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Poller-Streit: Verwischte Symbolik am Schillergarten

Um Radfahrer zur Rücksicht zu bewegen, hat Dresdens Baubürgermeister den Elberadweg besprüht. Das missglückte Ergebnis soll nicht die Idee beerdigen.

Missglückte Aktion: Die aufgesprühte Schrift auf dem Elberadweg unter dem Blauen Wunder ist kaum lesbar.
Missglückte Aktion: Die aufgesprühte Schrift auf dem Elberadweg unter dem Blauen Wunder ist kaum lesbar. © Marion Doering

Dresden. Ausgerechnet das wichtigste Wort hat es am schlimmsten erwischt. "Rücksicht macht Wege breit" sollte auf dem Elberadweg direkt unter dem Blauen Wunder in Blasewitz zu lesen sein. Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) griff dafür am Mittwoch sogar persönlich zur Spraydose.

Als jedoch die Schablone gelüftet wurde, gab es lange Gesichter. Der Schriftzug ist bis zur Unkenntlichkeit verschmiert und ruft in diesem Zustand bei den Radfahrern vermutlich eher ein Schmunzeln hervor.

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"Wenn sie zum Lesen anhalten müssen, ist das Ziel doch erreicht", übte sich Kühn in Galgenhumor.

Mit dem Aufsprühen der Piktogramme auf dem Elberadweg, die über der Schrift eine Person mit Kind und Hund sowie einen Fahrradfahrer zeigen sollen, wollte der Baubürgermeister ein versöhnliches Zeichen im ewigen Streit zwischen Händlern, Umweltschützern und Verkehrsteilnehmern setzen.

Baubürgermeister Stephan Kühn sprühte die Piktogramme persönlich auf den Radweg.
Baubürgermeister Stephan Kühn sprühte die Piktogramme persönlich auf den Radweg. © Marion Doering

Mitte Mai hatte er unterhalb des Schillergartens Poller aufstellen lassen und damit den bisher wild genutzten Parkplatz direkt am Elbufer für Autofahrer abgesperrt. Der Streit um das Parken an dieser Stelle war damit jedoch nicht beigelegt. Gewerbetreibende und Anwohner protestierten scharf gegen die Entscheidung und fanden im Stadtrat Unterstützung bei CDU und FDP.

Während die Befürworter der Sperrung das Recht auf ihrer Seite sahen, da die Fläche Teil eines Landschaftsschutzgebietes ist, führten die Poller-Gegner die sowieso schon angespannte Parkplatzsituation im Viertel ins Feld.

Am 11. Juni kam es im Stadtrat zum Showdown. Mit 34 zu 34 Stimmen wurde der Antrag der Poller-Gegner auf Rückbau dabei denkbar knapp abgelehnt. Aber auch damit war die Sache noch längst nicht erledigt. Wenige Stunden nach der Entscheidung verschwanden über Nacht zwei der 21 Poller. Kurzzeitig parkten sogar wieder Autos unter der Brücke, bis die Polizei die Lücke notdürftig mit Absperrschranken schließen ließ. Wenig später wurden die Poller ersetzt.

Runder Tisch ist beschlossen

"Ich bin nicht so naiv, zu glauben, dass der Konflikt nun beigelegt ist", sagt Baubürgermeister Kühn. Allerdings wolle er seinen Teil dazu beitragen, dass künftig weniger übereinander und mehr miteinander geredet werde.

Bei der Abstimmung im Stadtrat Anfang Juni waren neben dem "Ja" für die Poller auch andere Entscheidungen gefallen. So wurden in diesem Zuge zwei Ergänzungsanträge der Freien Wähler angenommen, in denen unter anderem gefordert wurde, gemeinsam mit allen Beteiligten eine dauerhafte Lösung für das Parken in Blasewitz zu entwickeln.

Konkret empfahl der Stadtrat die Einrichtung eines Runden Tisches, für den es nun bereits einen Termin gibt: Am 12. Juli soll im Stadtbezirksamt Loschwitz zusammen mit dem Baubürgermeister erstmals über Möglichkeiten und Chancen diskutiert werden. "Auch dann wird es vor allem um gegenseitige Rücksichtnahme gehen", betont Kühn.

In den Beschlüssen des Stadtrats war außerdem davon die Rede, dass mit geeigneten Maßnahmen Radfahrer ausgebremst werden sollen, die am Blauen Wunder die Sicherheit der Fußgänger gefährden. Kühn betonte, dass in den vergangenen Jahren nicht immer Autofahrer an den Unfällen an dieser Stelle beteiligt gewesen seien. Auch zwischen Spaziergängern und Radfahrern habe es gefährliche Zusammenstöße gegeben.

Das war wohl nichts: Die Schablone versagte - doch die Idee soll weiter verfolgt werden.
Das war wohl nichts: Die Schablone versagte - doch die Idee soll weiter verfolgt werden. © Marion Doering

Wörtlich hieß es in dem Antrag daher, der Oberbürgermeister werde beauftragt, "auf die höhere Sorgfaltspflicht von Radfahrern gegenüber Fußgängern (...) hinzuwirken, um die Häufigkeit von Unfällen auf dem gemeinsamen Fuß- und Radweg zu minimieren".

Auf diesen Beschluss reagierte nun die Stadtverwaltung, indem sie die Symbole auf den Radweg sprühen ließ. Ursprünglich sollte an drei Stellen der Schriftzug "Rücksicht macht Wege breit" hinterlassen werden. Nach dem missglückten Versuch unter der Brücke wurde die Aktion am Mittwoch jedoch gestoppt.

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Was genau schiefgelaufen ist, blieb zunächst unklar. Der Sprüher selbst wird aber wohl kaum Schuld tragen. Mehr spricht dafür, dass die Schablone nicht mehr flach genug auf dem Untergrund aufgelegen haben könnte. Die Vorlage war im vergangenen Sommer bereits am Fährgarten in Johannstadt zum Einsatz gekommen, wo das "nicht amtliche Piktogramm" auf überwiegend positiv Resonanz gestoßen sei.

Künftig soll der Schriftzug noch an weiteren Gefahrenstellen in der Stadt aufgesprüht werden und auf diese Weise einen Wiedererkennungswert erhalten. Dann aber vermutlich mit neuer Schablone.

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