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Dresden: Mehr Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch

Die Zahl der betroffenen Mädchen und Jungen hat zugenommen. Das rät die Polizei den Eltern.

Auch das Dresdner Jugendamt meldet einen deutlich Anstieg bei den Meldungen zur Kindeswohlgefähdung.
Auch das Dresdner Jugendamt meldet einen deutlich Anstieg bei den Meldungen zur Kindeswohlgefähdung. ©  dpa (Symbolbild)

Dresden. Keine Schule, keine Kita, kaum Freunde gesehen: Die Pandemiezeit war für Dresdner Kinder und Jugendliche eine schwere Zeit. Neben der psychischen Belastung durch Corona, kommt für einige von ihnen allerdings das Trauma durch sexuellen Missbrauch hinzu. Die Zahlen steigen, und die Behörden sind alarmiert.

Wie viele Fälle von sexuellem Missbrauch gab es?

Die Zahl der Fälle von sexuellem Missbrauch in Dresden ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Für 2020 sind 120 derartige Vorkommnisse bekannt, 107 sind aufgeklärt, so Polizeisprecher Lukas Reumund auf SZ-Anfrage. 2016 wurden 93 Fälle erfasst und 82 aufgeklärt, 2017 waren es 99 Fälle und 68 wurden aufgeklärt. Aktuelle Zahlen des Jahres 2021 liegen noch nicht vor.

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„Die Tendenz für 2021 wird in etwa gleichbleibend sein. Eine Aussage, ob die Pandemie zu mehr Aufdeckung führte, ist nicht möglich und an den Zahlen nicht ablesbar“, so Reumund. Er gibt aber zu bedenken, dass die Zahlen immer die in dem Jahr erfassten Fälle darstellen. Gerade bei Sexualdelikten komme es aber immer wieder vor, dass sich Menschen melden, bei denen die Taten schon mehrere Jahre zurückliegen.Auch das Dresdner Jugendamt gibt einen deutlichen Anstieg bei den Meldungen zur Kindeswohlgefährdung bekannt.

Im Jahr 2020 gab es insgesamt 2.415 Meldungen. Im Zeitraum vom 1. Januar 2021 bis 31. August 2021 sind 1.647 Meldungen zum Thema eingegangen. Hier kann das Amt aber nicht differenzieren zwischen Vernachlässigung, Gewalt, Suchterkrankungen der Eltern oder psychischen Problemen. „Wahrnehmbar erlebt das Jugendamt in der Praxis eine Häufung von unterschiedlichen Gewaltthematiken. Statistisch kann jedoch diese Fragestellung nicht ausgewertet werden“, so das Jugendamt.

Was ist über die Täter bekannt?

„Zu den Tätern lässt sich sagen, dass es sich in den meisten Fällen um Personen handelt, die nicht verwandtschaftlich mit den Opfern verbunden sind“, sagt Polizeisprecher Lukas Reumund. Es könne aber durchaus sein, dass etwa der Freund der Mutter oder gute Nachbarn als Täter infrage kommen. Sie zählten zwar nicht zu den Verwandten, könnten aber durchaus dem häuslichen Umfeld zugeordnet werden.

Was sagen Beratungsstellen?

„Die aktuellen Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik verdeutlichen das Ausmaß sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“, sagt auch die Beratungstelle Shukura der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Im Jahr 2020 seien bundesweit 16.921 Kinder bis 14 Jahre als Opfer registriert. Die Fälle von Missbrauchsdarstellungen, sogenannter Kinderpornografie, seien um 53 Prozent auf 18.671 Fälle angestiegen.

Viele Eltern in Dresden teilen die Sorge, dass das eigene Kind von sexualisierter Gewalt betroffen sein könnte und die Unsicherheit, was sie zum Schutz ihres Kindes tun können. Diesen Unsicherheiten möchte die Awo-Fachstelle zur Prävention sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche „Shukura“ mit einer digitalen Elternveranstaltung begegnen.

„Sichtbar wird der Bedarf Dresdner Eltern an bereits zwei ausgebuchten digitalen Veranstaltungen“, so die Awo. Zu einem weiteren Terminam 26. Januar 2022 können sich interessierte Eltern per E-Mail bei der AwoFachstelle „Shukura“ anmelden unter [email protected]. Die digitale Elternveranstaltung vermittelt Eltern Informationen über sexualisierte Gewalt, gibt Anregungen zur präventiven Erziehung im Alltag und sensibilisiert Eltern für die Signale betroffener Kinder.

Wie können Eltern ihre Kinder schützen?

Die Dresdner Polizei macht eine Reihe von Präventionsveranstaltungen zum Thema "Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen" . Diese richten sich an Eltern und Sorgeberechtigte von Schülern sowie an Lehrer von Grund- und Förderschulen.

"Das hoch manipulative und planvolle Vorgehen der Täter macht deutlich, dass Kinder sich nicht alleine vor sexuellem Missbrauch schützen können. Die Verantwortung für ihren Schutz tragen die Erwachsenen", so Polizeisprecher Reumund. Im familiären Umfeld seien die Eltern und Sorgeberechtigten für den Schutz verantwortlich, in Schulen sind dies die Schulleitung und Lehrer.

Die Polizei sensibilisiert Eltern für das Gefährdungsphänomen des sexuellen Missbrauchs, klärt über Täterstrategien auf und gibt Hinweise zum Handeln im Verdachtsfall. Folgende Tipps hat die Dresdner Polizei für die Eltern: Die Kinder sollten altersgemäß aufgeklärt werden und zu einer selbstbewussten Persönlichkeit erzogen werden. "Stärken und ermutigen Sie Ihr Kind offen über unangenehme Gefühle und/oder Probleme zu reden und lernen Sie die Freunde Ihres Kindes und deren Familien kennen", rät der Polizeisprecher. Außerdem sollte dem Nachwuchs erklärt werden, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt und man von schlechten berichten darf. "In Verdachtsfällen wird generell auf die Anzeigenerstattung bei der Polizei sowie der Information des Jugendamtes sowie des Opferschutzes hingewiesen", betont die Polizei.

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