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Prozess: Warum Uwe Steimle nicht laufen muss

Weil der Dresdner Satiriker Uwe Steimle erneut bei Rot geblitzt wurde, drohte ihm ein Fahrverbot. Jetzt fand er einen gnädigen Richter.

„Es ist mir ein absolutes Rätsel": Uwe Steimle am Montag in Gerichtsnähe.
„Es ist mir ein absolutes Rätsel": Uwe Steimle am Montag in Gerichtsnähe. © Sven Ellger

Dresden. Kein Nicki, kein Fernsehturm, kein Wartburg-Cabrio – und doch ist er es: Uwe Steimle, 58 Jahre und einen Tag alt, steigt nachmittags vor dem Amtsgericht Dresden aus seinem E-Klasse-Mercedes. Der dunkelgraue Kombi sei inzwischen sein einziges Auto. Von dem bekannten Eisenacher Oldtimer Baujahr 1968 habe er sich getrennt. Der Dresdner Kabarettist ist immer für eine Überraschung gut und sei es als Halter eines BRD-Oberklassewagens mit Stern, der jetzt neben ihm in der Sonne glänzt.

Der Satiriker hat einen ernsten Anlass für die Fahrt zur Justiz. Weil er an einem Mai-Nachmittag 2020 am Steuer seines hellgrauen AWE-Lieblings in der Meißner Landstraße/Am Urnenfeld über eine tiefdunkelrote Ampel geknattert war, hatte er ein saftiges Bußgeld von 250 Euro nebst vierwöchigem Fahrverbot erhalten. Das Geld traf ihn weniger als die Aussicht, laufen zu müssen. Steimle legte Einspruch ein und zieht nun mit Verteidiger Bert Albrecht in den Kampf gegen das System.

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Ein Wartburg als "Symbol des Friedens"

Gleich zu Beginn des kurzen Prozesses erklärt Steimle, dass ihn das vierwöchige Fahrverbot als „freien Künstler“ ganz besonders störe. Er fahre schließlich einen Wartburg, weil die Eisenacher Feste ein Symbol des Friedens sei. Und schon ist er mitten im argumentativen Kampf mit Richter Uwe Klinzing. Der erspart dem Künstler nicht, dass Steimle erst im März 2018 an der roten Ampel in der Bautzner/Löwenstraße fotografiert wurde. Klinzing: „Die fünf Dresdner Rotlicht-Blitzer sollten Sie sich merken!“ – „Hab‘ ich“, antwortet Steimle. „Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie mir das passieren konnte.“ Er fahre höchstens 500 Kilometer im Jahr mit dem AWE-Cabrio, quasi dienstlich. „Man sieht ja auch auf dem Foto, dass die Straße frei ist.“

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„Nur“ 1,8 Sekunden sei es rot gewesen, ehe sein Mandant die Ampel knackte, sagt Bert Albrecht und fragt nach einer „Gelegenheit, von dem Fahrverbot abzusehen?“ Der Richter schlägt ein „erhöhtes Bußgeld“ von 400 Euro vor. „Damit wäre ich einverstanden“, antwortet Steimle erleichtert. Und so kommt es dann auch. Steimle: „Ich glaube an die Unabhängigkeit der Justiz in der Bundesrepublik Deutschland. Das sage ich jetzt als Mensch Uwe Steimle und nicht als Satiriker."

Warum will man ihm das jetzt nicht recht abnehmen?

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