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Video: Auf Tour durch Dresdens neue Straßenbahn

Am Freitag ist die erste ausgelieferte Tram für Dresden der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Was macht diese Bahn so besonders?

So sieht Dresdens neue Straßenbahn aus.
So sieht Dresdens neue Straßenbahn aus. © Sven Ellger

Dresden. Mitten in der Nacht kam sie, mitten in der Nacht verschwand sie im Betriebshof. Wer Dresdens neue Straßenbahn sehen wollte, musste lange wach bleiben. Zwei Wochen ist das her. Nun, am Freitag, ist die Tram in Gorbitz zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt worden. „Sie ist das Feinste, was es aktuell am Markt gibt“, sagt Dirk Wunderlich vom Hersteller Alstom.

Was macht diese Straßenbahn so besonders? Eine Tour durchs Innere der 43,5 Meter langen NGT DX DD.

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Die Größe: Platz für so viele Passagiere wie in einem Großraum-Jet

Passten bisher höchstens drei Sitze nebeneinander, dürfen es sich Fahrgäste in Zukunft auf bis zu vier gepolsterten Sitzen pro Reihe gemütlich machen. Das ist möglich, weil die Wagen 35 Zentimeter breiter sind als die bisherigen. Im Prinzip ist es Sinn und Zweck der neuen Straßenbahn, mehr Passagiere als bisher zu transportieren. Denn die Zahl der Fahrgäste wächst kontinuierlich. Und längere Trams zu bauen, bringt nicht viel, da die Haltestellen dafür nicht ausgelegt sind. 290 Menschen passen in die Neue. „So viele wie in einen Airbus A330“, so Wunderlich.

Zwei Sitze links und rechts des Gangs wird es in Zukunft geben.
Zwei Sitze links und rechts des Gangs wird es in Zukunft geben. © Sven Ellger

Mehr Platz bietet die Bahn auch für Eltern mit Kinderwagen, für Rollstuhlfahrer und Senioren mit Rollatoren, denn in den Eingangsbereichen sind geräumige Stellflächen eingerichtet worden.

Die Ausstattung: Klimaanlage, Ladestecker, neue Ticketautomaten

Von den technischen Anforderungen her sei diese Straßenbahn höchst eindrucksvoll, erklärt der Vizechef der Alstom-Stadtverkehr-Einheit. Zwischen den Sitzen befinden sich Ladestecker für Smartphones. Auch WLAN wird es geben. Im Sommer kühlt eine Klimaanlage den Fahrgastraum. Beides gibt es in den alten Straßenbahnen nicht, steht aber ganz oben auf der Wunschliste vieler Fahrgäste.

Auch neu: In den Bahnen sind Fahrkartenautomaten verbaut, die per Touchpad bedient werden und mit kontaktloser Bezahlung funktionieren. Die alten Ticketautomaten schluckten nur Münzen.

Ein Highlight ist der neue Ticketautomat in den Bahnen.
Ein Highlight ist der neue Ticketautomat in den Bahnen. © Sven Ellger

Seltener Ärger sollte es beim Einsteigen geben. Nicht nur, dass die Türen breiter sind. Es befinden sich auch gleich zwei nebeneinander. Darüber hinaus verfügt die Bahn über Panoramafenster und LED-Leuchtstreifen an den Türen. „Leuchten sie grün, ist ein Zu- und Ausstieg noch möglich, bei Rot lohnt sich der Sprint zur Tür nicht mehr“, so die DVB.

LED-Lichter über dem Eingang signalisieren, wann die Tür offen ist und wann sie geschlossen wird.
LED-Lichter über dem Eingang signalisieren, wann die Tür offen ist und wann sie geschlossen wird. © Sven Ellger

LED-Lichter sind auch im Innenraum verbaut worden. Sie können die Farbe wechseln, je nach Tages- und Jahreszeit.

Die Technik: Komponenten aus der Flugzeugfertigung verbaut

Viele Wünsche hat es von den Dresdner Verkehrsbetrieben gegeben, angefangen von der Breite bis hin zum Einbau einer Klimaanlage. Wünsche, die solch ein Fahrzeug erst einmal schwerer machen. Was Verkehrsunternehmen wiederum nicht wollen, da jedes Kilo, das bewegt werden muss, Energie kostet. Um das Gewicht also in Grenzen zu halten, sind Sandwichbodenplatten installiert worden, die sonst nur in Flugzeugen eingesetzt werden. Im Endeffekt wiegt die neue Tram sogar 2,3 Tonnen weniger als ihre Dresdner Vorgängerin.

Mehr als 40 Unternehmen und Zulieferer aus Sachsen seien an der Herstellung der neuen Bahn beteiligt, sagt DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach. Rohbau und Endmontage erfolgen bei Alstom in Bautzen und Görlitz.

Der Einsatz: Erste Linienfahrten erst 2022

Bis die erste Straßenbahn Linie fährt, werden noch ein paar Monate vergehen. Der reguläre Einsatz ist ab Frühjahr 2022 geplant. Zuerst wird die neue Straßenbahn auf der Linie 2 verkehren. Bis dahin wird das Fahrzeug ab und an im Stadtgebiet auf Dienst- und Testfahrten zu sehen sein.

Ansonsten haben Dresdner an diesem Wochenende die Chance, im Betriebshof Gorbitz in die Bahn zu steigen und sie zu erkunden. Allerdings sind schon alle 2.400 Tickets weg.

In den nächsten Monaten wird die neue Straßenbahn ausgiebig getestet.
In den nächsten Monaten wird die neue Straßenbahn ausgiebig getestet. © Sven Ellger

Bereits ab Februar wird Alstom mit der Serienlieferung starten. Insgesamt haben die DVB 30 neue Trams bestellt. Alle sollen – müssen – bis Herbst 2023 auf Schiene sein, erklärt Hemmersbach. Denn an dem Auftrag hängen Fördermittel, und an denen wiederum Bedingungen. Dazu gehört auch eine Frist, bis wann die Fahrzeuge alle in Dresden fahren müssen. Knapp 103 Millionen Euro Fördermittel reicht der Freistaat Sachsen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung aus. Damit können 75 Prozent aller Kosten gedeckt werden.

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Die zweite Linie, auf der die neue Bahn fahren wird, ist die "3" zwischen Wilder Mann und Coschütz. Für sie wird aktuell die Großenhainer Straße umgebaut. Bis 2023 ist dann auch der zweite Bauabschnitt mit dem Großenhainer Platz in der Mitte und der Brückendurchfahrt am Neustädter Bahnhof erneuert. Dann fehlt nur noch das Stück, das etwa vom Pestalozziplatz bis zum Trachenberger Platz reicht.

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