merken
PLUS Dresden

Steimle scheitert mit Ferdinandplatz-Forderung

Mit seiner Petition wollte der Kabarettist den Rathaus-Neubau verhindern - und erhielt Rückendeckung aus unerwarteter Ecke. Warum er trotzdem scheiterte.

Der Dresdner Kabarettist Uwe Steimle wollte das neue Verwaltungszentrum auf dem Ferdinandplatz verhindern und schaffte es mit einer Petition bis in den Stadtrat.
Der Dresdner Kabarettist Uwe Steimle wollte das neue Verwaltungszentrum auf dem Ferdinandplatz verhindern und schaffte es mit einer Petition bis in den Stadtrat. © Frank May/picture-alliance/dpa

Dresden. Der Kabarettist Uwe Steimle gehört zu den schärfsten Gegnern des Neuen Verwaltungszentrums auf dem Ferdinandplatz. Er fordert den Baustopp und einen Bürgerentscheid. Dafür sammelte Steimle mehr als 10.000 Unterschriften. So viele, dass sich der Stadtrat am Freitag mit der Petition befassen musste. Unverhofft erhielt Steimle Rückendeckung von der Linksfraktion, die Nägel mit Köpfen machen wollte und einen Bürgerentscheid am Tag der Bundestagswahl ins Spiel brachte.

Der Kabarettist erklärte, er habe zwei Probleme mit dem Bauvorhaben. Zum einen wäre der Klimaschutz beim Bau des neuen Rathauses mit keiner Silbe bedacht worden. Selbst Laien sei klar, dass es für das Klima nicht zuträglich sei, wenn in der Mitte der Stadt über 30.000 Quadratmeter „mit Beton und Glas zugepflastert“ würden.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

"Herr Steimle, Sie sind nicht DER Sachse"

Zum anderen solle das bauliche Erbe der Stadt lieber bewahrt werden. Steimle zählte das Sachsenbad und das Rathaus auf. Die Bürger sollten daher entscheiden, ob sie ein „Prestigeprojekt oder den Erhalt und die sorgsame Bewahrung des Erbes“ wollen.

Mehr als 10.000 Bürger hätten zu verstehen gegeben, dass sie mit der Entscheidung des Stadtrates zum Verwaltungszentrum nicht einverstanden seien, sagte Linke-Fraktionschef André Schollbach. Der Stadt fehle das Geld zur Sanierung des Blauen Wunders, dafür solle ein Verwaltungszentrum gebaut werden. Er könne nachvollziehen, wenn Menschen das hinterfragen würden und eine Korrektur forderten. Daher schlage auch er vor, die Entscheidung in die Hände der Bürger zu legen.

Grüne-Stadtrat Thomas Löser machte auf die schlechten Arbeitsbedingungen vieler Stadt-Mitarbeiter aufmerskam, etwa im alten Robotron-Riegel am Pirnaischen Platz. Steimle gab er zu verstehen, dass er nicht „der Sachse“ sei, der für alle Sachsen spricht. „Ich bin auch Sachse“, so Löser in Richtung des Kabarettisten.

Baustart für Mitte Februar 2022 geplant

Dissidenten-Stadtrat Johannes Lichdi warf den Unterstützern der Petition im Stadtrat Stimmungsmache vor. Da werde der Bevölkerung suggeriert, „die da oben bauen sich ein neues Rathaus und die Bürger müssen darben“. Das sei populistisch und demokratiefeindlich. Auch FDP-Fraktionschef Holger Zastrow plädierte dafür, den Stadtrat entscheiden zu lassen anstatt alle Dresdner.

Weiterführende Artikel

Prozess: Warum Uwe Steimle nicht laufen muss

Prozess: Warum Uwe Steimle nicht laufen muss

Weil der Dresdner Satiriker Uwe Steimle erneut bei Rot geblitzt wurde, drohte ihm ein Fahrverbot. Jetzt fand er einen gnädigen Richter.

Stoppt Steimle den Bau am Dresdner Ferdinandplatz?

Stoppt Steimle den Bau am Dresdner Ferdinandplatz?

Das neue Verwaltungszentrum steht in der Kritik, vor allem wegen der Kosten. Nun gibt es eine Hintertür, das Projekt zu beerdigen und Kritik an Uwe Steimle.

Dresden: Wird der Ferdinandplatz zu teuer?

Dresden: Wird der Ferdinandplatz zu teuer?

Der Neubau des Dresdner Verwaltungszentrums ist umstritten. Jetzt wird vor den gigantischen Kosten gewarnt und eine Alternative benannt.

Ferdinandplatz: Soll Dresden sich diesen Neubau leisten?

Ferdinandplatz: Soll Dresden sich diesen Neubau leisten?

Wirtschaft und Steuerzahlerbund fordern, auf das Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz zu verzichten. Eine Petition von Uwe Steimle hat 10.000 Unterschriften.

Letztlich scheiterten sowohl die Petition als auch der Bürgerentscheid-Vorstoß der Linken mit 43 Gegenstimmen zu 25 Ja-Stimmen. Somit gehen die Planungen für das Verwaltungszentrum weiter. Das soll bis 2025 stehen und Platz für etwa 1.300 Stadt-Beschäftigte bieten. Kosten: rund 141 Millionen Euro. Im November soll der Bauantrag eingereicht werden, Baustart wäre im besten Fall Mitte Februar 2022.

Mehr zum Thema Dresden