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Tabakschmuggel im Lockdown

Ein Mann hat sich laut Zoll Zigaretten aus Tschechien über die Grenze werfen lassen. Er bestreitet das und will das Bußgeld nicht zahlen.

Von Alexander Schneider
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Inspektoren vom Zollamt Pirna legten sich regelmäßig in der Nähe von Zinnwald auf die Lauer, um Leute zu erwischen, die sich an der grünen Grenze illegal mit Zigaretten eindeckten.
Inspektoren vom Zollamt Pirna legten sich regelmäßig in der Nähe von Zinnwald auf die Lauer, um Leute zu erwischen, die sich an der grünen Grenze illegal mit Zigaretten eindeckten. © Symbolfoto/Monika Skolimowska/dpa

Dresden. Die einen bestellen am Telefon, andere über soziale Medien, manche lassen sich die heiße Ware auch von der Post nach Hause liefern, andere Fahren selbst bis zur Bundesgrenze, um sich ihre Droge vom freundlichen Händler hinüberwerfen zu lassen. Trotz lockdownbedingt geschlossener Grenzen zu Tschechien hatten Raucher in diesem Fall einiges an Fantasie aufgebracht, um weiter an günstige Zigaretten zu kommen.

Tagesausflüge ins Nachbarland waren zwischenzeitlich tabu. Auch um Zinnwald herum nahm der suchtbedingte illegale Grenztourismus im Winterhalbjahr massiv zu. Zur Freude der Zöllner, die sich in diesen Tagen eine neue Einnahmequelle erschlossen. Inspektoren vom Zollamt Pirna legten sich regelmäßig in der Nähe von Zinnwald auf die Lauer, um Leute zu erwischen, die sich an der grünen Grenze illegal mit Zigaretten eindeckten. Die Fantasie ist nicht mit den Süchtigen, sondern den Tüchtigen.

Am 4. März 2021 war die grüne Erzgebirgsgrenze eine weiße, als auch ein 54-jähriger Pirnaer dort durch den tiefen Schnee stapfte. Ein Zoll-Anwärter hat den Mann gleich als potenziellen Schmuggler erkannt, denn er hatte keine Langlaufskier an. Aus der Ferne beobachtete der angehende Steuerfahnder, wie der Spaziergänger an dem Grenzwall zu Tschechien sein Handy bediente, nach wenigen Minuten plötzlich auf tschechischer Seite eine Person erschien und dem 54-Jährigen eine Tüte hinüberwarf. Die spätere Kontrolle auf einem Parkplatz ergab, dass es sich bei dem Inhalt der verdächtigen Tüte um drei Stangen „West“ gehandelt haben soll. Es folgte ein Bußgeld über 75 Euro, eine Bearbeitungsgebühr von weiteren knapp 30 Euro und eine Steuerforderung von 90 Euro für den Verstoß gegen das Tabaksteuergesetz.

Was war in der Tüte?

Doch der Raucher akzeptierte das Bußgeld nicht. Am Dienstag fand nun sein Prozess am Amtsgericht Dresden statt. Dort behauptete der Angeschuldigte zunächst, in der Tüte habe sich „etwas anderes“ befunden. Was, das wolle er nicht sagen, jedenfalls keine Drogen oder Waffen. Er sei nach der Grenzübergabe noch in einem Ferienhaus gewesen, habe dort die Zigaretten und ein Werkzeug für einen Bekannten geholt, ehe er an dem Parkplatz in sein Auto stieg und die Heimfahrt angetreten habe.

Der Richter hatte ganz offensichtlich Probleme, die vielen Zufälle ernst zu nehmen, von denen der gelernte Koch ihm berichtete. Die Zigaretten habe er vor dem Lockdown in Tschechien gekauft und dann auf der Heimfahrt bei einem Bekannten vergessen. Sogar eine Quittung habe sich noch in der Tüte befunden, sagte er. Bei der zunächst geheimnisvollen Übergabe habe es sich um einen neuwertigen Kopfhörer gehandelt, behauptete der 54-Jährige nach etwa einer Stunde. Auch das schien ihm der Richter nicht abnehmen zu wollen.

Trotz mehrfacher Nachfragen blieb der 54-Jährige bei seiner Version. Weil ein Kontrollbeamter nicht als Zeuge erschienen war, muss der Knöllchen-Prozess fortgesetzt werden. Die Sache könnte für den Raucher noch teuer werden.