseinander. Sozial Schwächere verlieren den Anschluss und müssen oft zurückstecken.

In meiner täglichen Arbeit beschäftige ich mich unter anderem mit der Mitarbeitergewinnung in der Pflege. Da merke ich immer wieder, dass dieser Beruf nicht die Anerkennung erhält, die er verdient und dass Pflege viel zu oft abseits unserer alltäglichen bewussten Wahrnehmung stattfindet.

Über den Klimawandel wird zu viel diskutiert anstatt verlässlich gehandelt. Das Thema steht immer in Katastrophenphasen auf der Tagesordnung, so wie jetzt nach den schlimmen Überflutungen in einigen Teilen Deutschlands.

Wo sehen Sie aktuell die drängendsten Probleme in Dresden?

Für mich ist die Steigerung der Lebensqualität in allen Stadtteilen ein wichtiger Punkt, auch in sozialen Brennpunkten. Und der Verkehr muss dringend entlastet werden durch Entwicklung zukunftsfähiger Konzepte. Vor allem müssen die Bedingungen für Fahrradfahrer verbessert werden.

Wo sind die Probleme in Ihrem Kiez?

Ich arbeite in Gorbitz, einem Stadtviertel, in dem viele ältere und sozial schwächere Menschen leben. Man sieht oft Perspektivlosigkeit und die Schuldsuche dafür bei anderen. Soziale Brennpunkte werden aber auch aktiv geschaffen – Stichwort Ghettoisierung.

Was muss sich ändern?

Es ist die Aufgabe der Gesellschaft sicherzustellen, dass möglichst viele vom Wohlstand profitieren. Und dass eine "soziale" Durchmischung in der Stadt geschieht, wo Dresdner, Zugezogene, Migranten, Arbeitssuchende und Berufstätige Nachbarn sind.

Was sollten Politiker dafür tun bzw. ändern?

Es geht vor allem darum, finanzielle Mittel gerecht zu verteilen. Lobbyismus hat einen viel zu großen Einfluss. Er muss aktiv bekämpft werden. Vor allem sollten Politiker langfristig denken und planen und nicht nur innerhalb der Legislaturperioden.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder/die künftigen Generationen?

Ich wünsche mir, dass meine Kinder in einer friedlichen Welt aufwachsen, in der die Politik von heute auch an die künftigen Generationen denkt.

Wenn Sie 100.000 Euro verteilen dürften in Dresden, was würden Sie damit tun?

Ich würde damit eine Anschubfinanzierung für eine langfristige kostenlose Frühstücks-/ Mittagsversorgung in Kitas und Schulen sicherstellen. In unseren ASB-Kindereinrichtungen betreuen und versorgen wir tagtäglich fast 1.000 Kinder und merken immer wieder, dass eine kindgerechte Ernährung nicht in allen Familien möglich ist.

Corona hat viel verändert. Welches Problem ist Ihnen bewusst geworden und was wünschen Sie sich von Dresdner Bundestagsabgeordneten, um es lösen zu können?

In der Pandemie hatte der Schutz vulnerabler Gruppen wie älterer Menschen besonderen Vorrang. Auch für uns beim ASB war das eine schwierige Zeit. Viele Bewohner unserer Pflegeheime haben unter dem Kontaktverlust gelitten. Der Schutz besonders unserer älteren Mitbürger war gut und richtig – nur dürfen dadurch die jungen Menschen und künftige Generationen nicht zurückstehen. Denn es geht um deren Zukunft, die sich schon heute entscheidet.

Bisher sind in der Serie erschienen:

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