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Dresden

Sommertheater am Haus der Presse

Auf einer neuen Open-Air-Bühne erzählen Puppen Geschichten, geben Musiker Konzerte und unterhalten Komiker. Dazu gibt es Biergartenflair und feine Küche.

Puppenspieler Grigorij Kästner-Kubsch als Pettersson und Findus zugleich - zu erleben auf der Sommerbühne am Haus der Presse.
Puppenspieler Grigorij Kästner-Kubsch als Pettersson und Findus zugleich - zu erleben auf der Sommerbühne am Haus der Presse. © Christian Juppe

Dresden. Das Eine hat er abgelehnt, das Andere gewollt - und in beidem vereint die perfekte Liaison gefunden. Als Grigorij Kästner-Kubsch begann, Puppenspiel zu studieren, hatte er sich schweren Herzens von der Hoffnung auf eine große Schauspielkarriere verabschiedet. "Die Aufnahmeprüfung in Berlin hatte ich zwar bestanden", erzählt er. Doch man habe ihn trotzdem nicht genommen. "Man sagte mir, meine Augen seien zu klein für die Bühne."

Nie wollte er mit Puppen spielen. Doch ein Bekannter legte es ihm nahe, als die einzige Möglichkeit, doch noch an der berühmten Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst zu studieren. Mehr jedoch, weil er sah, dass in dem jungen Grigorij sehr wohl ein leidenschaftlicher Puppenspieler steckt.

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Jahrzehnte später sagt der heute 64-Jährige: "Der Gedanke, jemals aufzuhören, ist fürchterlich!" Sein Beruf ist für ihn das schönste Hobby geworden - nicht immer leicht und kampflos, aber erfüllend und bis heute inspirierend für sich und die jungen und älteren Zuschauer, die sich nun wieder auf zahlreiche Vorstellungen freuen können.

Freilichttheater mit Einkehr

Am Haus der Presse ist ein Freilichtareal mit Bühne, Sitzmöglichkeiten und Gastronomie entstanden.
Am Haus der Presse ist ein Freilichtareal mit Bühne, Sitzmöglichkeiten und Gastronomie entstanden. © DDV Grafik

"Spätestens nach dem ersten Studienjahr habe ich eine Entdeckung gemacht", sagt Gigorij: "Puppenspiel und Schauspiel lässt sich großartig miteinander verbinden. Das ist für mich die perfekte Form." Zusammen mit seiner Frau Randi spielt er seit 40 Jahren Theater, schreibt Stücke, greift bekannte Texte auf, inszeniert sie selbst oder in Zusammenarbeit mit Regisseuren.

Den Gästen des neuen Augusto-Sommergartens am Haus der Presse wird er vorstellen, was es mit dieser perfekten Verbindung auf sich hat: Am Sonntag hat Grigorij Kästner-Kubsch zweimal das Stück "Pettersson und Findus" auf der Freilichtbühne an der Ostra-Allee 20 gespielt. Er selbst schlüpft dabei in die Rolle des Petterson, spielt und spricht ebenso die Puppe Findus. "Ich falle mir sozusagen selber ins Wort", scherzt Grigorij.

Dieses Stück gibt er also solo. In vielen anderen steht er mit seiner Frau auf der Bühne oder hinter der Puppenbühnenkulisse. Randi war zehn Jahre Kindergärtnerin von Beruf und spielte autodidaktisch Theater. "Ich hätte auch gern noch studiert, aber damals galt ich mit 28 Jahren als zu alt dafür", erzählt sie.

Radeberger Bier(theater) mit Sahne

Das Radeberger Biertheater ist am 25. und 26. Juni um 19.30 Uhr und am 27. Juni um 17.30 Uhr auf der Open-Air-Bühne an der Ostraallee 20 zu Gast. Tickets gibt's im Internet und im DDV-Lokal.
Das Radeberger Biertheater ist am 25. und 26. Juni um 19.30 Uhr und am 27. Juni um 17.30 Uhr auf der Open-Air-Bühne an der Ostraallee 20 zu Gast. Tickets gibt's im Internet und im DDV-Lokal. © PR

Aus heutiger Sicht betrachtet brauchte sie das auch nicht. Auf anderem Wege ist sie eine ebenso passionierte und kreative, neugierige und mutige Puppenspielerin geworden. Ein besonders innovatives Stück hat sie beispielsweise zusammen mit dem Berliner Regisseur Peter Waschinsky inszeniert: "Die Häschenschule", nach dem gleichnamigen Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1924.

"Ich spiele mit Figuren, die einfach nur aus Papier geschnitten, ein wenig bemalt sind und an Nähgarn hängen", erklärt die 66-Jährige. Schlichter kann eine "Puppe" nicht gemacht sein. Doch genau das fasziniert die Zuschauer, deren ganze Fantasie in die puristische Anmutung fließen kann. "Ich wusste bis zur Premiere nicht, ob das Publikum die Idee mitträgt oder ob das Stück ein Reinfall wird." Inzwischen braucht sie keine Zweifel mehr zu haben.

Doch auch nahezu historische Stücke können Kinder mit ihren Eltern und Großeltern im August Theater von Randi und Grigorij sehen. "Ich habe 1986 meinen Berufsausweis vor einer Kommission mit dem Stück Frau Holle erworben", sagt sie. Das ist nun 35 Jahre her, und sie spielt es immer noch. "Inzwischen kommen Eltern, die das Stück sahen, als sie noch klein waren, mit ihren eigenen Kindern." Sogar die Enkel der ersten Zuschauergeneration sitzen schon im Publikum.

Puppenspiel für Erwachsene

Randi und Grigorij Kästner-Kubsch bringen auch ein Puppenstück für Erwachsene mit in den Sommergarten: "Spanische Sommernacht mit Don Juan" am 6. August, 19.30 Uhr.
Randi und Grigorij Kästner-Kubsch bringen auch ein Puppenstück für Erwachsene mit in den Sommergarten: "Spanische Sommernacht mit Don Juan" am 6. August, 19.30 Uhr. © Christian Juppe

Dass die beiden Puppenspieler nun auf der neuen Sommerbühne am Haus der Presse ihre Kunst zeigen, freut sie aus zweierlei Gründen: Open-Air-Veranstaltungen sind derzeit noch die einzige Möglichkeit, überhaupt aufzutreten. Außerdem haben Randi und Grigorij seit etlichen Monaten große Sorgen um ihre eigene Spielstätte im Rathaus Pieschen.

Dorthin sind sie vor zehn Jahren gezogen. Damals lag eine lange Suche nach festen Räumlichkeiten für ihre August Theater hinter ihnen. Angefangen hatten sie einst als reisendes Miniensemble. Nach der Schauspielschule hatte Grigorij zwar zunächst im damaligen Karl-Marx-Stadt und später in Dresden feste Engagements an den jeweiligen städtischen Puppenbühnen gehabt. Doch der Wunsch nach Freiheit war größer. So machte er sich 1983 selbstständig.

Als alle Versuche, ein eigenes kleines Theater einzurichten, scheiterten, nahm das Paar das Angebot der Stadt Hagen in Nordrhein-Westfalen an, dort ein Puppentheater zu etablieren. Über 17 Jahre hinweg führten sie es mit Erfolg, so lange, bis die Kommune sich die nötigen Fördergelder nicht leisten konnten.

Eine kleine Lachmusik

Die Elblandphilharmonie kredenzt am 21. und 22. August, jeweils 18 Uhr, Mozart zum Kugeln und Wiener Schmäh mit Schlagobers.
Die Elblandphilharmonie kredenzt am 21. und 22. August, jeweils 18 Uhr, Mozart zum Kugeln und Wiener Schmäh mit Schlagobers. © PR

Nun ringen Randi und Grigorij wieder um ihre Bühne. Denn das alte Rathaus Pieschen, in dem auch das Ortsamt untergebracht ist, soll saniert und mehr Platz für die Behörde geschaffen werden. Noch läuft der Vertrag mit dem August Theater, sowohl die Stadtverwaltung als auch die Puppenspieler suchen nach Lösungen. Doch noch ist alles offen - in dieser ohnehin coronaschweren Zeit.

"Wir haben trotz allem nicht vor, uns zur Ruhe zu setzen und hoffen auf baldige Wiedereröffnung, spätestens, wenn die Bauarbeiten vorbei sind", sagt Grigorij. Bis dahin sind er und Randi mit Leidenschaft dabei, das Programm des Augusto-Sommergartens mitzugestalten. Das tun sie mit Stücken wie "Hase und Igel", "Peter und der Wolf" und dem Puppenstück für Erwachsene, "Eine Sommernacht mit Don Juan". Denn, auch das liegt ihnen am Herzen: "Puppentheater ist nicht nur für Kinder gedacht. Es ist Theater mit Puppen, die auch den Erwachsenen viel zu erzählen haben."

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Der Augusto Sommergarten öffnet täglich 11 Uhr mit einem gastronomischen Angebot zur Selbstbedienung mit gemütlichen Sitzmöglichkeiten unter Bäumen. Ab 16 Uhr können sich die Gäste vom Service der PAN GmbH mit gehobener Küche bedienen lassen. Um 19.30 Uhr beginnt das Bühnenprogramm mit Veranstaltungen verschiedener Theater, Musiker und Comedian. Weitere Informationen und Tickets gibt es im Internet. Karten sind auch im DDV-Lokal, Ostra-Allee 20, zu haben.

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