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Wo bleibt der Rettungsplan fürs Dresdner Klinikum?

Das Zukunftskonzept verschiebt sich, die Debatte darum auch. Sie könnte lang werden, deuten Stadträte an.

In diesem Jahr soll entschieden werden, ob der Standort Dresden-Trachau als klassisches Krankenhaus wegfällt und die stationäre Versorgung im Städtischen Klinikum in Friedrichstadt konzentriert wird.
In diesem Jahr soll entschieden werden, ob der Standort Dresden-Trachau als klassisches Krankenhaus wegfällt und die stationäre Versorgung im Städtischen Klinikum in Friedrichstadt konzentriert wird. © Sven Ellger (Archiv)

Dresden. Die Zukunft muss warten: Das bereits für Januar erwartete Konzept für das Städtische Klinikum ist immer noch nicht fertig. Die Stadtverwaltung hatte es ursprünglich für den Jahresanfang angekündigt, damit sich die Stadträte mit dem Papier beschäftigen können. Doch die Vorlage verzögert sich.

Sie wird nun voraussichtlich erst im März fertig. Aufgrund der Corona-Pandemie seien bei dem Projekt unvermeidbare Verzögerungen aufgetreten, teilt Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) mit. Diese konnten nicht aufgeholt werden, obwohl man versucht habe, frühzeitig gegenzusteuern, so Kaufmann weiter.

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5.000 Unterschriften für den Erhalt des Trachauer Krankenhauses

Die Eckpunkte des Zukunftskonzeptes waren erstmals im November der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Stadtverwaltung, Klinikleitung sowie Unternehmensberater von Ernst & Young favorisieren, das Friedrichstädter Krankenhaus bis 2035 immens auszubauen. Das Krankhaus Dresden-Neustadt soll dagegen nicht mehr für die stationäre Versorgung genutzt werden.

Geplant sind am Standort in Trachau unter anderem eine Notaufnahme mit Überwachungsstation, ein ambulantes OP-Zentrum sowie Pflegeangebote. Ziel ist es, den Eigenbetrieb aus der Verlustzone zu holen, konkurrenzfähig zu machen und den Gesundheitsbedürfnissen der nächsten Jahre und Jahrzehnte anzupassen.

Klinik-Chef Marcus Polle argumentiert in diesem Zuge, die denkmalgeschützten Gebäude in Trachau könnten nicht einfach so umgebaut werden, dass eine moderne Klinik-Infrastruktur entstehe.

In Friedrichstadt könnten dagegen alle „Leuchttürme“ – also die Kernkompetenzen – des Klinikums konzentriert werden. In der Summe sollen etwas mehr als 100 der insgesamt rund 1.500 Betten wegfallen.

Kosten: 425 Millionen Euro, hauptsächlich für Neubauten und Sanierungen in Friedrichstadt. Die psychiatrische Klinik am Weißen Hirsch würde ebenso bestehen bleiben wie die Geriatrie an der Löbtauer Straße.

Tatsächlich gibt es bereits jede Menge Widerstand gegen den Plan der Stadt, obwohl die finale Version noch nicht auf dem Tisch liegt. Ein Pfleger hat zum Beispiel eine Petition gestartet, mit der der Standort Trachau als klassisches Krankenhaus erhalten bleiben soll. Die Zahl der Betten soll ebenso bestehen bleiben wie alle Arbeitsplätze.

Sind Fördermittel der Hauptgrund für die neue Struktur?

Auch Linke-Gesundheits-Experte Jens Matthis sieht keine Vorteile darin, das Krankenhaus Neustadt als Klinik abzuschaffen. "Es wird ein Opfer gesucht, um an Fördergeld aus dem Krankenhausstrukturfonds zu kommen", sagt er. Dieses Geld stellt der Bund bereit, für ganz Sachsen sind pro Jahr 23 Millionen Euro vorgesehen. "Aber davon bekommt nicht alles Dresden", stellt Matthis klar. "Damit der Plan aufgeht, müsste Dresden über zehn Jahre zwei Drittel aller Fördermittel in Sachsen erhalten."

Matthis hält das Konzept finanziell und gesundheitspolitisch für "höchst fragwürdig". Der Standort Friedrichstadt werde am Ende nicht so wachsen, dass der Bettenabbau in Neustadt kompensiert werden könne. "Also stellt sich die Frage, ob man sich darauf einlässt, Neustadt zu opfern, um an einen Teil der Fördermittel zu kommen. Ich halte das für aberwitzig."

"Die Debatte ist noch nicht beendet"

Der Strukturfonds des Bundes sei nicht für Kliniken in Großstädten aufgelegt worden, sondern um kleine Krankenhäuser auf dem Land zusammenzulegen. Deswegen gebe es eine Förderung für den Abbau von Betten und die Schließung von Häusern. Dresden benötige aber alle Kapazitäten.

CDU-Gesundheits-Expertin Daniela Walter nennt das Konzept von Unternehmensberatern und Stadt einen "ersten Aufschlag". Da das Städtische Klinikum jährlich Verluste in zweistelliger Millionenhöhe mache, es teilweise an Auslastung fehle und die Fusion der Häuser nicht die gewünschten Einsparungseffekte gebracht habe, brauche es eine langfristige Zukunftsstrategie.

"Der Verwaltungsvorschlag wirft viele Fragen auf. Uns ist sehr bewusst, dass Standortdiskussionen immer auch mit Ängsten und Problemen behaftet sind." Deshalb sei die Debatte darum auch noch nicht beendet.

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Immerhin, das Geld, das unter anderem für die Unternehmensberater angefallen ist, ist inzwischen überwiesen worden, so Kaufmann. Insgesamt sind das 500.000 Euro.

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