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Toter in Dresdner Kiessee: Freunde helfen der Familie

Familie und Freunde sind über den tragischen Tod des 19-Jährigen geschockt. Seine Mutter berichtet, wie wichtig die Unterstützung für einen Ort der Trauer ist.

Am Kiessee in Dresden-Zschieren haben Freunde des ertrunkenen jungen Mannes ein Holzkreuz, Blumen und Kerzen aufgestellt.
Am Kiessee in Dresden-Zschieren haben Freunde des ertrunkenen jungen Mannes ein Holzkreuz, Blumen und Kerzen aufgestellt. © Daniel Förster

Dresden. Am vergangenen Samstag ist im nördlichen Kiessee Dresden-Zschieren ein 19-jähriger Dresdner ertrunken. Der junge Mann aus Prohlis ist gegen 12 Uhr ins Wasser gestiegen, tauchte aber nicht wieder auf. Freunde alarmierten die Rettungsleitstelle. Kurz nach 17 Uhr zogen Taucher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) seinen Leichnam aus dem See.

Kurz darauf bestätigte sich: Bei dem gefundenen Toten handelte es sich um den Vermissten 19-Jährigen. Sein lebloser Körper sei aus 2,50 Metern Tiefe und fünf Metern Entfernung vom Ufer geborgen worden.

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Der Zschierener Kiessee ist wie der Kiessee in Leuben ein ehemaliger Tagebau, der mit Wasser geflutet wurde. Trotz mehrerer Verbotsschilder, die das Baden im See untersagen, tummeln sich an heißen Tagen viele Menschen an den Ufern und im Wasser. Jährlich ertrinken zwei bis drei Menschen allein im Leubener Kiessee. Weil das Baden verboten ist, gibt es an solchen Bergbaugewässern keine Rettungsschwimmer, die im Notfall helfen können. Warum der 19-Jährige starb, wird derzeit noch ermittelt.

Freunde des jungen Prohlisers wollen nun der Familie mit einer Spendenaktion helfen. Über eine Online-Plattform rufen sie dazu auf, Geld für die Beerdigung von Lukas zu spenden. Am Freitagmittag ist bereits eine Summe von mehr als 1.000 Euro, gespendet von 43 Unterstützern, zusammengekommen.

Der Schock für Familie und Freunde sei angesichts des tragischen Todes von Lukas sehr groß gewesen, aus unerklärlichen Gründen habe er wohl beim Abtauchen das Bewusstsein verloren, schreiben die Kumpels. "Die Familie ist nun auf jede Hilfe angewiesen, daher wollen wir, die Freunde von Lukas, für die Familie Spenden sammeln und sie für den letzten Weg von Lukas unterstützen."

Auch vor Ort am Ufer des Zschierener Kiessees setzten Freunde ein Zeichen ihrer Trauer und haben eine kleine Gedenkstätte eingerichtet. Mit einem kleinen Holzkreuz, Kerzen, Blumen und Zeichnungen erinnern sie an ihren verstorbenen Freund.

"Sein Tod hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen"

Damit Freunde und Familie auch weiterhin einen Ort haben, an dem sie um Lukas trauern können, hat sich seine Mutter Sabine Fiedler um eine Grabstelle auf dem Leubener Friedhof bemüht. "Wir hatten großes Glück, dass wir eine bekommen haben", berichtet die Dresdnerin mit tränenerstickter Stimme. Der plötzliche Tod ihres Sohnes habe ihr und der ganzen Familie den Boden unter den Füßen weggezogen. Lukas hat drei ältere Geschwister, die längst erwachsen sind und eigene Familien haben.

Mutter Sabine Fiedler findet Trost bei ihrem Lebenspartner, und auch bei den vielen Freunden ihres Sohnes. "Mir war gar nicht klar, dass er einen so großen Freundeskreis hat." Immer wieder kämen Nachrichten oder Anrufe, ob sie Hilfe brauche. "Ich bin total überwältig", sagt Sabine Fiedler.

Vor einem Jahr ist Lukas bei ihr daheim ausgezogen, in seine erste eigene Wohnung. Als Malerlehrling stand er kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung. "Er hat mir von Kreislaufproblemen berichtet und ich sagte ihm, er soll zum Arzt gehen", erzählt die Mutter. Das hat Lukas auch getan, war krankgeschrieben und mittlerweile schon wieder arbeiten.

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Über die Spendenaktion seiner Kumpels ist Sabine Fiedler überrascht, das habe sie nicht erwartet. Sie betont zugleich aber immer wieder, dass sie nicht als Bettlerin gesehen werden will. Die Beerdigungskosten von 3.300 Euro sowie weitere rund 1.000 Euro für die Grabstelle und deren Pflege hätte sie nicht aufbringen können, räumt sie ein. "Ohne Hilfe wäre das so nicht möglich gewesen." Und die Mutter ergänzt: "Ich möchte auch den Rettungskräften und den Notseelsorgern danken, die an diesem schlimmen Tag an unserer Seite waren."

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