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Showtime eines Holocaust-Leugners

Er ist laut, er lässt andere kaum zu Wort kommen, doch nach drei Stunden kann er nicht mehr. Der Prozess ist eine Blamage für das Dresdner Amtsgericht.

Holocaust-Leugner Gerhard Ittner erklärt sich auch am zweiten Prozesstag nach drei Stunden für nicht mehr verhandlungsfähig.
Holocaust-Leugner Gerhard Ittner erklärt sich auch am zweiten Prozesstag nach drei Stunden für nicht mehr verhandlungsfähig. © SZ/Alexander Schneider

Dresden. Auch am zweiten Verhandlungstag gegen den mehrfach vorbestraften Holocaust-Leugner Gerhard Ittner am Dresdner Amtsgericht gab es kein Urteil. Wie bereits zum Prozessauftakt am 2. September hat der Richter die Verhandlungsführung dem 62-jährigen Nürnberger quasi überlassen. Nach drei Stunden, auch das war vorhersehbar, erklärte Ittner plötzlich, er sei nicht mehr in der Lage, sich zu konzentrieren. Auch das hatte er schon in der Auftaktverhandlung so durchgezogen. 

Der Richter setzte daher ohne große Debatte einen dritten Termin für den 7. Oktober an. Immerhin: Von einem Arzt, der Ittner im Jahr 2015 in einem Prozess begutachtet hatte, habe der Richter erfahren, dass der 62-Jährige damals tatsächlich Probleme mit seiner Konzentration gehabt habe. 

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Er will nicht der Gerhard sein

Anders als noch beim ersten Sitzungstag wurde Ittner am Mittwoch von keinem seiner Anhänger begleitet. Dennoch hatte seine Show wieder damit begonnen, dass er gar nicht in diesen Prozess gehöre. Er sei nicht derjenige, der im Sommer 2017 per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 5.400 Euro verurteilt wurde – wegen Volksverhetzung und Holocaust-Leugnung bei einer Demo, die er am 11. Februar 2017 am Zwingerteich veranstaltet hatte. In dem Prozess geht es nun um diese Vorwürfe, weil Ittner den Strafbefehl nicht akzeptiert.

Er heiße Gerd, nicht Gerhard, so Ittner, und sei mittel- und staatenlos, polterte er immer wieder durch den Saal. Er hatte bis dahin noch nicht einmal an seiner Anklagebank Platz genommen, sondern lief durch den Saal. Seine tatsächlichen Personalien hätte die Staatsanwaltschaft rechtsverbindlich feststellen müssen, so Ittner immer wieder. Doch die Staatsanwaltschaft habe sich einfach irgendwelche Daten "aus der Nase gezogen".

Er erhalte keinen Zuschuss für den Prozess, weil er keine Ausweise habe. Weiter verlas der selbsternannte Nationalsozialist einen langen Befangenheitsantrag gegen den Richter, rief mehrfach "Das ist eine Farce!" - da war die erste Stunde schon vorbei.

Wüste Beleidigungen

Zwei weitere Stunden lang befragte er eine Polizistin nach dem Randgeschehen seiner Taten. Die Beamtin, auch das kam zur Sprache, hatte Ittner sogar während der laufenden Demo angesprochen, weil er sich nicht an die Auflagen gehalten hatte.

Dabei habe Ittner die Frau als "Blitzbirne" und "Staatsschutz-Tussi" beleidigt. Warum die Frau ihn nicht angezeigt hat, wurde sie von keinem der Prozessbeteiligten gefragt. Ittner könnte an jenem Demotag in Dresden tatsächlich geglaubt haben, sich alles erlauben zu können.

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Auch im Gericht ließ man ihn wieder gewähren. Beim Gehen rief Ittner wörtlich in den Gerichtssaal: "Die BRD kann mich kreuzweise. Heil dem Deutschen Reich."

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