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Neue Dresdner Tagespflege setzt auf Riesen-Tablet

In der neuen Einrichtung des ASB-Seniorenheims in Gorbitz werden ältere Menschen spielerisch und digital aus der Einsamkeit geholt.

Hartmut Ehrhardt und Annemarie Schulze (r.) lassen sich im ASB-Seniorenheim in Gorbitz von Kerstin Leuteritz den virtuellen Spieletisch erklären.
Hartmut Ehrhardt und Annemarie Schulze (r.) lassen sich im ASB-Seniorenheim in Gorbitz von Kerstin Leuteritz den virtuellen Spieletisch erklären. © Sven Ellger

Dresden. Es wird schon gelacht im Gemeinschaftsraum. Dabei sind die Handwerker noch gar nicht fertig. Mit Staubsauger und Gardinenstangen wuseln sie durch die Gänge, während Annemarie Schulze und Hartmut Ehrhardt schon ihr neues Lieblings-Spielgerät entdeckt haben. Einen schwarzen Tisch, in dessen Mitte ein übergroßes Tablet eingelassen ist.

Ihr Zuhause haben die beiden Senioren im Betreuten Wohnen des ASB-Pflegeheims "Am Gorbitzer Hang". Künftig aber werden sie sich wohl häufiger auch hier unten in der neuen Tagespflege der Einrichtung treffen, die am Mittwoch ihre Türen öffnet.

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Beim Probebesuch am Tag zuvor dreht sich alles um den sogenannten "Care Table", den digitalen Spieltisch mit schier unendlichen Möglichkeiten der Bespaßung.

Letzte Handgriffe vor der Eröffnung: Kerstin Leuteritz wird die Tagespflege leiten.
Letzte Handgriffe vor der Eröffnung: Kerstin Leuteritz wird die Tagespflege leiten. © Sven Ellger

"Das geht ja alles von allein", sagt Hartmut Ehrhardt, als sich seine Spielfigur beim "Mensch ärgere dich nicht" auf dem Bildschirm selbstständig macht, nachdem er auf den Würfel geklickt und prompt eine Sechs gewürfelt hat. Während der 81-Jährige noch ein wenig Übung beim Wischen mit den Fingern braucht, sieht das bei der drei Jahre jüngeren Annemarie Schulze schon geschmeidiger aus.

Neben dem Brettspiel probieren sie auch gleich andere Dinge auf dem Tisch aus. Tiergeräusche-Raten, Obst-Schneiden und Frösche-Fangen suchen sie sich aus. "Wenn das die Baerbock wüsste", kommentiert Erhardt das und erntet Gelächter. Dann entdeckt er das Programm "Unsere schöne Heimat" mit historischen Videos. "Das ist natürlich was für mich", sagt der Hobby-Heimatforscher begeistert.

Annemarie Schulze kann sich gut vorstellen, demnächst öfter herzukommen. Im Vergleich zu anderen Bewohnern des Seniorenheims ist sie zwar noch sehr fit und geht regelmäßig auf Wanderungen, die Gemeinschaft in der neuen Tagespflege reizt sie aber durchaus. Beim Kuchenbacken oder bei Ausflügen wäre sie gern dabei, und auch der digitale Spieletisch hat ihr Interesse geweckt. "Da kann man sich schön den Tag vertrudeln", sagt sie, wobei sie ihren Augen nach einigen Minuten doch lieber eine Pause gönnt.

Nur die Gardinen fehlen noch - und die Gäste.
Nur die Gardinen fehlen noch - und die Gäste. © Sven Ellger

Eine Tagespflege ist ein teilstationäres Angebot, das an Wochentagen geöffnet ist. Hier werden pflegebedürftige Menschen betreut, die noch zu Hause leben. Auf Wunsch werden sie morgens von einem Fahrdienst abgeholt und am Nachmittag zurück in ihre eigenen vier Wände gebracht. Je nach Pflegegrad stehen ihnen dafür pauschale Beträge von der Pflegekasse zu. Mancher kommt die ganze Woche, andere sind nur ein oder zwei Tage da. Insgesamt stehen jeden Tag 17 Plätze zur Verfügung. Geöffnet ist von 7.30 Uhr bis 17 Uhr.

Auch Duschen kann man hier gut. "Für pflegende Angehörige und den Tagesgast kann das eine großen Entlastung im Alltag sein", sagt Kerstin Leuteritz, die die Tagespflege leiten wird. "Zu Hause ist das Duschen oft nur unter schwierigen Bedingungen oder gar nicht möglich."

Mit Schwungtuch in Schwung kommen

Die 53-Jährige hat Erfahrungen in der Tagespflege, ist aber neu beim ASB. Für die ersten Tage nach der Eröffnung hat sie schon sieben Anmeldungen erhalten. Neben dem Kennenlernen des Pflegeteams stehen nachmittags zunächst Bewegungsspiele mit dem Schwungtuch, Lückengeschichten und Sprichwörter im Wochenplan.

"Das sind aber nur Angebote an unsere Gäste", betont Kerstin Leuteritz. "Wer möchte, kann es sich auch einfach in einem Sessel gemütlich machen und die anderen beobachten." Das könne schon viel helfen, sich aus der eigenen Einsamkeit zu befreien, die während der Einschränkungen in Corona-Zeiten noch stärker zu spüren war und zum Teil jetzt noch vorhanden ist.

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Neben der neuen Einrichtung in Gorbitz betreibt der ASB bereits Tagespflegeeinrichtungen in der Prager Zeile, in Cossebaude, Boxdorf, Königsbrück und Radeburg.

Interessenten für die Tagespflege können sich unter 0351/4182159 melden oder eine E-Mail an [email protected] schreiben.

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