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Dresdner Erlweinhaus wird saniert

Nach jahrelangem Stillstand wird im früheren Stadthaus jetzt gebaut. Warum so lange nichts passiert ist und wann die Wohnungen fertig sind.

Hinter dem Gerüst gehen die Bauarbeiten am Erlweinhaus in der Friedrichstadt inzwischen gut voran. Im Sommer soll das Gerüst fallen.
Hinter dem Gerüst gehen die Bauarbeiten am Erlweinhaus in der Friedrichstadt inzwischen gut voran. Im Sommer soll das Gerüst fallen. © Marion Doering

Dresden. Vor fünf Jahren sollte es endlich losgehen. Herbert Fissan, Eigentümer des Erlweinhauses an der Löbtauer Straße, kündigte damals an, dass die Sanierung beginnt. Das Gerüst war längst aufgestellt und ein Architekt damit beauftragt, aus dem verfallenen Altbau am Eingang zur Friedrichstadt wieder ein Wohnhaus zu machen. Getan hatte sich dann zunächst wenig, die Auflagen des Denkmalamtes bereiteten Probleme, die Arbeiten gingen schleppend voran. "Ich hatte noch nie so eine schwierige Baustelle", räumt Fissan jetzt gegenüber der SZ ein.

Anfang des vergangenen Jahres wechselte der Investor das Architektenbüro, seitdem kümmern sich die G.N.b.h.-Architekten aus der Dresdner Neustadt um das Erlweinhaus in der Nähe vom Bahnhof Mitte. Bedrängt von Plattenbauten, die in den 1980er-Jahren nur wenige Meter entfernt hochgezogen wurden, wirkt der massive Altbau heute wie ein Fremdkörper. Langsam lässt sich allerdings erahnen, wie das Gebäude einst ausgesehen hat. Das Dach hat seinen zweiten Giebel und die Fassade ihren hellen Farbton wiederbekommen. Im Sommer sollen die Gerüste fallen, sagt Architekt Benjamin Grill.

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2015 wurde das Erlweinhaus eingerüstet, ein Jahr später sollte die Sanierung beginnen. Als ein Problem für die Baustellenzufahrt erwiesen sich die Plattenbauten, die direkt daneben errichtet worden waren.
2015 wurde das Erlweinhaus eingerüstet, ein Jahr später sollte die Sanierung beginnen. Als ein Problem für die Baustellenzufahrt erwiesen sich die Plattenbauten, die direkt daneben errichtet worden waren. © Archiv: Norbert Neumann
Inzwischen ist der Dachaufbau fertig, der linke Zwechgiebel und die Fledermausgaube sind nach Erlweins Plänen wiederhergestellt. Auch im Inneren gehen die Bauarbeiten voran. Ende dieses Jahres sollen die Wohnungen fertig sein.
Inzwischen ist der Dachaufbau fertig, der linke Zwechgiebel und die Fledermausgaube sind nach Erlweins Plänen wiederhergestellt. Auch im Inneren gehen die Bauarbeiten voran. Ende dieses Jahres sollen die Wohnungen fertig sein. © Marion Doering

Tatsächlich ist sein Büro schon länger mit diesem Projekt beschäftigt, Fissan hatte die G.N.b.h.-Architekten zunächst nur für den Ausbau des Daches ins Boot geholt. Dort entstehen fünf moderne Wohnungen, sagt Grill. "Als das gesamte Bauprojekt ins Stocken geriet, haben wir es in Absprache mit dem früheren Architekten komplett übernommen." Inzwischen sei er froh, dass der Dachaufbau fertig ist, denn auch seine Firma bemerke, dass Baumaterial nur schwer zu bekommen und sehr teuer geworden ist.

Im Erdgeschoss entstehen zwei Gewerbeflächen, die aber noch nicht vermietet sind. Allerdings gebe es bereits Gespräche mit Interessenten. Mehr will Grill nicht verraten. Pro Etage wird es zwei oder drei Wohnungen geben, 14 werden es insgesamt sein. "Die Hülle ist bereits fertig, es fehlen nur noch ein paar Fenster an der Straßenseite", so Grill. Die Fenster waren eine der Herausforderungen, die der Denkmalschutz an den Investor stellte. "Das sind spezielle Verbundfenster, Thermoglasfenster durften wir nicht einbauen", berichtet Herbert Fissan.

2011 hatte der Arzt aus Nordrhein-Westfalen das Gebäude gekauft, als Bauherr hatte er damals schon ein Haus an der Bautzner Straße und einen Gutshof in Eschdorf saniert. 2013 erteilte ihm die Stadt die Baugenehmigung für das Erlweinhaus, diese lief allerdings 2016 aus, ohne dass die Bauarbeiten begonnen haben. Also musste Fissan eine neue Genehmigung beantragen, die er 2018 bekam.

Das Sanierungskonzept sieht vor, dass das 1908 nach Plänen des Stadtbaurates Hans Erlwein errichtete Haus auf der Seite zur Löbtauer Straße hin seine historische Fassade wiederbekommt. "Die Rückseite ist einfacher gestaltet", erklärt Architekt Benjamin Grill. Im Inneren sind inzwischen alle Leitungen verlegt, nun folgt der Trockenbau. Die Grundrisse des ehemaligen Stadthauses, das in den oberen Etagen Wohnungen und im Erdgeschoss eine Polizeiwache und eine Sparkasse beherbergte, bleiben so erhalten wie sie Hans Erlwein 1907 geplant hat. Das bedeutet: Die Wohnzimmer sind bis zu 30 Quadratmeter groß, die Nebenräume dafür eher klein.

Im ersten Obergeschoss war bis zur Sanierung noch ein geschichtliches Kleinod erhalten: zwei winzig kleine Zimmer, die früher von den Polizeibeamten offenbar als Arrestzellen genutzt wurden. Sie verschwinden mit dem Umbau. Ziel der Sanierung ist es, so viel Erlwein wie möglich zu erhalten. Dafür werden originale Klinken, Holztüren, Treppengeländer und Einbauschränke aufgearbeitet.

Anders sieht das bei den Wohnungen im Dachgeschoss aus. Weil Erlwein sie nicht ausgebaut hat, stehen diese Räume auch nicht unter Denkmalschutz. Zwar bleiben die Dachziegel in Biberschwanzform erhalten – das Satteldach selbst wird auf der Hofseite aber angehoben, um mehr Platz für die Wohnfläche zu schaffen.

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Bis 1900 befand sich auf dem Grundstück an der Löbtauer Straße die städtische Schäferei. Sie wurde für die neue Bezirksverwaltung der Friedrichstadt abgerissen. Bis auf einige kleine Details entschied sich Erlwein hier für eine eher schlichte Gestaltung der Fassade. Von den beiden sogenannten Zwechgiebeln zur Straßenseite hin wurde der linke bei den Luftangriffen im Februar 1945 zerstört und auch nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut. Inzwischen ist er wieder zu sehen, ebenso die Fledermausgaube zwischen den beiden Giebeln.

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