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Dresden ist wieder Tatort

Das Team Gorniak, Winkler und Schnabel ist diesen Monat im Stadtgebiet unterwegs, um den nächsten Fall zu erzählen. Dabei geht es dem Chef an den Kragen.

Sie kommen wieder: das Dresdner Tatort-Team Cornelia Gröschel, Martin Brambach und Karin Gorniak (v.l.) suchen als Kommissare 150 verschwundene Kinder.
Sie kommen wieder: das Dresdner Tatort-Team Cornelia Gröschel, Martin Brambach und Karin Gorniak (v.l.) suchen als Kommissare 150 verschwundene Kinder. © Sven Ellger

Dresden. Eine Wolke Haarspray soll es richten. Vorsichtig zupft die Maskenbildnerin Martin Brambachs lichtes Haar über der hohen Stirn zurecht. Seine Schauspielkolleginnen Cornelia Gröschel und Karin Hanczewski halten ganz still, während die Puderquaste über Stirn und Wangen huscht. Es geht wieder los: Dresden ist Tatort.

Die Dreharbeiten zur neuen ARD-Krimifolge haben begonnen. In der Elbestadt wird eine Boulevard-Journalistin entführt. In einer Video-Botschaft an die Polizei behaupten die Täter, 150 in Sachsen entführte Kinder würden in einem Keller gefangen gehalten. Wird das Versteck nicht gefunden und die Kindergruppe gerettet, soll die Geisel sterben.

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Immer wieder hat der "Tatort" aus Dresden gesellschaftskritische Themen aufgegriffen. Zur Handlung des neuen Fernsehfilms mit dem Arbeitstitel "Katz und Maus" soll noch nicht allzu viel verraten sein. "Nur dies: Das Thema Verschwörungstheorien, wie sie zurzeit kursieren, wird eine Rolle spielen", sagt Martin Brambach.

"Ich denke, die Mischung macht's"

Auch wenn's eigentlich keiner mehr hören mag - damit liegt das Thema Corona doch nahe. Der Umgang damit am Set habe sich längst eingespielt. "Wir werden regelmäßig getestet und tragen Masken, wenn wir nicht vor der Kamera stehen", sagt Cornelia Gröschel, die die Kommissarin Leonie Winkler spielt. Genervt ist sie davon nicht, das sei inzwischen schon die vierte Corona-Produktion, alle haben sich daran gewöhnt. "Ich bin geimpft, werde trotzdem getestet und halte das auch für sinnvoll", pflichtet Martin Brambach alias Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel bei.

Im Film werden keine Masken zu sehen sein. Wenn ihr Anblick nun auch schon seit eineinhalb Jahren allen geläufig ist, für die Handlung sind sie nicht relevant. "Das will doch bestimmt auch niemand sehen", meint Karin Hanczewski. Wie schade wäre es auch um die Mimik der Schauspieler.

Die haben sich, seit Alwara Höfels als Kommissarin Sieland das Team verlassen hat und die gebürtige Dresdnerin Cornelia Gröschel dazu kam, zu einem Gespann entwickelt, das schon allerlei Karren aus dem kriminellen Sumpf gezogen hat und dafür vom Publikum geliebt wird. Nur wenige Teams sind lieber gesehen. "Der Grund dafür steht neben mir", sagt Martin Brambach, ganz Charmeur, und weist auf seine Kolleginnen. "Ich denke, die Mischung macht's", sagt Cornelia Gröschel - und meint sowohl die Charaktere als auch die Unterschiedlichkeit der Dresdner Tatorte.

Schnabel in der Bredouille

Sicher sind sich die beiden Frauen jedoch, dass durchaus ihr Film-Chef Schnabel mit seiner Kauzigkeit eine große Aktie am Erfolg hat. Schon in der jüngsten Folge, die noch auf Ausstrahlung wartet, ist der Filmcharakter mehr denn je aus der Deckung gekommen. Im neuen Fall rückt Schnabel in den Fokus der Handlung und die Zuschauer haben tatsächlich um den nächsten Lieblingskommissar zu fürchten.

Ganz so wie Hauptkommissar Lessing aus Weimar, der in der vorerst letzten Folge zu Tode kam, werde es Schnabel jedoch nicht ergehen, verspricht Brambach. An den Kragen geht es ihm dennoch. Denn die angeblich eingesperrten Kinder kann die Polizei nicht finden, und der Entführer der Journalistin macht seine Drohung war. Kurz darauf taucht er bei Schnabel auf. Ein dramatischer Kampf um Leben, Tod und die Wahrheit beginnt.

Dieser führt das Drehteam kreuz und quer durch die Stadt. Zwar wohnen die Schauspieler während der Drehtage in einem Radebeuler Hotel, gearbeitet wird jedoch überwiegend im Dresdner Stadtgebiet. "Wir wissen nicht, wie der Film am Ende geschnitten wird, doch ich denke, die Dresdner Zuschauer werden viel wiedererkennen", ist Cornelia Gröschel zuversichtlich.

Drehpausen mit Border Collie Pola

Sie selbst freut sich, einmal wieder mehr Zeit in ihrer alten Heimat, in der noch immer ein großer Teil ihrer Familie lebt, verbringen zu können. "Ich lerne meine Stadt immer wieder neu kennen, weil mich die Arbeit an Orte führt, die mir bisher nicht so vertraut waren", sagt die 33-Jährige. Auch Karin Hanczewski mag es sehr, in Dresden zu drehen. "Mich beeindrucken immer wieder die extrem breiten Wiesen entlang des Elbufers. Das ist wunderschön", sagt sie.

Und nützlich. Denn die Schauspielerin hat auch bei diesem Dreh ihre Border-Collie-Hündin Pola dabei, mit der sie in den Pausen herrlich am Fluss Gassi gehen kann. Für Kollegin Gröschel ist das nicht so leicht. "Ich besuche meine Pferde zwar regelmäßig, aber ich reite nicht", sagt sie. Das ist vertraglich vereinbart. Um die Produktion nicht zu gefährden, müssen die Künstler auf Freizeitaktivitäten verzichten, bei denen sie sich verletzen könnten.

Sendetermin für 2022 geplant

Als Kommissarinnen im Film können sie keine so großen Rücksichten auf sich und den Arbeitgeber nehmen. Da ist ganzer Körpereinsatz gefragt, und auch die Seele leidet oft mit. Themen, die die Menschen bewegen und ihre Gemeinschaft auf harte Proben stellen, gehören zum Tatort dazu. Um Glaube und Wirklichkeit, Schuldzuweisung und Verantwortung wird es nun in "Katz und Maus" gehen.

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Noch viele weitere Themen brennen dem Dresdner Team für künftige Drehbücher auf den Nägeln. "Da fällt mir einiges ein", sagt Martin Brambach, "Klimaschutz zum Beispiel. Aber ich fände es auch gut, wenn das Gendern bei uns mal zum Thema gemacht würde. Schließlich sorgt das für viel Diskussion." Um Korruption und mafiöse Strukturen ist es schon häufig gegangen. "Aus meiner Sicht wäre häusliche Gewalt ein Thema, das allgegenwärtig ist und auf jeden Fall einmal aufgegriffen werden sollte", sagt Karin Hanczewski. Für das Dresdner Team bleibt der Tatort auch künftig mehr als ein spannender Kriminalfall.

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