merken
PLUS Dresden

Verwaltungsstress: Dresdens Bürger müssen warten

In der Coronazeit arbeiten die Ämter der Stadt im Notbetrieb, die Dresdner warten lange auf einen Online-Termin. Warum sich das vorerst nicht ändern wird.

Spontan ins Bürgerbüro - das ist in Dresden derzeit nicht möglich. Und das wird wohl auch so bleiben.
Spontan ins Bürgerbüro - das ist in Dresden derzeit nicht möglich. Und das wird wohl auch so bleiben. © René Meinig

Dresden. Im März hat ihre Tochter den zwölften Geburtstag gefeiert. "Ich wusste, dass wir für sie einen neuen Ausweis brauchen, weil der Kinderreisepass nun nicht mehr für sie gilt", berichtet eine Dresdner Mutter der SZ. Eilig hat sie es mit der Beantragung des neuen Personaldokuments zunächst nicht. "Ich bin davon ausgegangen, dass ich aufs Bürgerbüro gehe und es dann zwei, drei Wochen dauert, bis der Ausweis abgeholt werden kann." Doch es kommt anders.

Ende Mai nimmt sie sich Zeit für den Ämterbesuch und recherchiert im Internet, wo sich das neue Bürgerbüro Cotta genau befindet. Das ist nämlich nach Gorbitz umgezogen. Nur zufällig entdeckt die Mutter, dass sie jetzt online einen Termin im Bürgerbüro buchen muss.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Einfach auf dem Amt vorbeischauen, Wartenummer ziehen und warten, bis man aufgerufen wird - das ist in Dresden schon länger nicht möglich. Bereits seit Ende März 2020 bieten die Bürgerbüros keine Spontan-Sprechzeiten mehr an. In einem Onlinekalender werden die freien Termine angezeigt - was viele Dresdner schon verschreckt haben dürfte. "Ich hatte plötzlich Panik, denn der erste freie Termin wurde mir für Ende Juli angeboten", berichtet die Mutter weiter. Dass sie zwei Monate allein darauf warten muss, ihr Anliegen im Bürgerbüro vorzutragen - damit hatte sie nicht gerechnet. Mitte August soll das Flugzeug mit ihrer Familie in Richtung Mallorca starten.

Warum warten Dresdner so lange auf einen Termin?

Auf SZ-Anfrage bestätigt das Bürgeramt, dass die lange Wartezeit zum einen mit der bevorstehenden Urlaubszeit zusammenhängt. "Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass insbesondere die Reisemonate in der Sommerzeit eine starke Nachfrage an Reisedokumenten mit sich bringen." Dazu kommen die Regelungen in der Coronazeit, die sich nun auswirken. "Die pandemiebedingten Einschränkungen über die Dauer eines Jahres haben zusätzlich zu einem Anstau von Bürgervorsprachen geführt", heißt es weiter. Alle Bürgerbüros der Stadt seien gleichstark frequentiert.

Aufgrund des Notbetriebes und der derzeit noch gültigen arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften seien nicht zwingend notwendige Anliegen auch seitens der Bürger hinten angestellt worden. "Da nun mit fallender Inzidenz Lockerungen in Kraft treten, stieg die Nachfrage nach Terminen sprunghaft an", erklärt das Bürgeramt.

Warum setzt die Stadt nicht mehr Personal ein?

Das Bürgeramt hat das Problem durchaus erkannt und sich offenbar um mehr Mitarbeiter bemüht. Aber: "In der aktuell coronabedingten schlechten Haushaltslage wurden Stellenmehrbedarfsanträge abgelehnt." Aufgrund von zahlreichen gesetzlichen Änderungen hätten die Mitarbeiter nun einen deutlich höheren Arbeitsaufwand, sodass in den Bürgerbüros die entsprechenden Stellen fehlen.

Die Zugangsbeschränkungen, die in der Coronazeit vorgeschrieben sind, hätten das Problem weiter verschärft. "In Summe führen die benannten Faktoren zu einem Kapazitätsproblem bei der Terminvergabe." Um die starke Nachfrage nach Terminen dennoch zu bedienen, werden nun auch außerhalb der offiziell geltenden Sprechzeiten Termine angeboten. Außerdem werden dringende, unaufschiebbare Anliegen auch kurzfristig bearbeitet, wenn der Dresdner dazu Kontakt zum Bürgerbüro aufnimmt.

Ab wann öffnen Ämter wieder ohne Terminvergabe?

Tatsächlich ist das nicht vorgesehen. Zwar habe es Überlegungen gegeben, wieder zur Laufkundschaft überzugehen, wenn etwa die Zugangsbeschränkungen Ende Juni weiter gelockert werden. Aber: "Aufgrund der extrem starken Nachfrage und der bereits bis Anfang August 2021 ausgebuchten Termine bestehen personell keine Kapazitäten, um zusätzliche Spontan-Vorsprachen zu bearbeiten."

Künftig sollen die Dresdner ohnehin neue Möglichkeiten nutzen, Dienstleistungen auch ohne persönliche Vorsprache oder ohne lange Wartezeiten in einem Bürgerbüro wahrzunehmen. "Die Einführung der ausschließlichen elektronischen Terminvergabe ist ein erster Schritt in diese Richtung und dient dazu, die aktuelle Nachfrage nach Terminen zu koordinieren", so das Bürgeramt der Stadt. Ohne Online-Terminvergabe würden die Kapazitäten der Wartebereiche nicht ausreichen und lange Wartezeiten für den Bürger entstehen. Viele Dresdner würden begrüßen, dass dadurch die Wartezeit im Bürgerbüro nur wenige Minuten beträgt. "Eine Rückkehr zum alten System ist daher nicht vorgesehen."

Wer keinen Zugriff auf das Internet hat, muss sich demnach telefonisch um einen Termin bemühen und hoffen, dass er mit seinem Anliegen auf ein offenes Ohr stößt.

Was rät die Stadt in dringenden und eiligen Fällen?

Grundsätzlich stehen die Bürgerbüros über die Hotline-Nummern während der Sprechzeiten als Ansprechpartner zur Verfügung, so das Bürgeramt. Die Stadt räumt allerdings ein, dass dabei durchaus Geduld gefragt ist. "Aufgrund der starken Nachfrage ist die Erreichbarkeit eingeschränkt."

Die Dresdner Mutter bestätigt, dass im zentralen Bürgerbüro Altstadt zunächst niemand auf telefonischem Weg erreichbar war. "Dort war gleich eine Bandansage zu hören." Im Bürgerbüro Cotta hatte sie mehr Glück und konnte ihr Problem einer Mitarbeiterin schildern. Nun hat sie für Ende Juni einen Termin bekommen, um den Ausweis für ihre Tochter zu beantragen. "Ich hoffe, der wird dann auch schnell ausgestellt." Bis der Flieger Mitte August in Richtung Balearen abhebt, sollte das aber klappen.

Das Bürgeramt empfiehlt Dresdnern, die dringend ein Personaldokument benötigen, sich besser per E-Mail beim Bürgerbüro zu melden und dabei auch ihre persönlichen Kontaktdaten wie Name und Telefonnummer anzugeben. Die Bürgerbüros kümmern sich neben Pass-, Personal- und Meldeangelegenheiten auch um Wohngeld und Wohnberechtigungsscheine sowie um Anträge aller Art, etwa für Baumfällungen, Bafög oder Bewohnerparkausweise.

Die Sprechzeiten und Erreichbarkeiten der Bürgerbüros sind zu finden auf www.dresden.de/buergerbueros.

Mehr zum Thema Dresden