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Rewe Team Challenge in Dresden: Lust, Laune und ein bisschen Leiden

28.500 Teilnehmer machen den Firmenlauf in Dresden zum gesellschaftlichen Ereignis - diesmal mit einem, der diese Woche für Schlagzeilen sorgt. Mit Bildergalerie.

Von Tino Meyer
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Tino Meyer, Leiter der SZ-Sportredaktion, hat den Athleten Karl Bebendorf (rechts) bei der Rewe Team Challenge begleitet.
Tino Meyer, Leiter der SZ-Sportredaktion, hat den Athleten Karl Bebendorf (rechts) bei der Rewe Team Challenge begleitet. ©  Christian Juppe

Dresden. Medaillen für alle! Kann es etwas Schöneres geben? Doch die Finisher-Plakette mit der großen 15 darauf will verdient sein. Oder besser: Erlaufen werden. Auch bei der 15. Auflage der Rewe Team Challenge, dem traditionellen wie kultigen Firmenlauf in Dresden, gibt's nichts geschenkt - aber Gänsehaut inklusive.

Manchen packt's schon vor dem Start, eine Startnummer tragen schließlich die wenigsten der insgesamt 28.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das ist Rekord, mal wieder. Und das katapultiert Dresden in die Top 5 in der deutschen Laufrangliste. Die 25.000 aus Vor-Corona-Zeiten - mal eben pulverisiert. "Einfach phänomenal, dass wir das toppen", sagt Günter Frietsch von der Laufszene Events GmbH aus Dresden, die diese Team Challenge seit 2008 organisiert und - das kann man tatsächlich so formulieren - so einem gesellschaftlichen Ereignis in der Stadt gemacht hat.

© Christian Juppe
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© René Meinig
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Rewe Team Challenge 2024 Dresden Foto:René Meinig
Rewe Team Challenge 2024 Dresden Foto:René Meinig © René Meinig
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© René Meinig

Aus insgesamt mehr als 4.000 Unternehmen und Institutionen Dresdens und der Region kommen die Hobby- und Freizeitläufer, und für nicht wenige ist es der sportliche Höhepunkt des Jahres. Angetrieben von Kolleginnen und Kollegen, manchmal auch angestachelt vom Gruppenzwang und nicht selten motiviert vom Chef, der die Anmeldegebühren übernimmt - und im Idealfall dann ebenfalls an der Startlinie steht.

Prominenter Besuch aus Rom beim Firmenlauf

Sport verbindet, Laufen ganz besonders. Und die fünf Kilometer vom Kulturpalast vorbei an Zwinger sowie Semperoper, durch die Powerzone Lingnerallee und dann ins Ziel im Rudolf-Harbig-Stadion, die schafft jeder. Mit Lust und Laune und auch ein bisschen Leiden. Das gehört dazu, und wer wüsste das besser als Karl Bebendorf, Dresdens bester Läufer, seit Montagabend zudem EM-Dritter über die 3.000 Meter Hindernis und mittlerweile deutschlandweit bekannt als Hindernis-Ronaldo oder wahlweise auch KB7.

Um 5 Uhr ist er aufgestanden, um den ersten Flieger aus Rom zu nehmen. Mag bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in der Ewigen Stadt der letzte Tag auf dem Programm stehen, Bebendorf will an diesem Mittwochabend in Dresden. Die Team Challenge in seiner Heimstadt - für ihn seit Jahren eine Herzensangelegenheit.

Prominenter Besuch: Sportler Karl Bebendorf ist extra aus Rom angereist.
Prominenter Besuch: Sportler Karl Bebendorf ist extra aus Rom angereist. © Christian Juppe Photography
Bei der diesjährigen EM in Rom hat Bebendorf die Bronze-Medaille mit nach Hause gebracht - als erster Dresdner Leichtathlet in 15 Jahren.
Bei der diesjährigen EM in Rom hat Bebendorf die Bronze-Medaille mit nach Hause gebracht - als erster Dresdner Leichtathlet in 15 Jahren. © Christian Juppe Photography

"Einen besseren Empfang in Deutschland als hier kann ich mir nicht vorstellen", sagt der 28-Jährige vom Dresdner SC, der diesmal aber nicht etwa um 17 Uhr in der ersten von sieben Startwellen und da im Topathleten-Block startet, Bebendorf läuft in der AOK-Plus-Startwelle um 19.30 Uhr - mit seinen früheren Arbeitskollegen aus Zeiten, als er noch als Halbprofi unterwegs gewesen ist.

Passt zu ihm, und passt zu diesem Firmenlauf, bei dem der Spaß an erster Stelle steht - was einen zünftigen Endspurt nicht ausschließt. Nicht ganz so schnell wie Bebendorf bei seiner sensationellen Schlussrunde in Rom, und doch schnell genug für eine neue persönliche Bestzeit.

Bebendorf schreibt Olympia-Geschichte

Die von Bebendorf über die 3.000 Meter Hindernis steht jetzt bei 8:14,41 Minuten - fein säuberlich eingraviert auf der Rückseite seiner Bronzemedaille. Die hat er natürlich auch bei der Team Challenge dabei, begehrter aber sind Selfies mit und Autogramme von ihm. Und immer wieder soll er erzählen, wie er das gemacht im Finale von Rom - und wie das ist, mit nassen Füßen zu laufen, weil ja der Sprung über den Wassergraben in so einem Hindernisrennen selten weit genug geht.

Diese Gefahr besteht bei der Team Challenge nicht, keine Hindernisse und erst recht keine nassen Füße. Stattdessen beste Bedingungen, mit Rückenwind am Terrassenufer und dem roten Teppich auf dem grünen Rasen im Harbig-Stadion. Diese fünf Kilometer empfindet jeder anders, eines verbindet: Dieses Glücksgefühl beim Überqueren der Ziellinie, auch wenn sich das manchmal erst zeitverzögert einstellt.

Persönliche Bestzeit für Bebendorf: Siegerehrung am Altmarkt
Persönliche Bestzeit für Bebendorf: Siegerehrung am Altmarkt © Christian Juppe

Geht sogar Bebendorf so. "Erst viel später habe ich realisiert, dass ich mit meiner krassen Zeit die Olympia-Norm unterboten hatte", sagt der gebürtige Dresdner über die Nacht von Rom - und genießt den Moment des Ankommens, den Trubel im Stadion, den Gedanken an das Erreichte. "Was ich geschafft habe, werde ich so richtig wohl erst in den nächsten Tagen begreifen", sagt er - sozusagen stellvertretend für viele der 28.499, die mit ihm unterwegs waren.

Ein kleines bisschen, gesteht er, denkt Bebendorf aber auch schon wieder ans Training. Und auch damit ist er nicht allein. Denn nach der EM kommt Olympia - und in einem Jahr die nächste Team Challenge.