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"Wir wollen Leben in die Stadt bringen"

Das Stadtfest hat begonnen. In diesem Jahr liegen auf Frank Schröders Tisch noch mehr Aufgaben als bisher. Der neue Chef hat deshalb ein Bett im Hotel.

Er bringt mit seinem Team die Stadt zum Feiern: Frank Schröder ist jetzt Geschäftsführer der Dresdner Stadtfest GmbH.
Er bringt mit seinem Team die Stadt zum Feiern: Frank Schröder ist jetzt Geschäftsführer der Dresdner Stadtfest GmbH. © Sven Ellger

Dresden. Das unscheinbare Containerdorf am Landtag ist sein Zuhause auf Zeit. Von dort aus sind die Wege kurz. Musik und der Sound feiernder Menschen schallen von Theaterplatz und Terrassenufer herüber. Für Frank Schröder bietet der Standort alles, was er braucht, um als Chef des Dresdner Stadtfestes sämtliche Fäden zusammenzuhalten.

"Von Donnerstag an, wenn der Aufbau beginnt, bis Sonntag haben wir hier unseren Knotenpunkt", sagt er. An den Stadtfesttagen fährt der 52-Jährige gar nicht nach Hause. Sein Quartier für die kurzen Nächte hat er im Motel One am Postplatz aufgeschlagen. "Um meine Labradorhündin Aura kümmert sich in der Zwischenzeit meine Mutter." Zwar bleiben die Verkaufsstände in diesem Jahr nicht wie in den Jahren zuvor bis zwei Uhr morgens geöffnet, sondern schließen um 23 Uhr. Doch das ist für das Orgateam von der Dresdner Stadtfest GmbH immer noch genug, um erschöpft ins Bett zu fallen, wenn die Feiernden die Festmeilen verlassen haben.

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Denn schon wenige Stunden später schließen sie die Türen des Lagezentrums wieder auf. Stadtfestplanung ist für Frank Schröder seit 1998 eine ebenso aufregende wie vertraute Herausforderung. Als Dresden seine erste große Sause bekommen sollte, hatte Schröder 13 Jahre lang ehrenamtliche Tätigkeit als Leiter eines Jugendclubs hinter sich und verkaufte alles, was Heimwerker so brauchen.

Neue Aufgaben nach dem Tod von KDL

Geboren in Dohna und aufgewachsen in Seidnitz hatte er nach der zehnten Klasse zunächst eine Lehre zum Maschinisten für Wärmetechnik absolviert. "Ich wollte den Beruf eigentlich gar nicht, aber die Ausbildung in der DDR war halt kein Wunschkonzert", erzählt er. So suchte er nach einem neuen Weg, kaum dass er den Facharbeiterbrief in der Tasche hatte. "Ich habe mir einen Job als ungelernter Verkäufer in der Heimwerkerabteilung des Centrum Warenhauses gesucht und über diesen Umweg später noch einmal im Handel gelernt."

Als viele Jahre später sein Telefon klingelte und sein guter Bekannter Klaus-Dieter Lindeck fragte, ob er künftig das Stadtfest mit organisieren und dafür eine eigene Agentur gründen wolle, wagte Frank Schröder den Sprung in die Selbstständigkeit. Schon damals galt Klaus-Dieter Lindeck, Chef des Vereins, unter dessen Federführung die 800-Jahrfeier der Stadt organisiert worden war, als alter Hase im Veranstaltungsbusiness. Später wurde er Geschäftsführer der Stadtfest GmbH, die inzwischen im Auftrag der Landeshauptstadt das Dresdner Stadtfest plant. Als KDL, wie ihn Freunde, Kollegen und Partner nannten, im Mai dieses Jahres starb, schockierte das nicht nur seine engsten Mitstreiter. Es stellte sie auch vor neue Aufgaben.

"Ich habe nun neben dem Veranstaltungs- und Händlermanagement auch die Verantwortung über das gesamte Finanzierungskonzept übernommen", sagt Frank Schröder. Damit verwaltet er ein Budget von insgesamt rund einer Million Euro. Die ergibt sich aus Sponsorengeldern, den Nutzungsgebühren der Händler für ihre Stände und dem Zuschuss der Stadt, die laut Schröder 50.000 Euro beisteuert.

Vorbereitung im Schweinsgalopp

"Normalerweise haben und brauchen wir eine Planungszeit von rund neun Monaten", sagt der Stadtfestchef. "In diesem Jahr mussten wir mit nur vier Wochen zurechtkommen." Früher war nicht klar, ob das Corona-Infektionsgeschehen ein Fest dieser Größe zulassen und das Gesundheitsamt das Hygienekonzept akzeptieren würde.

Das ist inzwischen bestätigt und sieht vor, dass auf dem Volksfestgelände und auf dem Theaterplatz die Gästezahl limitiert und mit 3G-Nachweis abgesichert sein müssen. Alle anderen Areas werden ohne Maskenpflicht frei zugänglich sein.

In so kurzer Zeit ein solch großes Fest mit acht Bühnen, 150 Programmpunkten, Hunderten Künstlern, Händlern, Gastronomen und Unterhaltern zu meistern, sei nur möglich, weil sich Frank Schröder und sein Team auf langjährige Partner verlassen können. Doch neben der immensen Aufgabe, den rund 500.000 Besuchern an zwei Tagen ein fröhliches, entspanntes Erlebnis zu bescheren, muss auch für Sicherheit gesorgt werden.

Seit jenem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 sind Betonpoller und Straßenbarrieren von öffentlichen Festlichkeiten nicht mehr wegzudenken. Auch das Stadtfest wird damit an allen neuralgischen Punkten abgesichert. Worst-Case-Szenarien gehören ebenso zu Frank Schröders Aufgaben, wie für Hüpfburgen und Kinderschminken zu sorgen.

"Das war wirklich existenzbedrohlich."

"Unser Sicherheitskonzept definiert jeden erdenklichen Gefahrenfall und setzt bei Bedarf eine klar geregelte Handlungsfolge in Gang", erklärt er. Ob es um den Terrorschutz, um Randale, um ein vermisstes Kind oder auch um Wetterkapriolen geht.

Letzteres scheint den Besuchern des Stadtfestes und seinen Machern gewogen zu sein. Die Wettervorhersagen versprechen um die 20 Grad und Sonnenschein. "Trotzdem stehen wir mit den Wetterstationen in Kontakt, um auch auf Unwetter eingestellt zu sein." Das ist wichtig, weil die Gäste gewarnt, Bühnen und Fahrgeschäfte gesichert werden müssten.

Was Wetter Schlimmes anrichten kann, war in den vergangenen Wochen trauriges Thema. Doch auch indirekt kann eine Großveranstaltung wie diese betroffen sein. "Das Schlimmste, das ich im Zusammenhang mit dem Stadtfest bisher erlebt habe, war das Hochwasser 2002", erzählt Frank Schröder. Zwei Wochen vor der größten Party des Jahres versank halb Dresden in den Fluten. "Es gab damals keine vertragliche Absicherung für solche Naturgewalten. Die Händler wollten ihre schon gezahlten Standmieten zurück und die Künstler ihre Gagen. Das war wirklich existenzbedrohlich."

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Doch es ging weiter. Auch die Zwangspause aufgrund von Corona war schwer für alle Beteiligten. In diesem Jahr, endlich, können die Händler wieder ihre Waren anbieten, die Künstler ihr Publikum begeistern, die Menschen feiern. "Es war nicht leicht, dieses Stadtfest vorzubereiten", gibt Frank Schröder zu, "Aber wir wollen Leben zurück in die Stadt bringen und schaffen das auch." Wenn sich die Besucher auf den Plätzen tummeln, vor den Bühnen tanzen, auf Bierbänken sitzen, die Stimmung genießen, wird auch Frank Schröder links und rechts der Elbe unterwegs sein, um das Treiben zu beobachten. "Ich bin zufrieden, wenn sich alle freuen."

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