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DVB: Schwarz gefahren? Protest gegen Strafe

Meistgelesen: Kleingeld haben sie nicht, die zwei Studenten wollen während der Fahrt durch Dresden übers Handy Tickets kaufen. Doch die Kontrolleure sind schneller.

Zwei Studenten haben es nicht rechtzeitig geschafft, sich bei der Ticket-App zu registrieren, bevor die Kontrolleure kamen.
Zwei Studenten haben es nicht rechtzeitig geschafft, sich bei der Ticket-App zu registrieren, bevor die Kontrolleure kamen. © Sven Ellger

Dresden. Die 60 Euro-"Tickets" haben sie schon in den Händen, die Zahlungsaufforderung bekamen die zwei Studenten bereits in der Linie 8. Nur akzeptieren wollen sie diese nicht. Sie hätten ihre Möglichkeiten ausgeschöpft, an eine Fahrkarte zu kommen, sagen sie. Was war passiert?

Die beiden waren Mitte August auf dem Weg zum Festspielhaus Hellerau. Eine Studienreise hatte sie nach Dresden geführt. Nun wollten sie von der Neustadt in die Gartenstadt. An der Louisenstraße sind sie in die Straßenbahn gestiegen. Neun Haltestellen weit kamen sie ohne Fahrschein, dann wurden sie kontrolliert.

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Online-Registrierung gescheitert

Peter K. ist einer der Studenten, seinen richtigen Namen will er nicht veröffentlicht haben. Sie hatten ihre "Möglichkeiten, einen Fahrschein zu erwerben, hinreichend ausgeschöpft", ist er überzeugt. Die Kontrolleure, die das Duo ohne Ticket erwischten, sahen das anders.

K. und sein Kommilitone haben sich an die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) gewandt und monierten, dass es nicht möglich war, in der Bahn schnell einen Online-Fahrschein via Handy zu kaufen. Der technische Vorgang dauerte zu lang, um das Ticket rechtzeitig auf dem Display vorzeigen zu können. Als sie mit der "8" an der Haltestelle "Am Hellerrand" ankamen, fehlte nach wie vor die Bestätigung für die Registrierung im Online-Ticket-System. Erst danach ist es möglich, einen Fahrschein zu ordern.

Die Kontrolleure seien zwar "sehr freundlich" gewesen. Doch es blieb dabei: K. und sein Mitstudent fuhren nach Ansicht der Kontrolleure schwarz. Nachdem die Bahn zwei Haltestellen weitergefahren war, stiegen die Studenten aus. Inzwischen hielten sie die Aufforderung zur Zahlung eines "erhöhten Beförderungsentgeltes" in den Händen. Immerhin 60 Euro pro Person - zu zahlen innerhalb von zwei Wochen.

Warum 60 Euro Strafe drohen

Die Verkehrsbetriebe könnten auf der Bezahlung bestehen, ordnet DVB-Sprecher Falk Lösch das Geschehen ein. Der Fall ist aktuell Thema beim Kundenservice des Unternehmens. Denn - wie von den Kontrolleuren vorgeschlagen - K. hat sich dort schriftlich gemeldet und darum gebeten, ihm und seinem Kommilitonen die Strafe zu erlassen.

Doch sie haben einen grundsätzlichen Fehler gemacht. "Es gilt immer noch – übrigens deutschlandweit – erst Ticket kaufen, dann einsteigen", stellt Lösch klar. Das hätte das Duo zum Beispiel an der Haltestelle Louisenstraße machen können. "Dort gibt es einen funktionierenden stationären Ticketautomaten", das Gerät nehme Geldscheine und EC-Karten an. K. und sein Kommilitone hatten dort an einem Haltestellenaushang zwar gelesen, dass sie 2,50 Euro für eine Einzelfahrt bezahlen müssen. Einen Fahrschein gekauft haben sie aber nicht.

Was die DVB ändern sollten

In der Bahn hatten sie dann nicht das passende Kleingeld für den Automaten. Diese seien ohnehin nur so etwas wie eine "Notlösung", so die DVB, denn der Ticketkauf ist ja vor Fahrtantritt Pflicht. "Um also nicht ohne Ticket fahren zu müssen, suchte ich die Webseite der DVB heraus, um dort ein Online-Ticket zu erwerben", so der Student. Das dauerte schließlich zu lange.

Die Verkehrsbetriebe ordnen den Vorfall anders ein. "Er wollte kein Ticket kaufen, sondern sich nach eigener Aussage in der Bahn sitzend überhaupt erstmal per Handy registrieren", sagt Lösch. "Das dauert schon einen Moment, sich durchs Menü zu klicken, und hängt von der Mobilverbindung seines Anbieters in der fahrenden Straßenbahn ab."

Ob die DVB nun Gnade vor Recht ergehen lassen, ist noch nicht entschieden. Peter K. hat dem Unternehmen in einem Anschreiben gleich noch mehrere Verbesserungsvorschläge mitgeschickt. Unter anderem schlägt er den "Einbau von zeitgemäßen Ticketsystemen in die Fahrzeuge der DVB und/oder an alle Haltestellen" vor. An den Haltestellen sind die DVB schon weiter, als in den Bussen und Bahnen. Dort stehen längst Automaten, an denen Fahrgäste mit Geldkarten zahlen können und an denen berührungsempfindliche Bildschirme die Wahltasten für die Fahrkarten ersetzen.

Was tun, wenn das Geld durchfällt

Auch die Busse und Bahnen in Dresden sollen neue Automaten bekommen, "möglicherweise noch in diesem Jahr", sagt Lösch. An diesen Automaten sollen die Kunden dann auch mit Geldkarten zahlen können. Kleingeld werden sie weiter annehmen. Rutschen die Münzen immer wieder durch und kann man deshalb kein Ticket kaufen, rät Lösch: Den Kontrolleur bei einer Fahrscheinkontrolle vor Ort zeigen, was mit dem Bargeld passiert. "Der wird dann keinen Strafzettel ausstellen", sagt der DVB-Sprecher, "sondern den Automatendienst bestellen."

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