merken
PLUS Dresden

Verschärft sich die Lage in der Dresdner Neustadt?

An der als "Assi-Eck" bekannten Kreuzung ist ein Polizist mit einer Flasche attackiert worden. Es ist nicht der erste Vorfall. Wie geht es weiter?

Auf dieser Neustadt-Kreuzung muss die Polizei mit Angriffen rechnen.
Auf dieser Neustadt-Kreuzung muss die Polizei mit Angriffen rechnen. © Arvid Müller/dpa-Zentralbild (Archiv)

Dresden. Es ist kurz nach Mitternacht am Samstagabend. Ein milder Sommerabend, Tausende Menschen sind in der Dresdner Neustadt unterwegs, sitzen in Kneipen und in Biergärten. Auch am "Assi-Eck", der belebten Kreuzung von Louisenstraße und Rothenburger Straße, tummeln sich Feiernde. Alles bleibt friedlich. Zunächst.

Anzeige
Einladung zum Comarch-Webinar
Einladung zum Comarch-Webinar

Comarch lädt am 28. September zum Webinar „Data Center lokal statt global – So sichern Sie Ihre Unternehmensdaten in Deutschland“ ein.

Um 0.20 Uhr werden Polizeibeamte zur Louisenstraße gerufen. Laut Bericht wegen einer Körperverletzung. Zwei 20 und 21 Jahre alte Frauen sind aufeinander losgegangen, haben sich gegenseitig beleidigt und verletzt. Polizisten trennen die streitenden Frauen, schließlich zeigen sich die Kontrahentinnen "beide gegenseitig wegen Körperverletzung an", so die Polizei weiter. Der Grund für die Auseinandersetzung ist unbekannt.

Doch während die Polizisten im Einsatz sind, werden sie plötzlich selbst zum Ziel. Einige Menschen behindern die Beamten. Aus der Menschenmenge heraus wirft ein Tatverdächtiger, ein 30 Jahre alter Deutscher, einem der Polizisten eine Glasflasche an den Kopf und verletzte ihn dadurch.

Nicht die erste Attacke auf Polizisten auf der Kreuzung

Neu sind solche Attacken für die Beamten in der Neustadt nicht. Aber verlieren die Ordnungsbehörden zunehmend die Kontrolle über die Lage auf der Kreuzung? Erst vor knapp zwei Wochen berichtete die Polizei von einem Angriff gegen eine Streife in der Neustadt. Ein Betrunkener beleidigte zunächst die Fahrerin eines Streifenwagens, als sie das Auto über die Kreuzung steuerte. Die Frau stoppte, die Beamten stellten den Mann zur Rede. Sie wurden von dem 31-Jährigen angegriffen und verletzt.

Polizeisprecher Uwe Hofmann sagt zu den Angriffen: "Das Geschehen an der sogenannten schiefen Ecke hat nach unserer Einschätzung keine neue Qualität gegenüber dem der Vergangenheit erreicht." Einzig die Zahl der dort in den Wochenendnächten Versammelten habe im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Schätzungen zufolge können es leicht mehr als 500 werden.

Dass die Lage auf der Kreuzung insgesamt problematisch ist, leugnen weder Polizei noch Ordnungsamt. Die Stadtverwaltung setzt seit etwa drei Wochen Konfliktmanager ein, die sogenannten Nachtschlichter. Sie sind mittwochs, donnerstags und an den Wochenenden in der Neustadt im Einsatz, um Konflikte zu entschärfen - zwischen den Feiernden, aber auch zwischen dem Party-Volk und Anwohnern. "Der Versuch, die Feiernden zu sensibilisieren ist meistens erfolgreich verlaufen", schätzt Stadtsprecherin Diana Petters die ersten Einsätze der Nachtschlichter ein.

Konfliktmanager sammeln erste Erfahrungen

Dabei habe sich herausgestellt, dass etwa Müll, Glasflaschen und die Blockade der Straßenbahnen bei vielen schon als Problem erkannt wird. Allerdings gebe es unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie diese Probleme gelöst werden könnten. Einige der Angesprochenen hätten großes Interesse daran gezeigt, sich einzubringen. "Als besondere Herausforderung erweist sich dabei allerdings, dass einige Personen zu späteren Zeiten nicht mehr ansprechbar scheinen."

Die Arbeit und die Erfahrungen der Nachtschlichter würden laufend dokumentiert und voraussichtlich im Oktober dieses Jahres systematisch ausgewertet. Schon jetzt zeige sich aber ein wachsender Bekanntheitsgrad. So würden die Mediatoren immer häufiger von Feiernden und Anwohnern direkt angesprochen, so Petters weiter.

Auch die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) sehen die Feiernden auf der Kreuzung kritisch. Gerade Freitag- und Samstagnacht kommt es immer mal wieder vor, dass die Straßenbahn nicht durch den Kiez fahren kann, da viele Menschen am "Assi-Eck" sitzen und die Gleise blockieren. In diesem Jahr musste die Linie 13 schon mindestens zwölfmal wegen nächtlicher Behinderungen am Wochenende in der Neustadt umleiten. Die Störungen dauern zwischen fünf und zwölf Stunden.

Polizist kann nicht arbeiten

Laut Falk Lösch, dem Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), war immerhin das vergangene Wochenende an dieser Ecke ein ruhiges. "Es gab keine Störung am Assi-Eck. Das lag vielleicht auch daran, dass wir wegen der Vorbereitung der nächsten Baustufe zur Großenhainer dort ohnehin zeitweise nicht gefahren sind", so Lösch. "Mal sehen, wie die kommenden Wochen in der Neustadt verlaufen. Ich bin gespannt."

Weiterführende Artikel

Krach im Party-Viertel: "Übrigens, wir wohnen hier"

Krach im Party-Viertel: "Übrigens, wir wohnen hier"

Durch Sonderregeln für die Außengastronomie müssen die Anwohner im Dresdner Party-Viertel Neustadt mit noch mehr Lärm leben.

Partylärm in Dresden: "So schlimm war es noch nie"

Partylärm in Dresden: "So schlimm war es noch nie"

In der Dresdner Neustadt prallen seit Jahren die Interessen von Feiernden und Anwohnern aufeinander. Wie oft die Polizei eingreifen musste und mögliche Lösungen.

"Feiernden wird Wasser übergekippt"

"Feiernden wird Wasser übergekippt"

Wo feiernde und Anwohner wie am "Assi-Eck" in der Dresdner Neustadt aufeinander prallen, gibt es Konflikte. "Nachtschlichter" sollen helfen. Ein Abend vor Ort.

Lösung fürs Dresdner "Assi-Eck"?

Lösung fürs Dresdner "Assi-Eck"?

Scherben, Straßenbahn-Streicheln und laute Musik - Konflikte gibt es viele in der Neustadt. Jetzt sollen eine Frau und ihr Team es richten.

Der am Wochenende angegriffene Beamte befand sich auch am Montag noch in medizinischer Behandlung, so die Polizei. Der Werfer ist festgenommen worden. Der 30-Jährige sei den Einsatzkräften zum ersten Mal aufgefallen. Weder am sogenannten Assi-Eck noch andernorts sei er zuvor so in Erscheinung getreten, dass die Polizei eingreifen musste. Gegen den Mann wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Mehr zum Thema Dresden