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Renaissance-Fresko für Dresdner Residenzschloss

Im Großen Schlosshof haben Restauratoren die Wände auf der Loggia mit besonderen Motiven gestaltet.

Restauratorin Ulrike Hahn setzt die letzten Farbtupfer auf das neu entstandene Fresko der Königin von Saba vor dem Thron Salomos. Damit wird sichtbar, wie schön der gestalterische Glanzpunkt auf der neu entstandenen Loggia des Residenzschlosses wird.
Restauratorin Ulrike Hahn setzt die letzten Farbtupfer auf das neu entstandene Fresko der Königin von Saba vor dem Thron Salomos. Damit wird sichtbar, wie schön der gestalterische Glanzpunkt auf der neu entstandenen Loggia des Residenzschlosses wird. © Sven Ellger

Dresden. Martin Wolf steht hoch über dem Großen Hof des Residenzschlosses. Sein Arbeitsplatz ist die viergeschossige Loggia, die an der Innenseite des Hausmannsturms steht. Der Rohbau dieses sogenannten Altans konnte bereits 2010 fertiggestellt werden. Jetzt gestalten Restauratoren und Maler die Flächen an der Rückseite mit Fresken von biblischen Motiven. Zuerst wird das Fresko der Königin von Saba, die vor König Salomo tritt, aufgebracht.

Das vollendet der erfahrene Dresdner Maler Martin Wolf jetzt. Der 81-Jährige gehört zu der siebenköpfigen Gruppe von Restauratoren und Malern, die diese äußerst aufwendige Aufgabe umsetzen. Dabei handelt es sich um eine Reinszenierung, die die Geisteswelt der Renaissance widerspiegelt. Die Kunstwerke gehörten zu den größten farbigen Renaissancefresken nördlich der Alpen. Sachsens Kurfürst Moritz, der Mitte des 16. Jahrhunderts das Residenzschloss umbauen ließ, wollte sich damit als starker Feldherr und überzeugter Lutheraner in Szene setzen. Er hatte veranlasst, den Großen Schlosshof prachtvoll zu gestalten.

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„Diese Arbeit macht mir Spaß und sie hält mich fit“, sagt Wolf. Er gestaltete bereits die Semperoper mit und auch die anderen Flächen im Schlosshof, die fertig sind. Es seien die größten Renaissance-Fresken, die in heutiger Zeit nördlich der Alpen neu inszeniert werden, erklärt Restaurator Matthias Zahn, der Sprecher der Künstlergruppe. Der 58-Jährige arbeitet bereits seit Ende der 1980er-Jahre an der Neugestaltung des Großen Schlosshofs mit. „Die Neuinszenierung hat Geschichte lebendig zu machen“, sagt er zum Altan.

Die Brüder Benedict und Gabriel de Tola aus dem italienischen Brescia sollen das Fresko geschaffen haben. Daran arbeiteten sie zwischen 1548 und 1554 im Dresdner Schloss. Im Kupferstich-Kabinett gibt es noch Entwurfszeichnungen. In Italien sei nach jetzigen Erkenntnissen kein Fresko von ihnen bekannt. Zahn und andere Künstler sowie Restauratoren haben sich in Brescia Arbeiten von Künstlern aus dieser Zeit und des Lehrers der Gebrüder Tola angesehen. Da keine originalgetreue Rekonstruktion der Kunstwerke möglich ist, soll die Altan-Rückseite im Stile der Tola-Brüder neuinszeniert werden. Als Vorlage dienten verschiedene historische Darstellungen, erläutert Zahn. Dazu hätten auch einige Entwurfszeichnungen der Tola-Brüder gezählt, die um 1550 entstanden sind.

Restauratoren in der Schlosskapelle

„Bekannte haben mir gesagt, ihr müsst größenwahnsinnig sein, so etwas zu machen“, sagt der Restautor. Dennoch legten er und seine Kollegen los. So entstand auch ein Modell des 19 Meter breiten Altans im Maßstab 1:10, das Modellbauer aus Holzfaserplatten fertigten. Das steht jetzt in der spätgotischen Halle im Ostflügel.In der hohen Schlosskapelle wurden die Entwürfe des Freskos in voller Größe auf Karton gemalt. „Die größte Arbeit ist die Entwurfsarbeit“, sagt Zahn. Die Herstellung des Freskos gehe dann vergleichsweise schnell. Aufgrund der Temperaturen sei das Frühjahr am geeignetsten dafür. Im Mai und Juni dieses Jahres hatten die Restauratoren, Maler und Putzer die Hauptarbeit am ersten Fresko geleistet.

So soll der Altan im Schlosshof künftig aussehen. Das ist ein 1,9 Meter breites Modell im Maßstab 1 : 10. Nach vierjähriger Vorbereitung wurde das erste Fresko Realität.
So soll der Altan im Schlosshof künftig aussehen. Das ist ein 1,9 Meter breites Modell im Maßstab 1 : 10. Nach vierjähriger Vorbereitung wurde das erste Fresko Realität. © Sven Ellger
Der Dresdner Maler Martin Wolf gehört zur Künstlergruppe, die das oberste Fresko neu inszeniert haben. Dem 81-Jährigen macht seine Arbeit nach wie vor viel Spaß.
Der Dresdner Maler Martin Wolf gehört zur Künstlergruppe, die das oberste Fresko neu inszeniert haben. Dem 81-Jährigen macht seine Arbeit nach wie vor viel Spaß. © Sven Ellger
Das ist der Altan zu Füßen des Hausmannsturms. Die Fresken im ersten und zweiten Obergeschoss sollen bis 2022 vollendet werden.
Das ist der Altan zu Füßen des Hausmannsturms. Die Fresken im ersten und zweiten Obergeschoss sollen bis 2022 vollendet werden. © Sven Ellger

Nach einem genauen Plan wird das Fresko in Tagwerken hergestellt. Unter dem Schutz von Folien und Juteplanen tragen erfahrene Handwerker zuerst den feuchten Putz auf die festgelegte kleine Fläche auf. „Manchmal ist es ein Kopf, manchmal ein halbes Gewand“, erläutert Zahn. Dann kommen die Restauratoren zum Zuge. Auf das Modell in der Schlosskapelle legen sie Transparentpapier auf, zeichnen die Linien mit einem Bleistift nach und durchlöchern sie dann mit einem kleinen Zahnrad. Mit einem Säckchen mit zerkleinerter Holzkohle werden die Linien dann wie beim Abpausen auf die Rückwand des Altans übertragen. Anhand von Fotos des Entwurfs stellen die Restauratoren letztlich das Fresko mit ihrem Rundpinsel her.

Seitdem der Putz ausgetrocknet ist, bekommen noch die letzten Stellen ihre Farbe. Nun haben Martin Wolf und die anderen Kunsthandwerker das Fresko der Königin von Saba vollendet. „Ich freue mich, dass die oberste Etage des Altans fertiggestellt ist“, sagt Ulf Nickol, Chef der zuständigen Niederlassung des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). „Man sieht, dass die Farbe in hervorragender Qualität aufgebracht ist.“Im kommenden Jahr steht einen Stock tiefer das Fresko „Die Heiligen drei Könige, die den Heiland anbeten“ auf dem Plan. Als letzter Schritt wird 2022 im ersten Obergeschoss das Fresko „Saulus, der zum Paulus bekehrt wird“ reinszeniert. Für die Sanierung des Großen Schlosshofes investiert der Freistaat rund 13 Millionen Euro.

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