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Raserei endet mit demolierten Polizeiautos

Ein 61-jähriger Mann aus Stolpen narrt die Beamten auf einer Verfolgungsjagd quer durch die Sächsische Schweiz. Vor Gericht in Dresden gab er nun klein bei.

Das Dresdner Amtsgericht am Sachsenplatz.
Das Dresdner Amtsgericht am Sachsenplatz. © Symbolbild: Marion Doering

Dresden. Melker Detlef P. aus Stolpen ist offensichtlich ein „alter, weißer Mann“, ein Wutbürger vom Schlag „mir geht es schlecht, doch der Staat hilft lieber Ausländern“. Schon im Ermittlungsverfahren hatte die Polizei mit seiner Auffassung zu kämpfen. Mit dieser Haltung nimmt der 61-jährige Angeklagte nun auch im Amtsgericht Dresden Platz. Es soll an diesem Mittwoch um eine irre Raserei gehen, die sich P. 2019 mit der Polizei geliefert hat.

Noch immer scheint er erregt und motzig, da hilft auch das strahlende Lächeln von Richter Thomas Hassel, dem Vorsitzenden des Schöffengerichts, wenig. „Das Urteil ist doch schon fertig!“, mault P. Schon die Feststellung seiner Personalien ist ein Kraftakt. Auf Hassels Frage, ob er verheiratet sei, schimpft P.: „Gelogen! – Ledig!“

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Auch als die Staatsanwältin beginnt, die Anklage vorzulesen, ruft der Mann wieder los – „gelogen!“ Doch sein Verteidiger Lars Stech bändigt ihn. Die Aufzählung der Straftatbestände, die P. vorgeworfen werden, würde den Rahmen dieser Kolumne sprengen. Es geht unter anderem um ein verbotenes Autorennen, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Widerstand gegen Polizisten, Fahren ohne Führerschein, Unfallflucht.

Streifenwagen muss den Fiesta rammen

Der Melker soll am Sonnabend, 7. September 2019, in seinem Ford Fiesta auf dem Weg zur Arbeit gewesen sein. Dabei kam es zu einer Begegnung mit einem Streifenwagen – und das Unheil nahm seinen ungebremsten Lauf. Um 2.40 Uhr bog Detlef P. ohne anzuhalten auf die Vorfahrtstraße ein – vor dem Auge des Gesetzes. Da er keinen Führerschein hatte, gab er Gas und lieferte sich eine Raserei, die von Stolpen quer durch die Sächsische Schweiz führte, über Heeselicht, Porschdorf, Bad Schandau, Pirna und Heidenau bis Dresden. Mehrfach scheiterten Versuche, den Fiesta mit Straßensperren und Nagelbändern aufzuhalten. Erst in der Dorotheenstraße in Dresden-Strehlen rammte ein Streifenwagen den Fiesta und beendete das Rennen nach etwa einer Stunde. Bilanz: drei demolierte Polizeiautos, Detlef P. verletzt, sein Fiesta Schrott.

Der Angeklagte behauptet, es sei alles gelogen. Er habe an der Einmündung gestoppt. Da sei plötzlich ein Beamter in sein Auto gesprungen, habe ihn mit einer Waffe bedroht, damit er Gas gibt. Deswegen sei auch nicht auf ihn geschossen worden. P. nannte die Polizisten „Gauner“, die ihm auch den Führerschein gestohlen hätten. Es bedarf einiger Überzeugungskraft von Hassel und Stech, ehe P. die Vorwürfe der Anklage abnickt. Ein Polizist hatte zuvor ausgesagt, dass niemand außer P. in dem Fiesta gesessen habe und dass P. keinen Führerschein hatte.

P.s „Geständnis“ hatte sich gelohnt. Das Gericht verurteilte ihn zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung und einer Geldauflage von 500 Euro. Zwei weitere Jahre darf er keine Fahrerlaubnis erhalten. Die übrigens sei ihm schon in den 90er-Jahren wegen mehrerer Trunkenheitsfahrten – fünfmal wurde er verurteilt – abgenommen worden, so Richter Hassel.

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