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Corona-Mutation: Dutzende Fälle in Dresden entdeckt

Ein Großteil der Infizierten hat sich in Dresden angesteckt, was eine nicht geringe Dunkelziffer vermuten lässt. Auch Mitarbeiter einer Klinik sind infiziert.

Innerhalb einer Woche hat sich die Zahl der nachgewiesenen Virusvarianten in Dresden verdoppelt. Mehrere Erkrankte befinden sich im Krankenhaus.
Innerhalb einer Woche hat sich die Zahl der nachgewiesenen Virusvarianten in Dresden verdoppelt. Mehrere Erkrankte befinden sich im Krankenhaus. © dpa/Robert Michael

Dresden. Von einer Trendwende spricht Lothar Wieler am Freitag. Die ansteckendere britische Coronavirus-Variante B.1.1.7 breite sich rasch aus, sagt der Präsident des Robert-Koch-Instituts. Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland würde nicht mehr sinken. Vor allem Jüngere steckten sich an. Auch in Dresden ebbt die zweite Corona-Welle nicht mehr ab. Welchen Anteil haben mutierte Viren an dieser Entwicklung? Was wir über die Verbreitung in der Stadt wissen und was nicht.

Wie oft sind mutierte Viren schon nachgewiesen worden?

Bei 41 Dresdnern konnten mittlerweile Varianten des Coronavirus festgestellt werden, teilte das Gesundheitsamt am Freitag auf SZ-Anfrage mit. Ganz klar dominiere die britische Mutante, heißt es. Damit hat sich die Zahl der festgestellten Mutanten innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt. Mitte der vergangenen Woche konnten sie noch bei lediglich 13 Dresdnern nachgewiesen werden.

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Eine Ausbreitung der britischen Mutante hat es am Städtischen Klinikum gegeben. Dort haben sich Patienten, aber auch Mitarbeiter mit der Virusvariante angesteckt, bestätigte Sprecherin Anja Witthauer am Freitag. Das Klinikum habe am Donnerstag davon erfahren. Weitere Varianten-Fälle sind seither nicht dazugekommen.

Wie viele Patienten sind betroffen und wie geht es ihnen?

Die betroffenen Patienten und Mitarbeiter des Städtischen Klinikums haben ersten Angaben zufolge keine Symptome. Das spricht dafür, dass die Patienten nicht wegen Corona im Krankenhaus liegen, sondern wegen eines anderen Leidens aufgenommen wurden.

Dass die Infektionen überhaupt entdeckt worden sind, ist den routinemäßigen Tests am Klinikum sowie den Kontaktnachverfolgungen zu verdanken. So werden zum Beispiel die Mitarbeiter wöchentlich getestet. Fünf Prozent der positiven Corona-Proben einer Woche werden zur Sequenzierung an das Uniklinikum geschickt.

Mit dieser Methode wird der Bauplan des Virus entschlüsselt, sodass die genaue Virusvariante erkennbar ist. Das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie des Dresdner Uniklinikums konnte bislang in 44 eigenen und fremden Proben die britische Mutation feststellen.

Generell sei der Krankheitsverlauf bei einer Ansteckung mit der britischen Mutante aber nicht gefährlicher, erklärt der Leiter der Infektionsmedizin am Krankenhaus Dresden-Neustadt, Dr. Dieter Teichmann: "Bei einer Infektion mit dieser Virusvariante hält sich das Virus wesentlich länger im Nasen- und Rachenraum. Dies ist ein wahrscheinlicher Grund für die höhere Ansteckungsrate der Variante gegenüber dem ursprünglichen Virus Wildtyp."

Dem muss das Uniklinikum beipflichten. Es konnte bisher noch keine ausreichende Zahl an Patienten mit nachgewiesenen Mutationen behandelt werden, um eigene valide Aussagen zur Symptomatik treffen zu können, heißt es.

Welche Maßnahmen werden ergriffen, um eine Ausbreitung zu verhindern?

"In unserem Klinikum gelten generell bereits strengste Hygienemaßnahmen", sagt Witthauer. Dazu gehörten regelmäßige Tests von Mitarbeitern und stationärer Patienten. Patienten, die positiv getestet werden, würden isoliert betreut. Dabei spiele es keine Rolle, ob sich die Patienten mit dem bisher verbreiteten Virustyp oder einer Mutante infiziert hätten. Die Versorgung erfolge nach denselben hohen Sicherheitsstandards.

Patienten-Besuche, durch die das Virus zusätzlich eingeschleppt werden könnte, sind ohnehin verboten. Ausnahmen gelten unter Beachtung der Hygienevorschriften nur für Begleitpersonen von Kindern.

Am Dresdner Uniklinikum werden aktuell vier Covid-19-Patienten mit nachgewiesenen Mutationen versorgt. Entsprechend der Vorgaben des Robert-Koch-Instituts gelte für sie eine gesonderte Isolation, teilt das Klinikum mit. Dies sei eine reine Schutzmaßnahme, denn es gebe derzeit noch keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Notwendigkeit für eine besondere Verfahrensweise für diese Patienten.

Da nicht ausgeschlossen werden könne, dass neu aufgenommene Covid-19-Patienten ebenfalls mit einer der Corona-Varianten infiziert sind, isoliert sie das Uniklinikum solange, bis Mutanten durch eine weitere Laboruntersuchung ausgeschlossen werden konnten.

Wo haben sich die Infizierten angesteckt?

Bei mehr als 30 der 41 Infizierten konnte laut Gesundheitsamt weder eine Auslandsreise noch ein Kontakt zu einer Person, die sich im Ausland infizierte, nachgewiesen werden. "Sie haben sich in Dresden infiziert." Und das bei Menschen, denen wahrscheinlich bis heute nicht bewusst ist, dass sie ebenfalls eine der Virusvarianten in sich tragen. Das Gesundheitsamt spricht von einer Infektion aus der Dunkelziffer heraus.

Zu den Infizierten gehören auch Grenzpendler und Menschen, die aus einer Reha innerhalb Deutschlands zurückgekehrt sind. In Dresdner Gemeinschaftseinrichtungen - dazu gehören Kitas, Schulen, Alten- und Pflegeheime sowie Asylheime - konnten bisher keine Mutanten nachgewiesen werden. Wobei auch nicht jedes positive Corona-Testergebnis auf Virusvarianten untersucht wird.

Wie viele Proben werden auf Mutanten untersucht?

Die Labore seien angehalten, fünf bis zehn Prozent der positiven Corona-Proben sequenzieren zu lassen. So sehe es die Bundestestverordnung vor, teilt das Gesundheitsamt mit. Ein einfaches Hochrechnen der Stichproben auf die Zahl der Neuinfizierten sei allerdings nicht zulässig, um ein genaues Bild zu erhalten.

Eine größere, deutschlandweite Auswertung des Robert-Koch-Instituts in der vorletzten Woche zeigte, dass es sich etwa bei jeder fünften Probe um die britische Variante handelte. Die bisher vorliegenden Daten ließen darauf schließen, dass sich der Anteil von B.1.1.7 in den vergangenen Wochen stark erhöht habe, so das RKI. "Es ist mit einer weiteren Erhöhung des Anteils der Virusvariante zu rechnen."

Wie wirkt sich das auf die Dresdner Infektionskurve aus?

Da unklar ist, wie verbreitet die Varianten speziell in Dresden sind, ist unklar, ob sie dafür verantwortlich sind, dass die zweite Corona-Welle kaum weiter abebbt. Dass die Zahlen aktuell kaum noch sinken, ist unbestritten:

2. Kalenderwoche: 1.087 neue Fälle
3. Kalenderwoche: 745 neue Fälle (-342 Neuinfektionen)
4. Kalenderwoche: 622 neue Fälle (-123 Neuinfektionen)
5. Kalenderwoche: 451 neue Fälle (-171 Neuinfektionen)
6. Kalenderwoche: 354 neue Fälle (-97 Neuinfektionen)
7. Kalenderwoche: 320 neue Fälle (-34 Neuinfektionen)

In dieser Woche sind bislang 267 Neuinfektionen gezählt worden, wobei hier noch die Daten für Sonnabend und Sonntag fehlen, außerdem ist mit Nachmeldungen für die vergangenen Tage zu rechnen.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected].

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