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Silicon Saxony-Chef: "Wir brauchen eine aktive Willkommenskultur"

Die SZ befragt Dresdner vor der Bundestagswahl, welche Probleme es gibt und was sie von den Politikern erwarten. Heute: Chip-Verbandschef Dirk Röhrborn.

Dirk Röhrborn ist Vorstand Silicon Saxony und sagt, man darf nicht immer vorschieben, warum etwas nicht geht.
Dirk Röhrborn ist Vorstand Silicon Saxony und sagt, man darf nicht immer vorschieben, warum etwas nicht geht. © Sven Ellger

Dresden. Hier haben die Dresdner das Wort: Wenige Wochen vor der Bundestagswahl möchte die SZ in einem für alle gleichen Fragenkatalog wissen, wo der Schuh drückt - in Deutschland, in Dresden, im jeweiligen Stadtteil. Die Befragten antworten und sagen, was sie sich von den Politikern, die ihre Stadt im Bundestag vertreten, erwarten.

Dirk Röhrborn (48) ist Vorstand des Hightech-Netzwerkes Silicon Saxony, Mitglied des Präsidiums beim Digitalverband Bitkom und Geschäftsführer der Dresdner Software-Firma Communardo.

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Wo sehen Sie aktuell die größten Probleme in Deutschland?

Wir befinden uns in einem tiefgreifenden Wandel: Elektromobilität verändert die Leitbrache Automobilindustrie. Bei der Digitalisierung liegen wir im weltweiten Maßstab weiter im Rückstand. Bei Halbleitern, Hardware, Software und der Cloud sind wir in einer großen Abhängigkeit von Amerika und Asien. In Bildung und Forschung ziehen andere Nationen an uns vorbei. Es gilt massiv zu investieren und dafür privates und öffentliches Kapital zu bündeln.

Wo sehen Sie aktuell die größten Probleme in Dresden?

Das Silicon Saxony ist ein weltweit einzigartiges Hightech-Ökosystem aus Unternehmen, Hochschulen und Start-ups. Das zieht spannende Firmen weltweit an. Unser Vorteil sind gut ausgebildete Fachkräfte. Gleichzeitig ist dies auch eine große Herausforderung. Es bedarf großer Anstrengungen bei der Ausbildung des Nachwuchses im MINT-Bereich, aber auch Infrastruktur wie Wohnungen und Schulen sowie eine aktive Willkommenskultur.

Wo sind die Probleme in Ihrem Kiez? Was muss sich ändern?

Die erwarteten Ansiedlungen und Erweiterungen im Dresdner Norden werden den Bedarf nach Wohnraum und Schulen, aber auch im Verkehr weiter verschärfen. Hier braucht es eine kluge Stadtentwicklung und die Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden und Landkreisen. Aber auch die digitale Ausstattung unserer Schulen und Schüler muss endlich zum Standard anderer Industrienationen aufschließen.

Was sollten Politiker dafür tun?

Es gilt, eine zukunftsorientierte Forschungs- und Technologiepolitik zu verfolgen. Planungs- und Genehmigungsverfahren sollten beschleunigt werden. Noch wichtiger ist eine neue Aufbruchstimmung. Dinge müssen wieder möglich werden. Man darf nicht immer vorschieben, warum etwas nicht geht.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder/künftige Generationen?

Mehr Investitionen in die Bildung unserer Kinder. Wir sind schon längst keine Bildungsrepublik mehr, sondern die der Besitzstandswahrer. Wir dürfen unseren Wohlstand nicht konsumieren, sondern müssen ihn in die Zukunft investieren. Ausgaben für Bildung, von der Kita über Schulen und Hochschulen bis hin zur Forschung müssen deutlich steigen – für mehr Personal und eine bessere Ausstattung. Nur so schaffen wir die Grundlage für den Wohlstand unserer Kinder und Enkel.

Wenn Sie 100.000 Euro verteilen dürften in Dresden. Was würden Sie damit tun?

Es gibt in Dresden viele tolle Angebote an Schulen, die den Erfindergeist von Schülerinnen und Schülern wecken, beispielsweise in Elektronik AGs, Coding Camps oder in Schülerlaboren. Die 100.000 Euro würde ich als Preisgeld für einen Wettbewerb der besten Angebote bereitstellen. Das Geld würde so nicht nur den Initiativen und Kindern nutzen, sondern auch einen kleinen Beitrag dafür leisten, dass Sachsen das Land der Ingenieure und Tüftler bleibt.

Corona hat viel verändert. Welches Problem ist Ihnen bewusst geworden und was wünschen Sie sich von Dresdner Bundestagsabgeordneten, um es lösen zu können?

Der Föderalismus in Deutschland ist ein Garant für politische Stabilität. Aber die Pandemie hat gezeigt, dass er auch ein Bremsklotz sein kann, beispielsweise wenn Bundesmittel aus dem Digitalpakt mehrere Jahre brauchen, bevor sie vor Ort in Dresden oder Hinterhermsdorf ausgegeben werden können.

Von unseren Bundestagsabgeordneten wünsche ich mir daher eine Initiative, um den Föderalismus in Deutschland neu zu denken. Dafür wünsche ich der Politik Mut und Durchhaltevermögen.

Bisher sind in der Serie erschienen:

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