merken
PLUS Dresden

So starteten Dresdens Grundschulen wieder

Erst- bis Viertklässler dürfen nun in festen Klassen wieder unterrichtet werden. Welche Regeln sonst noch gelten und wie Familien den ersten Schultag erlebten.

Erst- bis Viertklässler dürfen nun in festen Klassen wieder unterrichtet werden.
Erst- bis Viertklässler dürfen nun in festen Klassen wieder unterrichtet werden. © dpa

Dresden. Endlich wieder Ranzen packen, Freunde treffen, Lesen und Rechnen lernen - am Montag kehrten die Dresdner Grundschüler zurück in ihre Klassenzimmer. Bei klirrender Kälte mit Minus 13 Grad stapften die Mädchen und Jungen am zeitigen Morgen zur Schule.

Auch an der 103. Grundschule in der Neustadt herrschte ein buntes Gewimmel aus Kindern und Eltern. Allerdings nicht wie sonst kurz vor 8 Uhr - sondern verteilt auf den Zeitraum von 7.30 bis etwa 8.30 Uhr. Wie schon im Frühjahr und Sommer vergangenen Jahres starteten alle Klassenstufen versetzt, um großen Andrang vor der Schule zu vermeiden.

Anzeige
„njumii hat mein Leben verändert“
„njumii hat mein Leben verändert“

Von der Verkäuferin zur Personalrecruiterin: Bianka Leipert hat mit Mitte 30 ihren Abschluss als kaufmännische Fachwirtin gemacht.

Doch unter die Vorfreude mischten sich bei den Eltern auch Sorgen. "Ich habe lange überlegt, ob ich mein Kind wieder in einen Klassenraum mit 25 anderen Kindern schicke, angesichts der Infektionszahlen und den Mutationen", erzählt eine Mutter.

Ein Vater stimmt zu. "Wir haben uns für den Präsenzunterricht entschieden, weil die Kinder dringend wieder ausgebildete Lehrer und ihre Freunde brauchen." Für Grundschüler ist die Schulbesuchspflicht in Sachsen derzeit aufgehoben. Eltern können damit selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken.

Wie wird der Unterricht organisiert?

Wie die 103. Grundschule setzen auch alle anderen Dresdner Grundschulen auf die seit Monaten bekannten Abstands- und Hygieneregeln. Damit Schüler, Lehrer und Horterzieher möglichst wenig Kontakte zu anderen haben, findet der Präsenzunterricht nach dem Prinzip der festen Klassen und Gruppen statt. Allerdings ist es vielen Lehrern gar nicht möglich, allein den Unterricht einer Klasse abzudecken, da sie nicht Vollzeit arbeiten. Dann kommen weitere Kollegen zum Einsatz.

Unterschiedliche Ankommens-, Unterrichts- und Pausenzeiten werden weiterhin die Organisation des Schulalltages bestimmen. Kinder und Lehrer sollen die Mund-und-Nasenbedeckung in Situationen tragen, in denen der Abstand nicht eingehalten werden kann, wie etwa beim Betreten und Verlassen des Schulgebäudes und überall im Schulgebäude, wo Begegnungen außerhalb der festgelegten Gruppen stattfinden können.

Auch an der 15. Grundschule gibt es strenge Hygieneregeln. Im Klassenzimmer selbst gilt keine Maskenpflicht, aber im Schulhaus und beim Toilettengang. In jedem Unterrichtsraum soll mindestens aller 20 Minuten für fünf Minuten eine Stoßlüftung erfolgen, so die Schulleitung.

Warum gibt es keinen Wechselunterricht?

Viele Eltern fragen sich angesichts der strengen Hygieneregeln, warum Sachsen nicht wie andere Bundesländer an den Grundschulen Wechselunterricht anbietet. Das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) erklärt, warum Sachsen auf den vollen Präsenzunterricht setzt: "Wir haben uns bewusst nicht für ein Wechselmodell an Grundschulen entschieden, weil die Schüler gerade nach zwei langen Monaten des häuslichen Lernens ein kontinuierliches, pädagogischen Anforderungen entsprechendes Lernen und den direkten Kontakt mit ihren Lehrkräften und Mitschülern dringend brauchen", sagt Lasub-Sprecherin Petra Nikolov.

Nicht zuletzt sei ein Wechselmodell für die Eltern nicht zumutbar und organisatorisch in Verbindung mit der Notbetreuung und der Abstimmung mit dem Hort kaum zu bewerkstelligen. "Entscheidend ist vielmehr, dass das Prinzip der festen Klassen konsequent umgesetzt wird, um die Infektionsgefahr zu begrenzen und im Falle einer Infektion die Zahl der Kontaktpersonen überschaubar zu halten", sagt Nikolov.

Welche Fächer werden unterrichtet?

"Unser Bildungsangebot wird sich zunächst auf die Fächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht und Englisch konzentrieren", teilt die 103. Grundschule den Eltern mit. Sport- und Schwimmunterricht finden nicht statt. "Wir werden im Rahmen der Unterrichtszeit und natürlich auch im Hort nach anderen Möglichkeiten suchen, um genügend Freiraum für Bewegung zu schaffen", so die Schule.

In der ersten Unterrichtswoche wolle man versuchen, die Schüler wieder behutsam in den Schulalltag zu integrieren und sich bemühen, den aktuellen Lernstand der Kinder nach der langen häuslichen Lernzeit zu ermitteln. Am Montag haben die Schüler außerdem ihre Halbjahresinformationen bekommen.

Auch an der 15. Grundschule soll das Bildungsangebot auf die Kernfächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht und - in Klassenstufe 4 - Englisch fokussiert werden. So sieht es der Fahrplan des Kultusministeriums für alle Grundschulen vor. Damit soll sichergestellt werden, dass die Schüler die Grundlagen im Lesen, Schreiben und Rechnen bekommen und diese festigen.

Sind die Betreuungszeiten eingeschränkt?

Da die Kinder in festen Gruppen mit festem Personal betreut werden, ist der eingeschränkte Regelbetrieb sehr personalaufwändig - auch im Hortbereich. Gruppenübergreifende Früh- und Spätdienste sind deshalb derzeit nicht möglich, was wiederum bedeutet, dass Horte nicht in vollem Umfang öffnen können.

"Uns ist bewusst, dass von den Einschränkungen besonders Familien betroffen sein werden, die auf diese Randzeiten angewiesen sind", so Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU). Alle Dresdner Einrichtungen prüfen ihre Öffnungszeiten deshalb sehr verantwortungsvoll und schränken sie nur dort ein, wo es unbedingt erforderlich ist.

Welche Öffnungszeiten in den jeweiligen Schulhorten gelten, erfahren Eltern in ihren Einrichtungen. Während etwa Kinder der 103. Grundschule in der Zeit von 6.30 Uhr bis 18 Uhr betreut werden können, öffnet der Frühhort in der 95. Grundschule zwar bereits 6 Uhr, allerdings nur für Kinder, deren Eltern durch einen zeitigen Arbeitsbeginn keine andere Betreuungsmöglichkeit haben. Am Nachmittag ist der Hort nur bis 16.30 Uhr geöffnet, dennoch können sich Eltern, die auf eine längere Betreuung angewiesen sind, zwei Tage im Voraus bei der Hortleitung melden.

Was sagen Eltern zum Schulstart?

Viele Familien sind erleichtert, dass mit der Öffnung der Grundschule wieder etwas Normalität in das Leben ihrer Kinder zurückkehrt. Wie viele Dresdner Eltern tatsächlich davon Gebrauch machen, ihre Kinder weiterhin daheim zu unterrichten, ist am ersten Schultag noch nicht bezifferbar. Doch schon jetzt ist klar, dass nicht alle Eltern glücklich sind mit den strengen Regelungen. Insbesondere die Pflicht, dass die Kinder außerhalb des Unterrichts im Schulhaus einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, ist unter den Eltern umstritten.

Während die einen durchaus Verständnis dafür haben und die Regelung für sinnvoll halten, damit mögliche Infektionen nicht weitergegeben werden, kritisieren andere Eltern die Maskenpflicht. "Ich war total geschockt, als ich erfahren habe, dass die Kinder eine Maske im Schulhaus tragen müssen", erzählt eine Mutter, deren Sohn die zweite Klasse an der 95. Grundschule besucht. Sie finde die Vorstellung schlimm, dass ihr Sohn im Schulhaus Freunden begegnet und sie sich nicht richtig unterhalten können.

Weiterführende Artikel

Corona: Wie werden Dresdens Schulen sicherer?

Corona: Wie werden Dresdens Schulen sicherer?

Seit Montag sind die Dresdner Grundschulen wieder geöffnet, doch es gibt Kritik an den Hygienekonzepten. Das sagt die Stadt zu Lüftungsfiltern und Tests.

Das sagen unsere Leser zur Schulöffnung

Das sagen unsere Leser zur Schulöffnung

In Sachsen sind Grundschulen und Kitas geöffnet, Eltern dürfen ihre Kinder aber weiter daheim behalten. Was unsere Leser auf Facebook davon halten.

Dresdner Eltern: "Mein Kind lernt weiter zu Hause"

Dresdner Eltern: "Mein Kind lernt weiter zu Hause"

Seit Montag sind die Schulen geöffnet, doch nicht alle Familien in Dresden nutzen den Präsenzunterricht. Warum das so ist und wie Schulen sicherer werden sollen.

Das denken die Sachsen über die Schulöffnung

Das denken die Sachsen über die Schulöffnung

Sachsens Grundschulen und Kitas sind ab Montag wieder offen. Die Mehrheit hält die Maßnahme für richtig - außerhalb Sachsens ruft sie aber Kritik hervor.

Dennoch sei es "höchste Eisenbahn", dass der Unterricht nun wieder in den Schulen und mit Lehrern stattfindet, räumt die Mutter ein. Ohnehin sei der Wissensstand unter den Kindern schon jetzt sehr unterschiedlich. "Aber ich traue den Lehrern zu, dass sie das ausgleichen." Dazu müssten die Schulen nun allerdings langfristig geöffnet bleiben. Vor einer erneuten Schulschließung - sollten die Infektionszahlen wieder steigen - habe sie schon Sorge. Denn Homeschooling sei eine enorme Herausforderung.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden