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Dresden: Shoppen mit Test lässt Umsätze sinken

Noch weniger Kunden sind in den Läden unterwegs. Nun lassen sich einzelne Händler etwas einfallen.

Sylvia Schulz will bei "Das macht Sinn" in der Altmarkt Galerie Tests im Laden anbieten, damit endlich Kunden kommen.
Sylvia Schulz will bei "Das macht Sinn" in der Altmarkt Galerie Tests im Laden anbieten, damit endlich Kunden kommen. © Christian Juppe Photography

Dresden. Wer in Dresden gern einkaufen geht, muss die Regeln genau kennen. Was ist erlaubt? Muss ich mich anmelden? Aktuell sind die Läden - auch Bekleidungsgeschäfte - offen, aber jeder Kunde muss einen tagesaktuellen negativen Coronatest vorweisen. Doch dadurch werde die Hürde für die Kunden, überhaupt shoppen zu gehen, höher gelegt so die Händler. Und: als Nachweis gilt bisher auch die Selbstauskunft über einen Test. Jeder Dresdner kann sich diese im Netz ausdrucken. Betrug und Fälschung könnten hier vorkommen.

Was sagen die Händler?

"Durch den Test und den Click & Meet-Ansatz haben wir massiv an Frequenz und somit auch an Umsatz verloren", sagt Marcello Concilio, Sprecher vom Bekleidungsladen Ernsting's family, der in Dresden mehrere Filialen hat. Obwohl das Einkaufen insgesamt nachweislich kein Inzidenztreiber sei, werde der seit Monaten zwangsgeschlossene Handel mit dieser neuen Hürde weiter in die Enge getrieben, so Concilio.

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Selten war die Altmarkt Galerie so leer, wie in den vergangene Tagen. "Grundsätzlich war das Einstellen von Click & Meet, um es dann nach Ostern wieder einzuführen, nicht förderlich", schätzt Centermanager Jens Preißler ein. Die Verunsicherung bei den Besuchern sei sehr groß. Dies würde er auch an den zahlreichen Anfragen merken. In vielen Fällen sei es ein Service der Händler, wenn sie ihre Läden öffnen. "Betriebswirtschaftlich sinnvoll ist das Ganze leider nicht", so Preißler.

Dennoch versucht Sylvia Schulz alles, damit wieder mehr Kunden in ihr Geschäft "Das macht Sinn" in der Altmarkt Galerie kommen. Die Chefin des Hauses möchte ein eigenes Testcenter eröffnen und hat dafür bereits zwei Mitarbeiterinnen schulen lassen. Dafür investiert sie zusätzliches Geld. Geht alles gut, kann ab kommendem Montag mit dem Testen im Geschäft begonnen werden. Der Kontakt mit dem Gesundheitsamt für die Genehmigung sei unbürokratisch und schnell verlaufen, sagt Schulz. "Wir möchten von uns aus erstmal alles versuchen, um es den Kunden leicht zu machen, bei uns einzukaufen", sagt sie. Denn seit der Testpflicht sei es sehr leer auf den drei Etagen des Hauses gewesen. Dabei warte die neue Ware darauf, entdeckt zu werden. Drei Mitarbeiter pro Etage stünden für eine umfassende Beratung bereit.

Im Elbepark können sich Besucher bereits seit vergangener Woche testen lassen, sogar an zwei Stationen. Einmal im und einmal vor dem Einkaufszentrum. "Das wird gut angenommen, es kommen jeweils zwischen 300 bis 500 Nutzer täglich", sagt Centermanager Gordon Knabe. Das sind im Idealfall 1.000 potentielle Kunden. Doch längst nicht alle gehen nach dem Test auch shoppen, sondern nutzen ihn für andere Dienstleistungen, wie Knabe beobachtet hat. "Das ist auch völlig legitim."

Durch die erhöhte Öffnungsbarriere mit Test seien die Geschäfte leerer denn je. Dennoch hätten rund 40 Händler für Click&Meet geöffnet. "Das begrüße ich sehr, doch es bedeutet für die Händler kaum einen Tropfen auf den heißen Stein."

Was sagt die Industrie-und Handelskammer?

Auch Lars Fiehler, Sprecher der Dresdner Industrie-und Handelskammer, ärgert sich über die Pflichttests beim Einkaufen. "Nachdem sich Click&Meet doch recht gut etabliert hatte, und in den Innenstädten wieder etwas mehr Leben einzuziehen schien, war die letzte Verschärfung der Corona-Schutz-Verordnung dann wieder ein Schlag ins Kontor." Die neu hinzugekommene Pflicht für die Kunden, parallel zum Einkaufstermin einen tagaktuellen Negativtest vorweisen zu müssen, erschwere das Einkaufen doch deutlich, da es für die Kunden zusätzlichen finanziellen und/oder organisatorischen Aufwand bedeutet.

"Nach unserer Wahrnehmung haben mehr Händler Click&Meet genutzt, als eingangs erwartet", sagt Fiehler. Bei genauem Hinschauen sei im Alltag allerdings auch zu beobachten gewesen, dass die Datenabgabe vor Besuch eines Geschäftes aufgeweicht und lediglich am Zugang der Geschäfte die personenbezogenen Daten der Kunden schriftlich aufgenommen wurden. "War dann die maximal zulässige Zahl der Kunden im Geschäft noch nicht erreicht, konnte auch spontan einkauft werden. Dieses unkomplizierte Vorgehen kam den Kundenbedürfnissen sicher sehr entgegen", sagt er.

Betrug bei den Selbstauskünften?

Von Händlern und in den sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook ist zu lesen, dass offenbar einige wenige Dresdner die Selbstauskunft fälschen und negativ ankreuzen, obwohl sie sch gar nicht getestet haben. Fragt man bei der Stadt und beim Sächsischen Sozialministerium, will keine Behörde eine Zahl der bekannten Fällen nennen. Äußern will sich auch niemand dazu, ob das Prozedere aufgrund der Fälle geändert werden könnte und nur noch professionelle Tests gelten. "Die Abgabe einer unrichtigen Selbstauskunft stellt nach Bußgeldkatalog eine Ordnungswidrigkeit dar, für die ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro vorgesehen ist", schreibt das Ministerium auf SZ-Anfrage.

Die Kontrolle der Einhaltung der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung sowie die Ahndung von Verstößen sei aber Sache der Stadt Dresden. Rathaussprecher Kai Schulz sagt: "Die Regelung mit den Selbsttest beim Einkaufen ist nicht bis zu Ende gedacht und ist ein Einfallstor für Betrug." Deren Richtigkeit könne die Stadt nicht kontrollieren. Die Dresdner führten die Tests ja zuhause durch, ob sie tatsächlich getestet haben und mit welchem Ergebnisse, könne das Ordnungsamt nicht kontrollieren.

"Insbesondere kann diesseits nicht beantwortet werden, ob Selbsttests weiterhin zulässig bleiben oder die ausschließliche Testung in einem Testzentrum vorgesehen wird." Letztendlich hänge allerdings der Erfolg der geltenden Maßnahmen von der Verantwortung jedes Einzelnen ab.

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