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Stadtfest-Chef Klaus-Dieter Lindeck ist tot

Weggefährten zeigen sich tief bestürzt über den plötzlichen Tod des 67-jährigen Dresdners, dessen Leidenschaft nicht nur das Organisieren großer Events war.

Klaus-Dieter Lindeck, hier mit seiner Harley Davidson, ist gestorben.
Klaus-Dieter Lindeck, hier mit seiner Harley Davidson, ist gestorben. © Robert Michael/dpa

Dresden. Der Dresdner Stadtfest-Geschäftsführer Klaus-Dieter Lindeck ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Das erfuhr die SZ am Dienstag aus seinem Umfeld.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) trauere, sagte er am Dienstag: "Ich kenne KDL, wie ich und viele andere ihn liebevoll genannt haben, schon seit Jahrzehnten und habe seine charmante Art immer sehr geschätzt. Klaus-Dieter Lindeck war in vieler Hinsicht eine herausragende Persönlichkeit. Mit ihm verliert Dresden einen großartigen, kreativen und engagierten Menschen." Die Landeshauptstadt Dresden verdanke Klaus-Dieter Lindeck zahlreiche Veranstaltungen wie "Dresden tanzt!", "Dresden-Sail" oder die "Dresdner Walzernacht". "Er war immer bereit, Neues auszuprobieren und ließ sich auch von Misserfolgen nicht entmutigen. In seiner Funktion als Geschäftsführer des ehemaligen Stadtfest-Vereins und später der Dresdner Stadtfest GmbH haben wir es Klaus-Dieter Lindeck über viele Jahre hinweg zu verdanken, dass das Dresdner Stadtfest für die Bürger Dresdens und die vielen auswärtigen Besucher zu dem Höhepunkt des Jahres wurde." Er habe das kulturelle Leben Dresdens maßgeblich bereichert.

Viola Klein: "Wir kannten uns gefühlte 100 Jahre"

Stadtfest-Mitorganisator Frank Schröder hat sich am Dienstag tief bestürzt gezeigt. „Wir sind geschockt von dieser unerwarteten Nachricht und bitten um Verständnis, dass wir zur Verarbeitung einige Zeit benötigen. Wir bedauern diesen Verlust zutiefst und sprechen seiner Familie aufrichtiges Mitgefühl aus.“ Schröder hatte die Dresdner Stadtfest GmbH 2011 zusammen mit Konzertveranstalter und Rockmusiker Bernd Aust gegründet und Klaus-Dieter Lindeck als Geschäftsführer ins Boot geholt. Das Trio verpasste dem Stadtfest, das jährlich eine halbe Million Besucher zählte, neuen Glanz - unter anderem mit Konzerten nationaler und internationaler Stars. Die Stadtfest-Facebook-Seite zeigte am Dienstag nur Schwarz. Die Dresdner Unternehmerin Viola Klein schrieb: "Wir kannten uns gefühlte 100 Jahre" und "Er war noch lange nicht dran."

Klaus-Dieter Lindeck, der vielen Dresdnern einfach als KDL bekannt gewesen ist, war mit der Tanzlehrerin Kerstin Lindeck verheiratet. Die Hochzeit fand im Sommer 2010 im Barockschloss Großsedlitz statt. Schon elf Jahre waren die beiden zu diesem Zeitpunkt ein Paar. „Wir haben uns beim Landespresseball kennengelernt“, sagte Lindeck damals. Als er eine Minute allein mit ihr war, habe er sie gefragt, was sie denn zum Frühstück trinken wolle. Kerstin, mit Familiennamen damals noch Nebl, entschied sich für Sekt – und für ihren Mann.

Lindeck liebte Motorräder schon als Jugendlicher

Beruflich war Lindeck ein Eventmanager und Unternehmensberater, privat ein leidenschaftlicher Harley Davidson-Fahrer. Er steuerte eine Road King und war im Dresden Chapter der sogenannte Road Captain, der die Ausfahrten anführte. Weggefährten beschreiben ihn als ein Unikat, das auf seiner Maschine stets Schuhe mit Eisenbeschlag trug. Ein Typ, der Harley gelebt hat. Im Hintergrund organisierte er die Harley Days mit, knüpfte Kontakte, die das Event mit Hunderten Motorrädern überhaupt erst möglich machten.

Im März 2020 war noch nicht klar, dass das Dresdner Stadtfest nicht stattfinden würde. Zu diesem Zeitpunkt plante Klaus-Dieter Lindeck (Mitte), jede Menge Oldtimer zum Stadtfest fahren zu lassen, auch diesen DeLorean aus dem Jahr 1981.
Im März 2020 war noch nicht klar, dass das Dresdner Stadtfest nicht stattfinden würde. Zu diesem Zeitpunkt plante Klaus-Dieter Lindeck (Mitte), jede Menge Oldtimer zum Stadtfest fahren zu lassen, auch diesen DeLorean aus dem Jahr 1981. © Sven Ellger (Archiv)

Schon als Jugendlicher habe er sich für Motorräder begeistert, erzählte Lindeck im vergangenen Sommer der SZ. Damals sollten die Maschinen noch laut und schnell sein. Heute liebe er es, gemächlich über Land zu tuckern.

Kein Verständnis konnte Lindeck über das geplante Fahrverbot für Biker an Wochenenden und Feiertagen aufbringen. „Ich selbst erschrecke, wenn in der Stadt ein Motorradfahrer mit 90 Sachen angerast kommt", sagte er im Juli 2020. "Und ich weiß auch, dass es Leute gibt, die so an ihren Maschinen herumschrauben, dass sie entschieden zu laut sind.“ Er sehe diese Fahrer als schwarze Schafe, die eine ganze Gemeinschaft in Misskredit bringen. Das rechtfertige aber nicht ein generelles Fahrverbot. Gegen die Pläne der Bundespolitik demonstrierte Lindeck daher im vergangenen Jahr mit - klar, auf seiner Maschine. Das Dresdner Chapter zeigte sich am Dienstag bestürzt über die Todesnachricht, teilte der Vorstand mit. Lindeck war viele Jahre Mitglied.

Wegbereiter für Privatradio in Dresden

Klaus-Dieter Lindeck studierte an der TU Dresden. Noch zu DDR-Zeiten stieg er freiberuflich ins Showbusiness ein. Nach der Wende war unter anderen geschäftsführender Gründungsgesellschafter der privaten Stadt-Radiokette, zu der auch Radio Dresden gehört. Er engagierte sich im Dresdner Presseclub, bereitete die 800-Jahr-Feier für Dresden vor und managte Galas und Bälle.

Aus Lindecks Umfeld ist von einem selbstbestimmten Tod die Rede. Demnach starb er bereits vergangene Woche. Die Dresdner Polizei bestätigte auf Anfrage, sie gehe von einem suizidalen Hintergrund aus. (SZ/sr/nl/kh/awe)

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über das Thema Suizid, außer es erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800 1110111 und 0800 1110222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

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