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Zoo Dresden: Peta will Orang-Utan-Haltung stoppen

Der Dresdner Zoo plant ein neues Quartier für die Menschenaffen. Der Tierschutzorganisation Peta reicht dies nicht aus.

"Steuerfinanziertes Tierleid"? Orang-Utan im besucherfreien Zoo während des Corona-Lokdowns.
"Steuerfinanziertes Tierleid"? Orang-Utan im besucherfreien Zoo während des Corona-Lokdowns. © René Meinig

Dresden. Ungeachtet der Pläne für ein neues Orang-Utan-Haus fordert die Tierschutzorganisation Peta vom Dresdner Zoo, ganz auf die Orang-Utan-Haltung zu verzichten. Die sei "steuerfinanziertes Tierleid" heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung.

Der Dresdner Zoo plant im Sommer den Bau eines neuen Orang-Utan-Hauses, der die Stadt etwa 17 Millionen Euro kosten soll. Derzeit sind die beiden Orang-Utan-Sozialgruppen in jeweils nur 50 Quadratmeter kleinen und etwa drei Meter niedrigen Innengehegen untergebracht. Diese unterschritten die Vorgaben des Säugetiergutachtens eklatant, so Peta.

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Gedenken der Toten der Corona-Pandemie
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Oberbürgermeister Dirk Hilbert wendet sich im Namen Dresdens an die Angehörigen der Verstorbenen – Urnenhain Tolkewitz als öffentlicher Ort für die Trauer.

Die Tierschützer appellieren nun in einem Schreiben an Oberbürgermeister Dirk Hilbert und die Mitglieder des Dresdner Stadtrats, dem Bauprojekt eine Absage zu erteilen. Die bereitstehenden Gelder für das Bauprojekt sollten sie in nachhaltige Artenschutzprojekte in Afrika und Südostasien investieren.

Durch die geplante Zucht weiterer Tiere würde das Leid der Tiere in Gefangenschaft nur weiter angekurbelt. "Zudem würde die Stadt mit dem Bau eines neuen Orang-Utan-Hauses Millionen Euro verschleudern", so die Biologin Yvonne Würz, Petas Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. "Das Nein zum Neubau – verbunden mit der schnellstmöglichen Abgabe der Tiere – ist die einzige Lösung, die sowohl tierfreundlich als auch wirtschaftlich akzeptabel ist."

Peta: Kein artgerechter Raum in Zoos

Das geplante Bauvorhaben, über das am 12. Mai im Stadtrat entschieden werden soll, würde die Stadt laut Peta nicht nur finanziell stärker belasten als ursprünglich veranschlagt, sondern auch effektive Artenschutzbestrebungen untergraben.

Die Tierrechtsorganisation hatte bereits im September 2018 an den Finanzausschuss appelliert, von einer Förderung der Orang-Utan-Haltung abzusehen.

Die Ansprüche von Menschenaffen seien so komplex, dass ihnen kein Zoo einen artgerechten Lebensraum bieten könne. Studien zufolge litten die Tiere in Zoos häufig unter schweren Verhaltensstörungen – auch in akkreditierten und vergleichsweise großen zoologischen Einrichtungen.

Peta bezieht sich zudem auf eine selbst in Auftrag gegebene INSA-Meinungsumfrage vom April 2020. Ihr zufolge befürworteten 41 Prozent der Befragten ein Ende der Zucht und Haltung von Menschenaffen in deutschen Zoos.

Große Pläne für neue Orang-Utan-Heimat

Durch das neue Außengehege werden die Besucher über einen Dschungelpfad geführt. Links sind die Orang-Utans untergebracht, auf der rechten Seite beziehen Glattotter die neue Anlage. © Visualisierung: Heinle, Wischer und Partner
Durch das neue Außengehege werden die Besucher über einen Dschungelpfad geführt. Links sind die Orang-Utans untergebracht, auf der rechten Seite beziehen Glattotter die neue Anlage. © Visualisierung: Heinle, Wischer und Partner © Visualisierung: Heinle, Wischer und Partner

Im Zoo ist man sich des Handlungsbedarfs bewusst. Zoodirektor Karl-Heinz Ukena hatte bereits im Dezember bestätigt, dass gegen ihn mehrere Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingegangen seien.

Die neue Anlage soll nun die beste Europas werden. "Sie wird dem Regenwald nachempfunden, der die natürliche Heimat der Orang-Utans ist", so der Zoologische Leiter Wolfgang Ludwig. "Neben viel Grün und einem feuchtwarmen Klima haben die Tiere dann deutlich mehr Raum, um zu klettern und bei Bedarf auf Distanz zueinander zu gehen."

Außerdem sollen neue "Bewohner" untergebracht werden können – unter anderem, weil weltweit ein Mangel an Platz für heranwachsende Männchen bestehe. "Im Sinne von Artenschutz und -erhaltung müssen wir nicht nur unsere eigene, sondern die Gesamtsituation im Blick haben." (SZ)

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