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Tausende Dresdner haben Schulden

In der Pandemie ist die Zahl der Menschen mit Geldsorgen gestiegen. Mehr Jüngere suchen derzeit die Beratungsstellen auf. Wo gibt es Hilfe?

Viele Dresdner haben Schulden. Aber wie wird man sie wieder los?
Viele Dresdner haben Schulden. Aber wie wird man sie wieder los? © Symbolfoto: dpa

Dresden. Geschlossene Läden, Restaurants und Fitnessstudios: Viele Dresdner sind in der Pandemie arbeitslos geworden oder landeten in der Kurzarbeit. Miete und Lebensmittel mussten trotzdem weiter gezahlt werden. Die Folge: Schulden. Wie viele Dresdner sind betroffen und welcher Ausweg bleibt in einer Situation, mit der Verschuldete selbst kaum noch umgehen können?

Wie hat sich seit Ausbruch der Pandemie die Zahl überschuldeter Haushalte entwickelt?

Die Stadt kann das nur anhand der Menschen zählen, die sich bei der Schuldnerberatung melden. Im Jahr 2020 wurden von den Schuldnerberatungsstellen insgesamt 4.046 Fälle registriert, darunter waren 2.925 Neuzugänge. Das antwortet Oberbürgermeister Dirk Hilbert auf eine Anfrage von Linken-Stadträtin Pia Barkow.

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Zum Vergleich: Im Jahr 2019 hatten es die Schuldnerberatungsstellen mit insgesamt 3.970 Fällen zu tun, darunter 3.005 Neuzugängen. Die Anzahl der registrierten Fälle im Jahr 2020 stieg damit, gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent. Für den Zeitraum ab März 2020 lassen sich keine Zahlen abbilden, da die statistische Erfassung über den gesamten Jahreszeitraum erfolgt, so die Stadt. Die Zahl aller Fälle sei somit um etwa zwei Prozent gestiegen.

Wie alt sind die Schuldner im Schnitt?

Bei der Altersstruktur lässt sich erkennen, dass die Schuldnerberatung im Jahr 2020 vermehrt von jüngeren Altersgruppen in Anspruch genommen wurde. Die Zahl der Rentner, die eine Beratung wollten, ist gegenüber dem Vergleichsjahr 2019 um 17 Prozent gesunken.

Wie oft haben die Dresdner im bundesweiten Vergleich Schulden?

Dem Schuldenatlas des Unternehmens Creditreform zufolge ist die Überschuldung in Deutschland im Pandemiejahr 2020 sogar leicht zurückgegangen. Lag sie 2019 noch bei zehn Prozent, lag sie 2020 bei 9,87 Prozent. Damit sind in Deutschland 6,85 Millionen Bürger überschuldet, rund 69.000 weniger als im Vorjahr.

In Dresden liegt der Anteil der Menschen in den Miesen bei 9,25 Prozent, also leicht unter dem deutschlandweiten Schnitt, wie aus den Zahlen von Creditreform hervorgeht. Das sind 41.625 Menschen, die Rückstände nicht mehr selbst begleichen konnten und können. Im Vergleich zu 2019 sind diese Zahlen relativ konstant geblieben. Rund 400 Personen konnten sich demnach aus der Schuldenfalle befreien, ein Rückgang um 0,2 Prozent.

Wo bekommen die Dresdner Hilfe?

In der Stadt gibt es mehrere Schuldnerberatungen. Unter anderem bei der gemeinnützigen Gesellschaft Striesen Pentacon. Dort gibt es eine kostenlose Beratung zum Thema Finanzen. Themen sind unter anderem die Erstellung eines Haushaltsplans oder der Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen. Auch die Mahnungen können geprüft werden.

Unterstützung bekommen die überschuldeten Dresdner auch, wenn sie den Überblick über die Zahl der Gläubiger und Forderungen verloren haben oder bei der Vorbereitung eines Insolvenzverfahrens. Als anerkannte Beratungsstelle können die Dresdner hier auch ein Pfändungsschutzkonto bekommen, also eines für den eigenen Lebensunterhalt. Als anerkannte, vom Freistaat Sachsen geförderte Stelle der Verbraucherinsolvenzberatung, können Schuldner hier die für den Privatinsolvenzantrag nötige Bescheinigung über das Ergebnis des außergerichtlichen Einigungsversuchs bekommen. Auch die Caritas und das Bistum Meißen bieten Beratung an.

Alle Schuldnerberatungsstellen in Dresden finden Sie hier.

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