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Der Tourismus in Dresden und dem Elbland erholt sich

Die Lockdowns ließen die Übernachtungszahlen enorm einbrechen, nun nimmt die Branche wieder an Fahrt auf und kann sogar einen Rekord verzeichnen.

Seit dem Juni sind sie zurück und werden immer zahlreicher: Touristen in Dresden. Auch im Elbland verzeichnen Veranstaltungen wie die Hengstparade wieder mehr Gäste.
Seit dem Juni sind sie zurück und werden immer zahlreicher: Touristen in Dresden. Auch im Elbland verzeichnen Veranstaltungen wie die Hengstparade wieder mehr Gäste. © Robert Michael/dpa (Symbolbild)

Dresden. Die allermeisten Betten blieben leer, die Küchen kalt: Der zweite Corona-Lockdown hat die Hotels und anderen Beherbergungsstätten in Dresden und dem Elbland erneut über Monate in einen Dornröschenschlaf versetzt. Mit der Öffnung der Hotels im Juni stieg die Hoffnung auf einen erfolgreichen Neustart. Wurde diese erfüllt? Und kann das Geschäft der vergangenen Monate die Verluste während des Lockdowns kompensieren? Was hilft dem Tourismus nun? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie geht es dem Tourismus in Dresden und dem Elbland?

Auch im zweiten von der Corona-Pandemie geprägten Jahr musste der Tourismus in Dresden und dem Elbland enorme Rückgänge verzeichnen, wie die Bilanz für die ersten sieben Monate des Jahres 2021 zeigt. In nackten Zahlen heißt das: Von Januar bis Juli wurden 1,06 Millionen Übernachtungen registriert, was einem Minus von 40,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht, und rund 398.000 Ankünfte, ein Minus von 47,6 Prozent.

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Ein Lockdown sei gleichzusetzen mit dem nahezu kompletten Einbruch des Reisegeschäftes, erklärt Dresdens Kultur- und Tourismus-Bürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke), "besonders bei einer durch den Privatreiseverkehr geprägten Destination wie Dresden-Elbland". Dennoch zieht Klepsch auch ein positives Fazit, nämlich was den Erfolg der Restart-Kampagne angeht, mit der wieder mehr Urlauber in die Region gelockt werden sollten. "Dass es uns gelungen ist, bereits wenige Wochen nach der Öffnung wieder an das Niveau des Vorjahres heranzukommen, spricht für den Erfolg dieser Kampagne und der vielen weiteren Projekte und Maßnahmen aller Tourismusakteure", so Klepsch. Besonders gut angekommen bei den Besuchern, aber auch den Einheimischen, sei das mehrmonatige Projekt "Dresden Open Air – Kultursommer 2021".

Wurde die Hoffnung in das Sommergeschäft erfüllt?

Erst Anfang Juni durften Hotels coronabedingt wieder für Touristen öffnen, die Hoffnungen in das Sommergeschäft waren entsprechend groß. Tatsächlich habe die Reisedestination Dresden-Elbland nach dem ersten Lockdown im Sommer 2020 vergleichsweise schnell wieder eine große Nachfrage aufbauen können.

"Während der Juni 2021 in den Übernachtungen noch 21,5 Prozent unter dem Vorjahr lag, konnten wir im Juli in Dresden-Elbland bereits wieder rund 450.000 Übernachtungen registrieren, was einem Minus von 3,0 Prozent im Vergleich zum Juli 2020 entspricht", sagt Corinne Miseer, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH (DMG). Dies zeige, dass Dresden-Elbland als attraktives Kultur-, Genuss- und Aktivreiseziel etabliert werden konnte und die Angebote vor Ort gut ankämen.

"Allerdings sind rund 700.000 weniger Übernachtungen in den ersten sieben Monaten des Jahres erheblich und bedeuten für die Branche enorme Belastungen, die kaum ein Akteur mit eigenen finanziellen Ressourcen abfedern kann." Die DMG unterstütze deshalb "mit allen Kräften". Ein positives Zeichen: Die Beherbergungsbetriebe in Dresden konnten im Juli mit 53,2 Prozent die beste Zimmerauslastung aller deutschen Großstädte verzeichnen.

Woher kamen 2021 die meisten Besucher?

Ohnehin werden Dresden und das Elbland besonders gerne von deutschen Touristen besucht, deren Anteil hat sich während der Corona-Krise aber noch gesteigert: Im Zeitraum Januar bis Juli lag er bei 87,9 Prozent. Sebastian Klink, Chef des Hotels Bilderberg-Bellevue und stellvertretender Tourismusverband-Vorsitzender, kann das bestätigen: "2019 etwa kamen so 80 Prozent unserer Gäste aus Deutschland, in diesem Jahr waren es 95 Prozent."

Einige der Top-Auslandsmärkte wie die USA und Russland sind dagegen durch Reiseeinschränkungen fast komplett weggebrochen. Außerdem habe auch die Tourismusregion am Trend vom Urlaub im eigenen Land teilgenommen und die DMG sich in ihrer Restart-Kampagne deshalb hauptsächlich auf Deutschland konzentriert.

Top-Auslandsmärkte, gemessen an der Zahl der Übernachtungen, waren im Zeitraum Januar bis Juli 2021 Polen, gefolgt von Tschechien, den Niederlanden und Österreich.

Wie wird dem Tourismus jetzt geholfen?

Der Tourismus finanziert 20.000 Vollzeitarbeitsplätze in Dresden und ist mit einem Einkommensanteil von 5,3 Prozent der zweitgrößte Arbeitgeber. Bürgermeisterin Klepsch verspricht deshalb, "den für die Wirtschaft hier am Standort, ja die Lebensqualität insgesamt so wichtigen Tourismus langfristig befördern" zu wollen. Im ersten Quartal 2022 werde dem Stadtrat erstmals eine eigene Tourismusstrategie zur Entscheidung vorgelegt und wenig später eine Nachhaltigkeitsstrategie für die Stadt, die eng miteinander verzahnt werden sollen. "Zudem binden wir die Akteure in den gesamten Strategieprozess mit ein", sagt Klepsch.

"Die Landeshauptstadt Dresden war uns gegenüber in der Corona-Krise bislang sehr offen und gesprächsbereit und hat uns im Rahmen ihrer Möglichkeit bestens unterstützt", lobt Johannes Lohmeyer, Vorstandsvorsitzender des Tourismusverbandes Dresden. Dafür sei die Branche dankbar. Größte Sorgen bereite aber der Arbeitskräftemangel. "Nur durch gemeinsame Kraftanstrengungen von Stadt und Wirtschaft kann es gelingen, Arbeitskräfte langfristig nach Dresden zu holen."

Auch Hotel-Chef Klink berichtete vor Kurzem, dass im Lockdown viele seiner Mitarbeiter in die Pflege oder in die Supermärkte abgewandert seien. "Das betrifft nicht unbedingt das Stammpersonal, sondern auch die Leiharbeiter." Er habe teilweise 30 bis 40 Leiharbeiter pro Tag beschäftigt, gerade wenn um die 600 Frühstücke zu servieren waren.

Wie will die Tourismusregion selbst wieder für mehr Besucher sorgen?

Der Tourismusverband Elbland Dresden e. V. setzt auf Kooperationen für mehr Reichweite, wie Bert Wendsche (parteilos), Radebeuler Oberbürgermeister und 1. Stellvertretender Vorsitzender des Verbands, erklärt. "Um den Neustart in den Tourismus im Elbland noch einmal zu forcieren, haben sich acht Partner aus dem Elbland zusammengetan und gemeinsam mit der Dresden Marketing GmbH eine zusätzliche Werbekampagne von Mai bis September 2021 für das Elbland gestartet." Diese soll auch in den kommenden Jahren fortgeführt werden.

Als besonderen Erfolg wertet Wendsche die Einführung eines Audioguides Sächsischer Weinwanderweg im April mit zunächst zehn Hörstationen und die große Resonanz unter anderem auf die Tage des offenen Weingutes und die Moritzburger Hengstparaden.

Hat der Tourismus das Schlimmste überstanden?

Es scheint, dass sich die Tourismusregion wieder erholt. Tourismusverbandschef Lohmeyer ist zufrieden mit der Entwicklung seit Wiederöffnung der Hotels: "Durch den Boom in der Chipindustrie erfährt Dresden einen enormen Aufwuchs an Geschäftsreisenden, was in Kombination mit den seit Juli sehr hohen Touristenzahlen für volle Hotels sorgt. Wir sehen dies als Impuls, der die Branche wieder in Fahrt bringt."

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Eine Umfrage der DMG bei den Hotels in Dresden Elbland hat ergeben, dass auch der August und vor allem der September gut gebucht gewesen seien und bereits gute Vorbuchungen für den Dezember vorlägen. "Im September hatten wir wieder die ersten Geschäftskundenveranstaltungen in der Stadt. Das bringt zwar nicht die große Masse an Übernachtungen wie bei Großkongressen von mehreren tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern, zeigt aber, dass es in dem stark von uns bearbeiteten Markt von Tagungen, Kongressen und Incentives wieder Bewegung gibt", sagt DMG-Chefin Corinne Miseer. (mit SZ/jv/sr)

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