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Vielen Dank für die Nummer

Die Stadt fordert auf Plakaten zum Denunzieren auf, meinen Kritiker. Warum man mit solch einer Unterstellung vorsichtig sein sollte. Ein Kommentar.

Christoph Springer kommentiert die Werbekampagne für die Telefonnummer des Dresdner Ordnungsamtes.
Christoph Springer kommentiert die Werbekampagne für die Telefonnummer des Dresdner Ordnungsamtes. © xcitepress

Dresden. "Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant", sagt ein Sprichwort. Um es voranzustellen: Es hat einen mehr als unangenehmen Beigeschmack, wenn Behörden Menschen hierzulande großformatig auffordern, Vergehen zu melden. Früher gehörten solche plakativen Aufrufe zum sozialistischen Alltag. Dauernd wurden die Menschen so nicht nur dazu angehalten, etwas zu tun oder zu lassen, sondern auch, Meldung zu machen. Ähnlich liest sich jetzt die Aufforderung der Stadtverwaltung. Das geht zu weit.

Aber mal ehrlich: Ist jeder wirklich gleich ein Denunziant, der das Ordnungsamt anruft, um Dreck, Störungen oder ein Auto vor einer Feuerwehreinfahrt zu melden? Wenn das so sein sollte, gehöre ich zu den Lumpen. Ich habe mir die Telefonnummer notiert, die auf den Anti-Lärm-Plakaten stand. Das spart Zeit, Kraft und Geld, weil damit beispielsweise überflüssige Polizeieinsätze vermieden werden können. Schließlich sind nicht alle gemeldeten Vergehen ein Fall für die 110 - die Rufnummer, die jeder kennt.

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Deshalb bin ich der Stadt dankbar dafür, dass sie mir den richtigen Adressaten in Erinnerung gerufen hat. Und ich finde gut, die Nummer immer mal wieder unter die Leute zu bringen.

Ist die Aufregung über die Plakate der Stadt nicht übertrieben? Ziel war es, den Dresdnern die richtige Nummer zu übermitteln für Probleme, die das Ordnungsamt beheben kann. Das spart letztlich Zeit und Geld, weil damit überflüssige Polizeieinsätze vermieden werden können. Eine gute Idee. Die Aktion war also gut gemeint. Aber eben schlecht gemacht.

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