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Vollgetankt in der Berufsschule

Eine Kampagne gegen Alkohol am Steuer ist am BSZ für Technik in Dresden zu Besuch. Hier darf man nicht nur betrunken Auto fahren - man soll sogar. Virtuell.

Unfallfrei bleiben, ist hier kaum möglich: Der Promillesimulator wurde bereits am Donnerstagmorgen von vielen Dresdner Berufsschülern getestet.
Unfallfrei bleiben, ist hier kaum möglich: Der Promillesimulator wurde bereits am Donnerstagmorgen von vielen Dresdner Berufsschülern getestet. © René Meinig

Dresden. William Wolf hat sich seine erste Alkoholfahrt fast noch schlimmer vorgestellt. "Das Lenken wurde deutlich schwammiger und das Sichtfeld war ziemlich eingeschränkt", sagt er. Trotzdem seien seine Alkohol-Erfahrungen in Clubs oder Bars doch anders gewesen. 

Der 20-Jährige aus Freital absolviert eine Ausbildung zum Mechatroniker in Dresden. An der Berufsschule für Technik in der Gerokstraße lernt er die Theorie seines künftigen Berufs. Hier hat Wolf, der seit vergangenem Jahr den Führerschein hat und täglich mit dem Auto zur Arbeit pendelt, heute getestet, wie es sich betrunken Auto fährt. 

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Möglich macht das ein Promillesimulator der Kampagne "Don't drink and drive", die an diesem Donnerstag und Freitag in Dresden ihren Auftakt gibt. Insgesamt machen die Initiatoren in den kommenden Wochen an acht Berufsschulen in ganz Sachsen Halt. 

Schulleiter berichtet: Schüler stirbt nach Alkoholfahrt

Der Schwerpunkt liegt dabei auf Menschen wie Wolf. Jung, Fahranfänger, Azubi im Kfz-Bereich. Die Macher wollen aus den Lehrlingen "Opinion Leader" machen, also Meinungsführer. Sie sollen andere junge Menschen im Alter von 18 bis 25 für das Thema Alkohol im Straßenverkehr sensibilisieren. 

Der Leiter der BSZ für Technik, Uwe Dittmer, hält das Konzept für überzeugend. "Unsere Schüler machen berufsbedingt früher den Führerschein als andere. Viele von ihnen sind auf das Auto angewiesen, weil sie aus ländlicheren Regionen kommen. Sie geben ihre Erfahrungen dann an andere weiter." 

Azubi William Wolf: "Mich stören vollgesuffte Leute um mich herum."
Azubi William Wolf: "Mich stören vollgesuffte Leute um mich herum." © René Meinig

Auch Dittmer hat als Schulleiter schon seine Erfahrungen gemacht. "Wir hatten den Fall eines Schülers, der nach einer Alkoholfahrt tot war", erzählt der 52-Jährige. Dittmers Beobachtungen zufolge lerne an seiner Schule aber ein Klientel, das es sich nicht leisten könne, "exzessiv mit Alkohol umzugehen."

"Klar gibt es den einen oder anderen, dem man am Montag manchmal ein langes Wochenende ansieht", sagt Dittmer. Doch die Azubis müssten an Werktagen immer schon früh fit sein. Und könnten deshalb vielleicht ein Vorbild sein.

Dresden: Fast 200 Unfälle durch betrunkene Fahrer

Denn: "18- bis 24-Jährige sind bei Alkoholfahrten mit Personenschaden überproportional vertreten", sagt die Staatsekretärin des sächsischen Wirtschaftsministeriums, Ines Fröhlich. 752 solcher Unfälle gab es in Sachsen 2019, sieben Menschen verloren dadurch ihr Leben. In Dresden verursachten betrunkene Fahrer alleine vergangenes Jahr 196 Verkehrsunfälle, eine Steigerung um fast 100 Prozent. 

"Das Bewusstsein für die Problematik ist nicht da", sagt Fröhlich. Der Promillesimulator sei deshalb ein probates Mittel, um mehr Aufmerksamkeit zu schaffen. Allerdings ist die Kampagne dieses Jahr mit einem deutlich abgespeckten Programm unterwegs - aufgrund von Corona.

Zwar sitzen die Schüler bei der Simulation auch weiterhin in einem echten Auto. Doch anstatt einer lebensnahen Virtual-Reality-Brille erleben sie Fahrt und Geräusche auf einer Leinwand mit Lautsprechern, die vor der Frontscheibe installiert wird. 

Abschreckend, da ist sich Marketing-Chef Johannes Keßner sicher, wirkt das Ganze trotzdem. Eine ganze Fahrt ohne Unfall mit 1,1 Promille: Das schaffe so gut wie niemand. 

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