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Zwischen Bühne und Zahnarztstuhl

Mit viel Energie und einem ersten Album hat Valeska Kunath ihre neue Band über den Lockdown gerettet. Jetzt startet sie durch - auf dem Ostra-Dome-Open Air.

Nach schwerer Zeit ist Valeska Kunath guter Dinge und tut beides: sich rückbesinnen und nach vorn schauen.
Nach schwerer Zeit ist Valeska Kunath guter Dinge und tut beides: sich rückbesinnen und nach vorn schauen. © Sven Ellger

Dresden. Es regnet Bindfäden, schon den ganzen Tag, und Valeska spricht von guter Laune. Graue Tage hatte die Sängerin genug. Sie begannen im März 2020, als ein Anruf sie zur Vollbremsung zwang. "Ich war gerade mit der Johnny-Cash-Tribute-Band The Cashbags auf Tournee", erzählt die 36-Jährige. Doch plötzlich war Schluss, alle Auftritte abgesagt, für unbestimmte Zeit.

Wenige Monate zuvor hatte Valeska Kunath eine neue Band gegründet, viel Zeit, Geld und Mühe in den Auftakt mit Bühnenprogramm und Videoclip gesteckt. Doch Corona ließ nicht zu, dass das Sextett überhaupt sein Publikum finden konnte. Zumindest nicht live. "Zwischenzeitlich war ich wirklich verzweifelt", gesteht sie. Wenn es nicht wenigstens Proben und die Arbeit am ersten Album gegeben hätte, wer weiß. "Das hat mich aufgefangen und abgelenkt."

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Wie es künftig weitergeht, das wissen Künstler wie sie nach wie vor nicht genau. Aber eins ist sicher: Am Freitag wird sie mit ihrer Band "Lesly's Dynamite" auf der Bühne stehen. Die Sonne wird scheinen - mindestens in den Herzen der Besucher des Ostra-Dome-Open Airs im Messegelände, und die Menschen werden tanzen und einfach gute Laune haben: "Dafür ist unsere Musik gemacht", sagt Valeska Kunath, die zusammen mit ihren Musikerinnen und Musikern die Rhythmen der 50er Jahre aufleben lässt: Jazz, Swing, Boogie, Country und Rockabilly.

Arbeit statt Alimente

Dass Konzerte trotz Corona und sogar bei höheren Infektionszahlen stattfinden können, das hat die Band The Firebirds gerade erst mit einem Modellprojekt bewiesen. Auf Schloss Trebsen hatten die Leipziger Musiker ein Festival coronasicher veranstaltet - mit wissenschaftlicher Begleitung und ausgefeiltem Testsystem. Leider auch sehr teuer und deshalb wirtschaftlich unrentabel. Ihr Fazit: Liebe Regierung, erstattet uns Künstlern lieber die Kosten für die Umsetzung von Hygienekonzepten und lasst uns arbeiten, statt uns zu alimentieren und die Menschen ohne Kunst und Unterhaltung zu lassen.

Was das nämlich bedeutet, hat Valeska Kunath bitter erfahren. Soloselbstständige wie sie fielen lange durchs Netz der staatlichen Coronahilfen. "Acht Monate habe ich finanziell durchgehalten, dann konnte ich nicht mehr", erzählt die Sängerin. Noch länger ohne Einkommen zu leben, wie sollte das gehen? Die Ersparnisse waren aufgebraucht.

Valeska Kunath mit ihrer Band "Lesly's Dynamite": Das Sextett will endlich richtig durchstarten.
Valeska Kunath mit ihrer Band "Lesly's Dynamite": Das Sextett will endlich richtig durchstarten. ©  PR

Eigentlich hatte sie sich fünf Jahre zuvor ganz bewusst und mit Überzeugung dafür entschieden, freiberufliche Musikerin zu werden. Als 15-Jährige sang sie in einer Schülerband, damals noch in ihrer Heimatstadt Coburg. Auch während des Abiturs in Bayreuth und später im Studium blieb die Musik ihr Hobby. Um Mediendesignerin zu werden, war sie 2008 an die TU Dresden gekommen. Doch bald musste sie sich eingestehen, dass Informatik nicht ihr Steckenpferd ist und die Kreativität auf der Strecke blieb. "Da habe ich einen ganz früheren Berufswunsch wieder entdeckt und bin Zahntechnikerin geworden."

Einst hatte Valeska den Job in einem Labor aufgegeben. Die 60-Stunden-Wochen dort machten sie nicht nur kaputt, sondern ließen ihr kaum Kraft für die Kunst. Derweil war sie nämlich schon in die Johnny-Cash-Tribute-Band eingestiegen, und die hatte riesigen Erfolg. Schließlich entschied sich Valeska ganz für die Musik und kündigte im Labor.

Dass sie zurückkehren würde, war nicht vorgesehen. Nun rettet die Option sie über die schwere Zeit. Zurück ins frühere Hamsterrad wollte sie auf keinen Fall, stattdessen fand sie eine Teilzeitanstellung bei einer Zahnärztin mit Verständnis und Herz für die Musik. "Ich habe freitags immer frei, damit ich Engagements annehmen kann, sobald wieder welche möglich sind", sagt Valeska.

So wie diese Woche. Im Rahmen des Projektes "Dresden Open Air - Kultursommer 2021" unterstützt die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen das Konzert vor der Ostra Dome. Dort sind neben "Lesly's Dynamite" auch die Firebirds zu erleben, auf deren Festival Valeska mit ihrer Band ebenfalls aufgetreten ist und dort die Präsentation ihres erstens Albums gefeiert hat. Außerdem sind The Booze Bombs mit ihrem Rockabilly-Sound dabei - drei Vollblutmusiker an Bass, Gitarre und Schlagzeug zusammen mit der Sängerin Anni Leopardo.

Für Valeska Kunath geht es nach Möglichkeit ab November endlich wieder auf Tournee. Über Varianten, auch vor weniger Publikum wirtschaftlich sinnvoll in geschlossenen Räumen zu spielen, zerbrechen sich alle Beteiligten schon jetzt die Köpfe und hoffen auf gute Lösungen. Bleibt nur ein Wunsch fürs neue Jahr: "Ich möchte, dass unser Leben wieder normal wird - miteinander, statt gegeneinander."

Tickets für das Ostra-Dome-Open Air gibt es zu 16 Euro im Vorverkauf in den SZ-Vorverkaufsstellen DDV-Lokal, im Internet und an den Konzertkassen der Stadt sowie im Ticketbüro in den Ostra-Studios im Messegelände, Zur Messe 9A, und unter Telefon 4888555. Das Konzert beginnt 19 Uhr. Weitere Informationen sind hier zu finden.

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