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Umbruch bei den Dresdner Narren

Nach einer Saison im Ausnahmezustand will sich der Dresdner Karnevals-Verein neu erfinden. Der Ober-Narr rückt dafür ins zweite Glied.

Geküsst werden konnte diese Jahr nicht. Der Humor ist Dresdens Ober-Karnevalist Michael Thiele (M.) dennoch nicht vergangen.
Geküsst werden konnte diese Jahr nicht. Der Humor ist Dresdens Ober-Karnevalist Michael Thiele (M.) dennoch nicht vergangen. © privat

Dresden. Mit einem einfach "Saxonia Helau" beendete Michael Thiele am Aschermittwoch offiziell die fünfte Jahreszeit und gab Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) symbolisch den Rathaus-Schlüssel zurück. Wie üblich in diesen Tagen: per Videobotschaft.

Seinen Auftritt vor der Kamera nutzte der Dresdner Ober-Karnevalist auch, um dem Amt für Kultur und Denkmalschutz die "Goldene Taschenlampe" als Negativpreis für "fehlenden Durchblick im Amt" zu verleihen.

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Anlass war die Ausstellung eines Fördermittelbescheids für den Verein über 0,00 Euro. "Da war wirklich mal Humor gefragt", sagt Thiele.

Im Jahr 2009 gab Michael Thiele den Rathausschlüssel noch persönlich an die damalige Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz zurück.
Im Jahr 2009 gab Michael Thiele den Rathausschlüssel noch persönlich an die damalige Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz zurück. © SZ/Marion Groening

Das Geld fehlt dem 1979 gegründeten Dresdner Carneval Club e.V. mit seinen derzeit rund 70 Mitgliedern in dieser Saison besonders, nachdem coronabedingt alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten.

Zweimal Saalfasching und zweimal Kinderfasching seien im Ballhaus Watzke geplant gewesen, dazu der traditionelle Umzug.

Einst gab es in Dresden mal nahezu 100 Karnevalisten und zwölf Veranstaltungen. "Allerdings muss man bedenken, dass bei uns alles handgemacht ist - vom Programm über die Technik bis zum Auf- und Abbau", sagt Thiele. "Wir leben für unseren Karneval und wollten das auch in diesem Jahr zeigen."

Um wenigstens ein bisschen Karnevalsstimmung erleben zu können, wurden seit dem 11. November mehrere Videos auf Youtube hochgeladen. In einem zusammengeschnittenen Clip tanzen die Mitglieder - jeder für sich zu Hause - kostümiert zu einer gemeinsamen Choreographie.

"Es gab also trotz Corona genügend zu Lachen", sagt Thiele. Auch alle Proben sowie die Sitzungen des Elferrats hätten virtuell stattgefunden.

Um den Verein finanziell durch das Corona-Tief zu tragen, wurde pünktlich zu Faschingsdienstag eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen, bei der mindestens 1.500 Euro eingesammelt werden sollen. Unter anderem könnten mit dem Geld neue Westen, Jacken und Kappen gekauft werden.

Die Unterstützer und Sponsoren - angesprochen sind vor allem Unternehmen - können im Gegenzug ihr Logo auf der Vereins-Homepage oder im Vereinsheft präsentieren. Die Kampagne läuft bis Mitte April. Bislang sind rund 600 Euro zusammengekommen.

Am Ende seines Videos zur Schlüsselübergabe am Aschermittwoch nahm Thiele nun traditionell symbolisch seine Kappe ab - diesmal allerdings mit doppelter Bedeutung.

Nach zwölf Jahren als Präsident wird der 64-Jährige, der bereits seit 1990 Mitglied des Vorstands ist, bei der kommenden Jahreshauptversammlung Ende Mai nicht nochmal für den Vorsitz kandidieren.

Es sei Zeit für einen Generationswechsel. "Unsere Youngster scharren schon mit den Hufen und wollen mal etwas anderes machen", sagt Thiele und meint damit unter anderem seinen designierten Nachfolger Andreas Huxol, der allerdings auch 43 ist.

"Wenn ich in den vergangenen Jahren nach neuen Ideen gefragt habe, dann kam da meistens nicht viel", sagt Thiele, "und am Ende wurde es gemacht, wie ich es wollte." Künftig solle die Spitze des Vereins umstrukturiert und breiter aufgestellt werden. "Das wird uns allen gut tun."

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