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Warum die Königin der Nacht Unkraut ist

Jürgen Dreyer kann dem besonderen Kaktus nichts abgewinnen. Den Dresdner, der über 1.000 Kakteen hat, begeistern andere.

Jürgen Dreyer in seiner Welt der kleinen und großen Kakteen.
Jürgen Dreyer in seiner Welt der kleinen und großen Kakteen. © René Meinig

Jürgen Dreyer hat ein Problem. Ein Platzproblem. Drinnen im Gewächshaus, draußen im Garten, überall Kakteen. Ganz kleine und bis zu zwei Meter hohe, leichte und über 15 Kilogramm schwere, kuglige und säulenartige, blühende und stachlige. Mindestens 1.000 sind es. Richtig gezählt hat der Dresdner sie noch nie. Dem Platzproblem sind auch die viereckigen Pflanztöpfe geschuldet, mit denen sich der vorhandene Platz besser ausnutzen lässt. Zeit hingegen ist nicht sein Problem. Dreyer ist 81 und Rentner. Er ist täglich bei seinen Kakteen. Umpflanzen, anstaunen, gucken, Ungeziefer entfernen, beschreibt Dreyer seine "tägliche Spielerei".

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Die Hauptblütezeit der Kakteen ist vorbei, sie ist von April bis Juni. Jetzt im Juli ruhen die Kakteen, bevor im August und September das Wachsen im Mittelpunkt steht. Danach ist Dreyer wieder wochenlang damit beschäftigt, die draußen stehenden Kakteen ins Gewächshaus zu bringen. Im Frühjahr geht es dann in die entgegengesetzte Richtung.

Dreyer kennt jeden Kaktus in seinem Garten mit lateinischem Namen. Als Forstfacharbeiter ist er da vorgebildet. Und so war es nur ein kleiner Zufall, dass er als junger Mann zu einem Buch "Wunderwelt Kakteen" griff. Das war Anfang der 1960er-Jahre, als er seine spätere Frau kennenlernte, die auf dem Weißen Hirsch wohnte. Bis nach Zschachwitz lief er zwei Stunden, und in der Zeit blätterte er dann im Kakteen-Buch.

Die drei Lieblingskakteen des Sammlers

Nach und nach baute sich Dreyer eine Sammlung auf, die in der "grünen Passage" in Dresden-Lockwitz auch besucht werden konnte. Um die 4.000 Pflanzen standen dort zusammen. Bis zum Winter 1995/96. Ein Stromausfall bei minus 15 Grad vernichtete alle. Erst zehn Jahre später begann Dreyer von Neuem. Irgendwie hatten ihn die Kakteen nicht losgelassen.

Der Obregonia-Kaktus hat seinen Namen dem 46. Präsidenten von Mexiko, Álvaro Obregón, zu verdanken. Der Kaktus wurde Anfang der 1920er-Jahre gefunden und es bestand eigentlich Ausfuhrverbot. Die Namensgebung führte dann zu einer Sondergenehmigung.
Der Obregonia-Kaktus hat seinen Namen dem 46. Präsidenten von Mexiko, Álvaro Obregón, zu verdanken. Der Kaktus wurde Anfang der 1920er-Jahre gefunden und es bestand eigentlich Ausfuhrverbot. Die Namensgebung führte dann zu einer Sondergenehmigung. © René Meinig
Astroph Caputh medusae sieht nicht aus wie der typische Kaktus und ist auch eine Rarität. Jürgen Dreher hat seine Pflanze aus Tschechien, wo es viele auf die fantastische Art spezialisierte Sammler gibt.
Astroph Caputh medusae sieht nicht aus wie der typische Kaktus und ist auch eine Rarität. Jürgen Dreher hat seine Pflanze aus Tschechien, wo es viele auf die fantastische Art spezialisierte Sammler gibt. © René Meinig
Der Rauschgiftkaktus ist im Handel verboten, Sammler dürfen ihn haben. Die Mexikaner verehren ihn. Jürgen Dreyer hat seinen Rauschgiftkaktus durch Tauschen bekommen. Probiert hat er noch nicht, dafür sei er ihm zu schade, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Der Rauschgiftkaktus ist im Handel verboten, Sammler dürfen ihn haben. Die Mexikaner verehren ihn. Jürgen Dreyer hat seinen Rauschgiftkaktus durch Tauschen bekommen. Probiert hat er noch nicht, dafür sei er ihm zu schade, sagt er mit einem Augenzwinkern. © René Meinig

Obwohl nur etwa knapp die Hälfte der Kakteen blühen und das auch nicht immer, findet Dreyer vor allem die kugeligen Kakteen "angenehm fürs Auge". Ihre Vielfalt, ihre Anpassungsfähigkeit und "wie sie so aus dem Dreck rausgucken" begeistern ihn. Viele haben ihren Ursprung in Südamerika. Dreyer schwärmt für Bischofsmütze, Sägezahnfisch und die Rebutia-Gattung, kennt die Geheimnisse und Geschichten vom Rauschgiftkaktus, von Obregonia und Astroph. Nur von einem Kaktus spricht er nicht: von der beliebten Selenicereus grandiflorus, bekannt als "Königin der Nacht".

Sie verzaubert ihre Liebhaber und versetzt sie in Staunen. So wie kürzlich Brigitte Morgner in Heidenau. Doch für Sammler wie Dreyer ist die Königin "hässliches Gestrüpp". Für die eine Nacht im Jahr nimmt sie den Rest des Jahres viel Platz weg, sagt Dreyer und schimpft sie Unkraut. Trotzdem steht eine in seinem Gewächshaus. Aber man sieht ihr an, dass er sie nicht mag.

Tipps für Kakteensammler und solche, die es werden wollen:

  • Immer Sommer so hell und so warm wie möglich und mäßig feucht.
  • Im Winter kühl, völlig trocken und frostfrei.
  • Die Kakteen machen so etwas wie Winterschlaf. Sie bekommen Ende September das letzte und Anfang April das erste Wasser.

Man sagt, ein Kaktus als Geschenk ist eine nicht so angenehme Botschaft. Es sei denn, der Beschenkte sammelt Kakteen. Doch dann wiederum ist die Chance groß, dass dieser den Kaktus schon hat, weil die meisten Blumenläden nicht die Besonderheiten verkaufen. Also sollte man sich mit dem Schenken von Kakteen so oder so zurückhalten.

In Dreyers Welt der kleinen und größeren Kakteen versteht man ein wenig, was ihn so fasziniert. Trotzdem sagt Dreyer: "Ich bin nur ein kleines Licht." Doch sich zu spezialisieren, das sei ihm zu langweilig. Er mag die Vielfalt.

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Brigitte Morgner pflegt seit 15 Jahren eine Pflanze, die immer nur einmal blüht.

Die Dresdner Ortsgruppe der Deutschen Kakteen-Gesellschaft trifft sich jeden zweiten Donnerstag je nach Pandemielage entweder im Botanischen Garten der TU Dresden, Stübelallee 2, 01309 Dresden, oder bei geöffneten Gaststätten in der Coschützer Höhe, Karlsruher Str. 1, 01189 Dresden. Beginn ist jeweils 19 Uhr. Vorsitzender ist Michael Schuricht, E-Mail: [email protected]

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