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Wieso tut Dresden nicht mehr gegen Graffiti?

Sprüher kennen in Dresden kein Pardon. Die Polizei erfasst über 1.200 Straftaten, viele davon an der Waldschlößchenbrücke. Wie Lösungen aussehen könnten.

CDU-Stadtrat Hans-Joachim Brauns drängt auf eine Lösung, damit nicht noch mehr Flächen an der Waldschlößchenbrücke und anderen markanten Bauten der Innenstadt wild besprüht werden.
CDU-Stadtrat Hans-Joachim Brauns drängt auf eine Lösung, damit nicht noch mehr Flächen an der Waldschlößchenbrücke und anderen markanten Bauten der Innenstadt wild besprüht werden. © Marion Doering

Dresden. Hans-Joachim Brauns steht am Treppenaufgang zur Waldschlößchenbrücke. Früher hatte sich der CDU-Stadtrat für ihren Bau engagiert und war glücklich, als sie vor sieben Jahren eröffnet werden konnte. Doch jetzt prägen wilde Schmierereien ihr Bild. Nicht nur Beton-Bogenfüße und die Stahlteile sind mit Graffiti besprüht, sondern auch Geländer, Wände und Brüstungen an der Aussichtsplattform. „Die Stadt macht einfach nichts. Es wird nicht besser, sondern immer schlimmer“, kritisiert der ordnungs- und sicherheitspolitische Sprecher seiner Fraktion. 

Zwar hatte der Stadtrat im März einen CDU-Antrag beschlossen, dass Graffiti im Zentrum innerhalb des 26er-Rings entfernt und später neue Schmierereien schnell beseitigt werden. Doch geschehen sei bislang nichts. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) nehme die Graffiti einfach so hin. „Das ist unfassbar“, sagt Brauns.

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Die Schäden: Bis zu 320.000 Euro für Entfernung nötig

An der Waldschlößchenbrücke und im Umfeld sind rund 3.200 Quadratmeter mit Graffiti und wilden Schmierereien verunstaltet, teilt der Geschäftsbereich des Baubürgermeisters auf SZ-Anfrage mit. Das ist fast die halbe Fläche eines Fußballfeldes. Etwa ein Drittel davon ist auf Stahlbauteilen. Ansonsten seien vor allem Betonflächen betroffen. 

Nicht nur die Betonfüße, sondern auch die Stahlteile sind besprüht. Eine Entfernung der Farbe in dem als Naturschutzgebiet ausgewiesenem Elbtal wäre sehr teuer.
Nicht nur die Betonfüße, sondern auch die Stahlteile sind besprüht. Eine Entfernung der Farbe in dem als Naturschutzgebiet ausgewiesenem Elbtal wäre sehr teuer. © René Meinig

Da die Brücke im Naturschutzgebiet und im Fauna-Flora-Habitat an der Elbe liegt, könnten die Graffiti nicht mit chemischen Mitteln entfernt werden. „Folglich käme nur das Vakuumstrahlverfahren für die Reinigung der Bauwerke in Frage“, heißt es. Die Kosten für die einmalige Komplettreinigung werden auf eine Summe zwischen rund 190.000 und 320.000 Euro geschätzt. Dabei sind die Nebenkosten, unter anderem für nötige Verkehrsumleitungen, nicht einbezogen. Im aktuellen Haushalt sei dafür kein Geld eingeplant. 

Die Stadt hat kein Geld eingeplant, um solche wilden Graffiti schnell zu entfernen.
Die Stadt hat kein Geld eingeplant, um solche wilden Graffiti schnell zu entfernen. © Sven Ellger

Die Aktivitäten: Nur wenige Graffiti werden sofort beseitigt

Wie auch in anderen Bereichen werden an der Waldschlößchenbrücke nur Graffiti mit verfassungs- oder fremdenfeindlichen Inhalten sofort entfernt. 2018 gab es an Brücken, Lärmschutzwänden, Wegen und Plätzen in Dresden 102 Schäden durch Graffiti und im vergangenen Jahr 59. Zwar würden sie im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten beseitigt. So waren die kurz nach der Sanierung besprühten neuen Sandsteinbrüstungen der Albertbrücke 2018 für rund 6.000 Euro gereinigt worden. Binnen 24 Stunden waren sie aber schon wieder besprüht, erklärt die Stadt. „Seitdem haben wir die Graffiti nicht erneut entfernen lassen.“

Die Strafverfolgung: Zehn Prozent werden aufgeklärt

Die Zahl der als Straftaten eingestuften illegalen Sprühereien hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. „Die Zahlen unterliegen normalen statistischen Schwankungen“, erklärt Polizeisprecher Lukas Reumund. 2017 wurden von der Polizeidirektion Dresden 1.520 Fälle erfasst, von denen 159 aufgeklärt wurden. Das entspricht 10,5 Prozent. 2018 gab es 1.110 Anzeigen, von denen 128 Fälle aufgeklärt wurden, was 11,5 Prozent entspricht. Im vergangenen Jahr erfasste die Polizei 1.263 Fälle in Dresden, von denen 130, also 10,5 Prozent, aufgeklärt wurden.

Das Vorbild: Wand am Waldschlößchen hübsch gestaltet

Die Erfahrungen zeigen, dass legal mit Graffiti gestaltete Flächen kaum oder nicht beschmiert werden. So hatten professionelle Graffiti-Künstler im Auftrag der Stadt bereits 2012 eine graue Außenwand des Zufahrtstunnels zur Waldschlößchenbrücke an der Bautzner Straße gestaltet. Auf der 140 Meter langen Wand, neben der der Weg zur Aussichtsplattform verläuft, haben die Fachleute mit Sprühdosen das triste Betongrau in besonders farbenfrohe Sandsteine verwandelt. 

Diese Außenwand am Zufahrtstunnel zur Waldschlößchenbrücke wurde von professionellen Graffiti-Künstlern bereits 2012 gestaltet.
Diese Außenwand am Zufahrtstunnel zur Waldschlößchenbrücke wurde von professionellen Graffiti-Künstlern bereits 2012 gestaltet. © Marion Doering

Graffiti-Künstler haben auch den neuen S-Bahn-Haltepunkt am Bischofsweg gestaltet. Die Stadt führt noch zahlreiche weitere Beispiele an. So hat am 7. März eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen den Striesener Wertstoffcontainer an der Ecke Kipsdorfer/Lauensteiner Straße verschönert. Professionell angeleitet wurden sie von einem Kursleiter und von Künstlern. Hübsch besprüht wurden zudem eine Wand und eine Verteilerstation an der 93. Grundschule in Leuben, die zuvor mit wilden Graffiti beschmiert waren.

Schöne Graffiti prägen auch das Bild am neuen S-Bahn-Haltepunkt am Bischofsplatz.
Schöne Graffiti prägen auch das Bild am neuen S-Bahn-Haltepunkt am Bischofsplatz. © René Meinig

In Dresden gibt es sechs legale Sprühflächen, sogenannte "legal plains". Dort kann rund um die Uhr ohne Anmeldung legal gesprüht werden, erklärt die Stadt. Als Beispiele führt sie die Flächen in der Flutrinne und den Graffitipark Puschkinplatz an. 

Die Forderung: Graffiti schnell entfernen

Auch an der Waldschlößchenbrücke könnten solche Flächen ausgewiesen werden, schlägt CDU-Ordnungspolitiker Brauns vor. Er hätte nichts dagegen, dass die bereits wild besprühten Betonfüße der Bögen dafür genutzt werden. „Man sollte solche Kompromisse finden, damit die anderen Flächen nicht beschmiert werden“, sagt er. 

Solche wilden Graffiti könnten mit einer speziellen App an die Stadt gemeldet werden, schlägt CDU-Stadtrat Brauns vor.
Solche wilden Graffiti könnten mit einer speziellen App an die Stadt gemeldet werden, schlägt CDU-Stadtrat Brauns vor. © Sven Ellger

Mit seinem schönen Stadtbild im Elbtal sei Dresden als Elbflorenz bekannt. „Dieser Eindruck darf nicht durch Schmierereien vernichtet werden.“ Deshalb fordert er die Stadt zum Handeln auf. So sollte die Federführung bei der Bekämpfung von illegalen Schmierereien vom Baudezernat zum Ressort von Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) übertragen werden. 

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Zudem müsste ein Weg gefunden werden, dass solche wilden Graffiti schnell beseitigt werden. Denn das schrecke die illegalen Sprüher ab, wie aus Erfahrungen anderer Städte hervorgeht. Als Beispiel führt Brauns das holländische Rotterdam an, wo das funktioniere. Nach dem Vorbild der Dreck-weg-App könnte auch eine für Graffiti geschaffen werden, schlägt er zudem vor. „Es gibt die Möglichkeit der schnellen Reinigung. Die Firmen stehen bei Fuß“, sagt Brauns.

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