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Rettung für Dresdner Park

Im Hermann-Seidel-Park wird derzeit ein Spielplatz gebaut. Nun gibt es neue Ideen: Der Park soll größer, der Rasen schöner - und der Rhododendron geschützt werden.

Derzeit lässt die Stadt den Spielplatz im Hermann-Seidel-Park erneuern. Neben Tischtennisplatten und Schaukel entsteht auch eine neue Kletter-Kombi. Im Herbst soll alles fertig sein.
Derzeit lässt die Stadt den Spielplatz im Hermann-Seidel-Park erneuern. Neben Tischtennisplatten und Schaukel entsteht auch eine neue Kletter-Kombi. Im Herbst soll alles fertig sein. © Marion Doering

Dresden. Die Blüten an den Rhododendronbüschen sind zwar längst verblüht, dennoch ist der Hermann-Seidel-Park im Dresdner Stadtteil Striesen ein beliebter Ausflugsort. Hundebesitzer führen ihre Vierbeiner aus, Mütter schieben Kinderwagen über die verschlungenen Wege, Jogger drehen ihre Runden. Der Park mit seinen alten Bäumen ist besonders an heißen Sommertagen eine kühle, schattige Oase, die nicht nur von Anwohnern genutzt wird, sondern auch Menschen aus anderen Stadtteilen anlockt. Und doch ist die Idylle derzeit getrübt.

In diesem Sommer müssen die Kleinen auf ihren Spielplatz verzichten. Seit April und noch bis in den Herbst hinein sind Landschaftsgärtner und Spielplatzbauer auf der Fläche an der Pohlandstraße damit beschäftigt, neue Spiel- und Klettergeräte aufzustellen und Sträucher und Bäume in die Erde zu bringen. Noch bevor die Arbeiten fertig sind, gibt es schon weitere Forderungen, wie der Park attraktiver werden kann. Dabei geht es auch um dessen Geschichte.

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Was wird derzeit im Hermann-Seidel-Park gebaut?

Noch bis in die Herbstmonate wird der beliebte Spielplatz im Hermann-Seidel-Park im Herzen von Striesen neu gestaltet. 1990 wurde er gebaut, nun war er in die Jahre gekommen und benötigte dringend eine Frischekur. Dabei wird unter anderem ein eigener Bereich für Kleinkinder mit Doppel-Wippe sowie Kletter- und Sandspielelementen angelegt. Die daran angrenzende Fläche ist für ältere Kinder vorgesehen. Dort bleiben die beiden Tischtennisplatten sowie die Doppelschaukel erhalten. Neu ist eine Kletterkombination, auf der größere Kinder den einen oder anderen schwierigeren Kletterparcours absolvieren können.

Die neue Kombi erinnere durch ihre Form an die Zeit, als sich früher auf dieser Fläche die Gewächshäuser der Seidelschen Schaugärtnerei befanden, so Detlef Thiel, Amtsleiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Neben den Spielgeräten bekommt der Park auch neues Grün. So werden insgesamt 15 Bäume, 750 Sträucher sowie 440 Bodendecker gepflanzt. Darunter sind zum Beispiel Papierbirken, Waldkiefern und Säuleneichen sowie verschiedene Sträucher wie Spieren, Weigelien, Schneebeeren, Hartriegel und Pfeifensträucher.

Bei der Pflanzenauswahl orientierten sich die Planer sowohl am vorhandenen Bewuchs als auch an der Geschichte der Parkanlage. Zudem sollen die neuen Bäume und Sträucher mit dem veränderten, also heißeren und trockeneren Stadtklima gut zurechtkommen.

Ab wann genau der Dresdner Nachwuchs den umgestalteten Spielplatz wieder nutzen kann, steht derzeit noch nicht fest.

Worauf mussten die Planer besonders achten?

Da der Hermann-Seidel-Park und damit auch der Spielplatzbereich als Kulturdenkmal besonders geschützt ist, musste bei der Neugestaltung auch das Landesamt für Denkmalpflege einbezogen werden. Ziel ist es, historische Strukturen möglichst beizubehalten. 1865 hatte Hermann Seidel den Gärtnereibetrieb seines Vaters auf dieses Gelände verlegt, zog aber einige Jahre später aus Platzgründen nach Laubegast um. Das Areal in Striesen hinterließ er der Gemeinde als Volkspark - samt seiner Rhododendronzucht, die über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt war.

Die Planung des neuen Spielplatzes übernahm das Landschaftsarchitekturbüro Grohmann im Auftrag des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Umgesetzt werden diese Pläne derzeit von der Firma Landschaftsbau Fleischer.

Die neue Spielanlage kostet rund 290.000 Euro. 60.000 Euro davon übernimmt der Stadtbezirk Blasewitz. Möglich ist das seit Ende 2017, als die Gemeindeordnung so geändert wurde, dass die Stadtbezirke in ihrem Bereich mehr Mitspracherecht und vor allem einen eigenen Etat bekommen haben, um etwa öffentliche Flächen aufzuwerten oder Projekte vor Ort auf direktem Weg zu unterstützen.

Welche weiteren Forderungen gibt es nun für den Park?

Der CDU im Stadtbezirksbeirat Blasewitz geht die aktuelle Neugestaltung des Spielplatzes noch nicht weit genug. In einer Anfrage an die Stadtverwaltung fordern die Beiräte von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), dass er weitere Ideen für die Aufwertung des Parks prüfen soll.

Zu den Vorschlägen gehört unter anderem ein Trinkbrunnen, der im Park oder in der näheren Umgebung aufgestellt werden könnte. Als möglichen Standort schlägt die Blasewitzer CDU den Märchenbrunnen am Eingang an der Ermelstraße vor. Auch ein Plätzchen neben dem Ballsportplatz an der Pohlandstraße sei dafür geeignet.

Zudem schlägt die CDU vor, dass der Hermann-Seidel-Park erweitert wird. Dafür könnte ein Garagengrundstück genutzt werden, das sich neben dem Ballsportfeld an der Pohlandstraße befindet. Die zehn Garagen stehen derzeit leer.

Am historischen Märchenbrunnen soll eine Trinkwasserquelle aufgestellt werden. Der schattige Platz ist auch bei den Schülern des Kreuzgymnasiums sehr beliebt.
Am historischen Märchenbrunnen soll eine Trinkwasserquelle aufgestellt werden. Der schattige Platz ist auch bei den Schülern des Kreuzgymnasiums sehr beliebt. © Marion Doering
Dieses Grundstück an der Pohlandstraße könnte Teil des Hermann-Seidel-Park
werden, so die Idee. Die Stadt soll das nun prüfen. Die zehn Garagen sind derzeit ungenutzt.
Dieses Grundstück an der Pohlandstraße könnte Teil des Hermann-Seidel-Park werden, so die Idee. Die Stadt soll das nun prüfen. Die zehn Garagen sind derzeit ungenutzt. © Marion Doering
Weite Teile der großen Rasenflächen sind abgenutzt, eine Wiese wächst hier nicht mehr. An diesen Stellen soll robuster Roll- oder Sportrasen zum Einsatz kommen.
Weite Teile der großen Rasenflächen sind abgenutzt, eine Wiese wächst hier nicht mehr. An diesen Stellen soll robuster Roll- oder Sportrasen zum Einsatz kommen. © Marion Doering
Der Hermann-Seidel-Park
ist nicht nur bei Striesener Familien beliebt, er zeiht auch Spaziergänger aus anderen Dresdner Stadtteilen an.
Der Hermann-Seidel-Park ist nicht nur bei Striesener Familien beliebt, er zeiht auch Spaziergänger aus anderen Dresdner Stadtteilen an. © Marion Doering

Mit Blick auf den ramponierten Rasen, den viele Familien zum Picknick oder für ein Fußballmatch nutzen, gibt es die Idee, auf den beiden jeweils rund 1.500 Quadratmeter großen Flächen Roll- oder Sportrasen anzulegen. Dafür soll die Stadt prüfen, wie teuer der Kauf und das Verlegen eines solchen robusten Rasens wäre. Auch hierfür könnte der Stadtbezirksbeirat Geld aus seinem Budget nutzen, wenn das eine Mehrheit findet.

In der Prüfanfrage an den OB geht es auch darum, wie die großen Rhododendronhecken, die im Park wachsen und charakteristisch für die Anlage sind, besser geschützt werden können. Auf der Fläche des heutigen Parks kultivierte Seidel einst winterharte Rhododendron. 1920 ging die Fläche in das Eigentum der Stadt Dresden über. Es entstand eine öffentliche Grünanlage mit Sitz- und Spielbereichen, in die auch die Bestände der Seidelschen Rhododendren integriert wurden.

Zunehmend leiden die nicht mehr ganz so jungen Pflanzen allerdings unter den Kletterkünsten, die Kinder und Jugendliche im Park auch in diesen altehrwürdigen Hecken üben. Deshalb soll die Stadt prüfen, wie der Rhododendron, von dem bereits erste Pflanzen am Eingang Ermelstraße absterben, geschützt werden können.

Um die Parkbesucher für die Geschichte und den Schutz der Hecken zu sensibilisieren, sollen Informationstafeln zu ihrer Herkunft, ihrem Wachstum und ihrer Bedeutung für den Park aufgestellt werden. Außerdem könnten Kletteralternativen dafür sorgen, dass die Kleinen die historischen Büsche verschonen. Auch diese Möglichkeit soll die Stadt untersuchen.

Kahle Stämme, abgebrochene Äste: Dem alten Rhododendron im Hermann-Seidel-Park setzt die Kletterei sichtbar zu. Er soll besser geschützt werden und dadurch erhalten bleiben.
Kahle Stämme, abgebrochene Äste: Dem alten Rhododendron im Hermann-Seidel-Park setzt die Kletterei sichtbar zu. Er soll besser geschützt werden und dadurch erhalten bleiben. © Marion Doering

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"Die Rhododendrenhecken machen den Park aus – sie sterben aktuell durch das starke Abbrechen oder wachsen nur sehr langsam nach", so CDU-Stadtbezirksbeirätin Agata Reichel-Tomczak. Die Bäume würden nicht nur von Kindern und Jugendlichen beklettert, sondern auch von Erwachsenen, so ihre Beobachtung. Das soll mit entsprechenden Alternativen so schnell wie möglich verhindert werden, um den alten Rhododendron noch zu retten.

Der Antrag der CDU wurde in der letzten Sitzung des Blasewitzer Stadtbezirksbeirates mehrheitlich angenommen. Die SPD-Fraktion ergänzte ihn zudem um die Frage, ob eine öffentliche Toilette im Park aufgestellt werden kann.

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