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Radfahrer-Gedenken: Erinnerung an Tote und Verletzte in Dresden

Am Dresdner Hauptbahnhof sind am Abend Radfahrer zu einer Gedenkfahrt für Verkehrsopfer aufgebrochen, die auf ihrem Rad keine Chance hatten.

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Radfahrer sind am Mittwochabend zum "Ride of Silence" in Dresden aufgebrochen.
Radfahrer sind am Mittwochabend zum "Ride of Silence" in Dresden aufgebrochen. © Sven Ellger

Dresden. Knapp ein Jahr ist vergangen, seitdem auf der Bautzner Straße in der Neustadt eine 61-jährige Radfahrerin bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Die Erzieherin wurde damals an der Ecke Weintraubenstraße von einem Lkw erfasst. Ein weißes sogenanntes Ghostbike erinnert dort an die Frau.

Insgesamt wurden 2021 in Dresden 1.111 Menschen bei Unfällen verletzt. Reichlich 200 weniger, als 2020. Auch die Zahl der Unfälle ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen - um 17,2 Prozent, meldete die Polizei in ihrem Jahresrückblick Anfang Mai.

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"Vision Zero" hat sich die Stadt auf die Fahnen geschrieben. Bis 2035 will sie so weit sein, dass es keine Verkehrstoten mehr gibt in Dresden. Zehn waren es 2020, drei im vergangenen Jahr.

Der "Ride of Silence", eine Gedenkfahrt für Radfahrer, die bei Unfällen verletzt oder getötet wurde, hat am Mittwochabend an dieses Ziel erinnert. Etwa 100 Personen haben daran im vergangenen Jahr teilgenommen, die Strecke führte damals auch an dem "Ghostbike" an der Bautzner vorbei.

An diesem Mittwoch sind die Radfahrer auf dem Wiener Platz gestartet. Neun Unglücksorte mit solchen weißen Fahrrädern liegen an der Strecke, unter anderem der auf der St. Petersburger Straße. Dort kam Mitte August 2018 in Höhe des Kristallpalastes eine Radfahrerin ums Leben. Ein parkender Autofahrer hatte sie zu einem Ausweichmanöver gezwungen, indem er kurz vor ihr seine Tür öffnete. "Dooring" heißt das im Radfahrer-Jargon. Die Frau fuhr ein Ausweichmanöver, stürzte und wurde von einem Auto überrollt.

Die "Unfallstrecke", die in Dresden an diesem Mittwoch abgefahren wird, ist 22 Kilometer lang. Auf dem Weg: Die historische Altstadt mit dem Verkehrsmuseum, wo am Abend bei einer Podiumsdiskussion des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) die Kandidaten für die OB-Wahl zu ihren Zielen beim Thema Radverkehr Rede und Antwort stehen wollen.

Hinter dem "Ride of Silence", der "Fahrt der Stille", steht die Initiative "Fuß- und Radentscheid Dresden". Sie ist nach eigenen Angaben parteiunabhängig und setzt sich "für eine verkehrssichere Stadt mit hoher Lebensqualität" ein. Auch andere Formen des Gedenkens als die Fahrradrundfahrt sind ihr zufolge möglich, Kerzen, Schweigeminuten oder Blumen an Unfallorten zum Beispiel.

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"Wir brauchen mehr Sicherheit im Straßenverkehr", stellt die Initiative fest. Zum Weg dorthin laut den Mitgliedern von "Fuß- und Radentscheid": eine bessere Infrastruktur für Radfahrer, also bessere Radwege, mehr Radwege und bessere Radfahrer-Führung auf Kreuzungen. "Wir wollen, dass die Infrastruktur für Radfahrende besser ausgebaut wird, damit wir der Vision, dem großen Ziel von 'Null Verkehrstoten', Schritt für Schritt näherkommen." (SZ/csp)

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