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Kritik an Plänen für die Dresdner Friedrichstadt

An der Friedrichstraße soll ein neues Viertel mit 400 Wohnungen entstehen. Warum die Nachbarn das Bauprojekt kritisieren und was sie von Stadt und Investor fordern.

So soll das neue Wohnquartier zwischen Friedrich- und Magdeburger Straße aussehen. Vor allem die Höhe der Gebäude steht in der Kritik der Anwohner.
So soll das neue Wohnquartier zwischen Friedrich- und Magdeburger Straße aussehen. Vor allem die Höhe der Gebäude steht in der Kritik der Anwohner. © Visualisierung: Fuchshuber Architekten GmbH

Dresden. Mit rund 400 neuen Wohnungen soll in den kommenden Jahren das größte Bauprojekt in der Friedrichstadt umgesetzt werden. Auf der Fläche zwischen Friedrich- und Magdeburger Straße sind acht Mehrfamilienhäuser geplant - damit bekommt der Stadtteil rund 1.000 neue Bewohner. Gegen die Gestaltung des neuen Viertels regt sich im Stadtteil nun allerdings Protest. 

Das Bauprojekt: Erste Pläne

Die Pläne für die neue Siedlung sind nicht neu. Bereits 2010 hatte der damalige Eigentümer des Grundstücks, die Fira Grundstücksentwicklung GmbH, die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes bei der Stadt beantragt. Damit sollte das Gebiet Ziel städtebaulich neu geordnet und vorwiegend als Wohnstandort entwickelt werden. Ein Jahr später reichten bei einem städtebaulichen Werkstattverfahren sechs Architekturbüros ihre Entwürfe für das Areal ein. 

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Das Gutachtergremium entschied sich damals für den Entwurf von sgp Architekten aus Bonn, das Planungsbüro entwickelte seinen Entwurf daraufhin nach den entsprechenden Vorgaben weiter. So orientierten sich etwa die Gebäude später mehr an der diagonalen Wegeachse in Richtung des Ostrageheges, die charakteristisch für das Gebiet sei.

2012 beschloss der Bauausschuss, dass der Bebauungsplan aufgestellt werden soll. Ziel ist es, die jahrzehntelang brachliegenden Flächen wieder nutzbar zu machen, die historische Bausubstanz denkmalgerecht zu sanieren und ein vielfältiges Wohnungsangebot, darunter auch Sozialwohnungen, zu schaffen. Zudem sollen auch die Wegeverbindungen hinüber ins Ostragehege verbessert und die entstanden Grünbereiche erhalten werden.

Bei den Planungen wurden auch die Dresdner einbezogen, etwa in einer Informationsveranstaltung im März 2013, bei der über die Höhe der Gebäude und die Nutzung der öffentlichen Flächen diskutiert wurde. Bis 2017 ließ der Investor die Pläne weiter überarbeiten und nötige Gutachten erstellen.

2018 verkaufte Fira das Bauprojekt samt Planungen an die Immvest Wolf GmbH aus Leipzig, die das Büro Fuchshuber Architekten beauftragte, die Entwürfe weiter zu entwickeln. Ende 2019 und Anfang 2020 stellte der neue Investor die Pläne öffentlich vor, der dritte Termin wurde aufgrund von Corona auf Juni verschoben. In einem Online-Dialog durften die Dresdner erneut Wünsche und Kritik äußern. Geplant sind mehrere Gebäuderiegel mit jeweils fünf Stockwerken.

Die Kritik: Anwohner wünschen sich andere Gestaltung

Beim Online-Dialog im Juni waren auch Tom Umbreit und Conrad Föst dabei, die neben dem neuen Baugebiet wohnen. Grundsätzlich begrüßen sie, dass am Standort Wohnhäuser und Gewerbeeinheiten entstehen. Die Stadt braucht weiteren Wohnraum - auch, um den Mietmarkt zu entspannen und zu verhindern, dass die Preise in der Landeshauptstadt weiter steigen.

Nicht einverstanden sind die beiden Friedrichstädter allerdings damit, wie die neuen Gebäude aussehen sollen. Zu hoch, zu wenig Bezug zur historischen Bausubstanz, zu einfallslos - so ihre Kritik.

Conrad Föst, seine Frau und ihre vier Kinder wohnen direkt neben dem neuen Wohnviertel, es wird hinter ihrer Grundstücksmauer hochgezogen. Seit 2007 lebt die Familie in einem der beiden historischen Torhäuser der ehemaligen Menagerie-Gärten, zwischen denen ein wild-romantischer Garten blüht. Fösts mögen die grüne Idylle mitten in der Stadt, zu der auch die großen Bäume gehören, die auf dem Nachbargrundstück gewachsen sind. Sie alle werden gefällt, wie den Plänen zum Bauprojekt zu entnehmen ist.

Conrad Föst genießt mit seinen Söhnen Adam (l.) und Hans von seinem Grundstück aus den Blick ins Grüne. Für das neue Baugebiet sollen alle Bäume hinter der Mauer gefällt werden.
Conrad Föst genießt mit seinen Söhnen Adam (l.) und Hans von seinem Grundstück aus den Blick ins Grüne. Für das neue Baugebiet sollen alle Bäume hinter der Mauer gefällt werden. © René Meinig

Doch es gehe nicht nur um ökologische Belange, auch die Gestaltung des neuen Wohngebietes sorgt bei Föst und Umbreit für Kopfschütteln. Hier, im Ostravorwerk, liege der Ursprung, die Keimzelle der Friedrichstadt. Neben zwei Scheunen sei sogar ein alter Schafstall aus Zeiten von August des Starken auf dem Gelände noch erhalten. Conrad Föst weiß durch die Sanierung des Torhauses aus eigener Erfahrung, wie streng die Stadt sonst auf die Belange des Denkmalschutzes achtet. Dass die Stadt beim Bauprojekt Ostravorwerk offenbar weit weniger streng auf den historischen Kontext und die alte Bausubstanz schaut, verwundert und ärgert ihn.

So würden die beiden Scheunen zwar erhalten und saniert, neben den fünfgeschossigen Neubauten später aber verschwinden. Föst und Umbreit wünschen sich auch, dass das Umfeld mehr in die Planungen einbezogen werde, etwa die Matthäuskirche, gebaut nach Plänen des Zwingerbaumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann. Sie befindet sich auf der anderen Seite der Friedrichstraße und hätte als Eingang zur Friedrichstadt einen entsprechenden Vorplatz verdient. An dieser Stelle wird sich später die Zufahrt in das neue Viertel befinden. 

Zwei weitere Forderungen, die auch Teil einer Online-Petition sind, die Tom Umbreit mit dem Verein Quartier Friedrichstadt ins Leben gerufen hat: Einen höheren Anteil und vor allem dauerhafte Sozialwohnungen und die Verpflichtung für den Investor, eine Kita zu bauen. "Wir wollen, dass der Investor, den wir eigentlich als sehr zugänglich kennengelernt haben, gemeinsam mit der Stadt die Pläne nachbessert und die Belange der Dresdner an dieser Stelle mehr berücksichtigt", so Umbreit.

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Die Online-Petition, die bislang knapp 460 Mitzeichner hat, ist im Internet unter www.ostravorwerk.de zu finden.

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