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Dresdner Totschlagsprozess: 37-Jährige erwürgt

Tod einer Altenpflegerin aus Freital: Nach zwei Monaten werden im Prozess gegen Roberto M. am Freitag die Plädoyers erwartet. Was bisher bekannt ist.

Roberto M. schweigt seit Beginn in seinem Prozess am Landgericht Dresden. Er soll seine Partnerin, eine 37-jährige Altenpflegerin aus Freital, erwürgt haben.
Roberto M. schweigt seit Beginn in seinem Prozess am Landgericht Dresden. Er soll seine Partnerin, eine 37-jährige Altenpflegerin aus Freital, erwürgt haben. © Sven Ellger

Dresden. Der Prozess um den Tod einer 37-jährigen Altenpflegerin aus Freital steht vor dem letzten Akt. Die Frau, Anne W., wurde nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Ende Januar 2020 in ihrer Wohnung getötet – von ihrem 39-jährigen Lebensgefährten Roberto M. Der steht bereits seit Ende November wegen Totschlags vor dem Landgericht Dresden. Am Montag waren in dem Prozess vor der Schwurgerichtskammer die Plädoyers geplant, doch das Gericht vertagte die Verhandlung überraschend.

Erst vergangene Woche berichtete ein Rechtsmediziner in seinem Gutachten, dass die 37-Jährige erdrosselt worden sein muss. Der Todeszeitpunkt habe sich rund vier Wochen nach der Tat nicht mehr bestimmen lassen. Neben der Gewalt gegen den Hals diagnostizierte der Gerichtsmediziner auch einen Tritt gegen den Kopf der Frau, der ebenfalls tödliche Verletzungen verursacht haben könnte.

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Es ist ein aufsehenerregender Fall. Zunächst war lediglich bekannt, dass M. nach dem gewaltsamen Tod der Frau etwa vier Wochen in ihrer Wohnung gelebt hatte – gemeinsam mit der Leiche. Ende Februar war einer Nachbarin aufgefallen, dass M. mit einem Bekannten von einer Leiche gesprochen habe. Die Zeugin wusste von Anne W.s Familie, dass es von der Frau länger kein Lebenszeichen gegeben hatte. Noch am selben Tag, Sonntag, der 23. Februar, stürmte die Polizei die Wohnung und fand die teilweise mumifizierte Leiche. Seitdem sitzt M. in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte schweigt bislang

M. hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das Gericht hat eine ganze Reihe von Angehörigen, Freunden und Nachbarn als Zeugen vernommen. So wurde bekannt, dass Anne W. offenbar immer wieder Opfer gewalttätiger Übergriffe ihres Partners geworden war. Nachbarn hatten im letzten halben Jahr regelmäßig die Polizei alarmiert, weil Schreie aus der Wohnung zu hören waren und weil Porzellan flog.

Allerdings waren die Beamten offenbar nicht in der Lage, gegen M. vorzugehen, weil Anne W. ihn nie angezeigt hatte. Selbst Anfang Januar, als die Polizei M. davon abgehalten hatte, weiter auf die Frau einzuschlagen und sie mit erheblichen Verletzungen in eine Klinik gebracht worden war, wo sie mehrere Tage behandelt wurde, hatte sie ihren Strafantrag zurückgezogen und gesagt, sie seien verlobt.

Mehrfach vorbestraft und als gewalttätig bekannt

Offenbar hatte Anne W. Angst, den Mann zu belasten. Er soll ihr angeblich auch gedroht haben. Beide waren schwer alkoholkrank. Warum Staatsanwalt und Justiz nicht aus öffentlichem Interesse M. verhaftet hatten - immerhin war M. in jener Nacht auch auf Krankenhausmitarbeiter und Polizisten losgegangen - das bleibt deren Geheimnis.

M. ist mehrfach vorbestraft und war bereits als gewalttätig bekannt. Ein Bewährungshelfer hatte ausgesagt, dass er schon im Jahr 2019 das Unheil habe kommen sehen. Aber er habe den Angeklagten nicht mehr erreicht.

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Nach dem Gutachten eines Gerichtspsychiaters sei M. schuldfähig. Er sei jedoch vermindert steuerungsfähig gewesen. Am Freitag will die Kammer die Beweisaufnahme schließen. Dann werden wohl auch die Plädoyers gehalten.

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