merken
PLUS Dresden

Pollerstreit: "Der Entscheider kann kein Dresdner sein"

Händler und Gastronomen sind sauer über die Poller unter Dresdens Blauem Wunder. Warum sie sich übergangen fühlen.

Der Parkplatz unterhalb des Blauen Wunder ist nun für Autofahrer gesperrt. Die Stadt ließ Poller aufstellen.
Der Parkplatz unterhalb des Blauen Wunder ist nun für Autofahrer gesperrt. Die Stadt ließ Poller aufstellen. © Sven Ellger

Dresden. Die Getränkelieferanten der Firma Helmke gehörten zu den ersten, die mit der Veränderung klarkommen mussten. Am Donnerstag fuhren sie vor, um die Villa Marie zu beliefern. Wie immer erst auf dem Schillerplatz Richtung Zentrum, dann nach rechts auf den Wochenmarkt-Platz und runter in Richtung Elbe. Dort war die Fahrt zu Ende an den neuen Pollern, die in dieser Woche gesetzt worden sind, um das illegale Parken zwischen dem Blauen Wunder und der Schiffsanlegestelle zu beenden. Annett Fritzsche vom Restaurant Villa Marie regt das richtig auf. „Ich habe denen gesagt, da müssen sie auch mal was tun“, sagt die Prokuristin des Lokals an der Elbe. Was sie damit meint: Schimpfen reicht nicht, die Lieferanten müssten sich beschweren, zum Beispiel bei der Stadt. Denn haben sie ihre Getränke an das Lokal ausgeliefert, müssen sie nun irgendwie drehen zwischen Schillergarten und Brückenrampe. Oder eben rückwärts runterfahren bis an die neue Abgrenzung heran.

Die neuen Poller stehen inzwischen, der Bauzaun ist weg. Die Absperrung reicht parallel zur Elbe vom Schillergarten bis unter das Blaue Wunder und an das etwas höher gelegene Grundstück der Villa Marie heran, berichtet Fritzsche.

Anzeige
Seit 61 Jahren: Mehr als ein Friseur
Seit 61 Jahren: Mehr als ein Friseur

Das Team der Haarpflege eG hat ein schwieriges Jubiläumsjahr gemeistert – mit viel Einsatz und dank treuer Kundschaft

Das sagt der Baubürgermeister

Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) betont: „Die Landesdirektion hat uns bereits im letzten Jahr aufgefordert, dass wilde Parken dort zu beenden und dieser Aufforderung muss ich nachkommen. “Die Parkraumuntersuchung habe gezeigt, dass in dem Areal jederzeit genügend Parkplätze vorhanden seien, vor allem im Parkhaus an der Schillergalerie. „Die Stelle unter dem Blauen Wunder ist seit Langem ein Unfallschwerpunkt mit zuletzt sieben Verletzten durch Unfälle mit PKW-Beteiligung. Wir mussten handeln“, so Kühn auf SZ-Anfrage.

Keine Wendemöglichkeit für Lieferanten und Busse

„Hier hat kein Bus mehr eine Chance, zu wenden“, schimpft die Villa Marie-Prokuristin Fritzsche, auch für die Laster der Müllabfuhr sei es jetzt zu eng. „Und überhaupt, die Villa Marie steht unter Denkmalschutz, was macht die Feuerwehr, wenn es einmal brennt?“ Über den Angelsteg heranzufahren, also die nächste Querstraße, die am Schillerplatz hinunter zur Elbe führt, sei unmöglich. „Da ist es zu eng“, ist Annette Fritzsche überzeugt. Gemeinsam mit Geschäftsführer Sebastian Roelke hat sie am Donnerstag an den Ministerpräsidenten, den Oberbürgermeister, den Baubürgermeister und die Dresdner Stadträte einen Brief geschrieben. "Wir sind fassungslos über das Vorgehen der Landeshauptstadt Dresden", heißt das da gleich zu Beginn. Derzeit ohnehin existenzbedrohten Unternehmen werde damit eine weitere "behördlich organisierte Hürde auferlegt, ohne ernsthaft über Alternativen, Möglichkeiten und Lösungen mit den Betroffenen und Beteiligten nachzudenken".

Ein Ausschnitt aus dem Brief der Villa Marie, den die Verantwortlichen im Internet veröffentlicht haben.
Ein Ausschnitt aus dem Brief der Villa Marie, den die Verantwortlichen im Internet veröffentlicht haben. © Villa Marie

Auch Cornelia Feldmann, Inhaberin der Boutique WomenStyle am Schillerplatz , ist sauer. "Wer entschieden hat, dass die Parkplätze wegfallen, kann kein Dresdner sein." Sie als Händlerin sei auf die Stellflächen für ihre Kunden angewiesen, zumal auch schon auf der Hüblerstraße einige Parkflächen dem Radweg weichen mussten. Genauso sieht es Caroline Lampe-Skriba, Chefin des Bed&Breakfast am Schillerplatz. "Ich kann nur mit dem Kopf schütteln. Wir brauchen die Parkplätze, gerade auch für die Senioren, die nicht mehr so gut zu Fuß sind." Sie selbst benötige die Stellflächen für die Autos ihrer Pensionsgäste, die ihr Gepäck nicht hunderte Meter weit schleppen wollen. "Meine große Angst ist, dass der Schillerplatz irgendwann so endet wie der Postplatz als toter Platz." Das Areal lebe von dem bunten Gewusel aus Restaurantgästen und Einkäufern. Und diese würden eben oft auch mit dem Auto kommen.

Liegestühle statt parkender Autos

Weiterführende Artikel

Blaues Wunder: Poller-Gegner scheitern

Blaues Wunder: Poller-Gegner scheitern

Ein weiterer Versuch, das Parken am Elbufer zu dulden, ist am Freitag fehlgeschlagen. Allerdings sollen nun auch die Radfahrer ausgebremst werden.

Dresdner Poller-Streit: Das sagt der Bau-Chef

Dresdner Poller-Streit: Das sagt der Bau-Chef

Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) antwortet mit einem Offenen Brief auf die Kritik vom Schillergarten. Warum er die Poller weiter für richtig hält.

Schillerplatz: Markt an die Elbe verlegen?

Schillerplatz: Markt an die Elbe verlegen?

Einer der beliebtesten Wochenmärkte Dresdens funktioniere an anderer Stelle besser und würde das Poller-Problem entspannen, glauben die Freien Wähler.

Sollen die Poller ans Blaue Wunder oder nicht?

Sollen die Poller ans Blaue Wunder oder nicht?

Ein Thema, zwei Meinungen: Die Poller am Blauen Wunder polarisieren Dresden. Auch in der Redaktion sieht man das ganz unterschiedlich.

Die Meinung der Dresdner gehen stark auseinander. "Ich bin bei Bedarf Autofahrerin, würde mein Auto aber nicht ins Landschaftsschutzgebiet stellen. Dafür ist mir die Elblandschaft zu wertvoll", schreibt eine Leserin. Sie sei vor allem leidenschaftliche Spaziergängerin. "Und als diese freue ich mich über einen Weg unter dem Blauen Wunder, der nicht über einen viel befahrenen Parkplatz führt. Ich freue mich über den freien Raum vor und den ungefährdeten Zugang zum Elbufer." Für Parkplatzsuchenden gebe es Alternativen. Immer wieder werde der Hinweis auf das Parkhaus in der Nähe einfach abgetan. Eine Freundin von ihr habe vorgeschlagen, dass die Gastronomie vor Ort einen Antrag stellte auf Bewirtschaftung von Teilen der frei gewordenen Fläche am Elbufer - ausgestattet mit Liegestühlen.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden