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Warum das Seifersdorfer Tal so unaufgeräumt aussieht

Im Frühjahr gab es nur zwei Möglichkeiten: Das beliebte Wanderziel zu sperren oder das vom Käfer befallene Holz herauszuholen. Reisig und Stubben dienen jetzt dem Wald.

Thomas Westphalen blickt auf rund 120 Jahre alte Fichten am Raden des Seifersdorfer Tales, die abgestorben sind.
Thomas Westphalen blickt auf rund 120 Jahre alte Fichten am Raden des Seifersdorfer Tales, die abgestorben sind. © Marion Doering

Dresden. Wenn Thomas Westphalen auf die Hänge im Seifersdorfer Tal blickt, sieht er sie noch: 40 Meter hohe Fichten, über 120 Jahre alt, aber grau und ohne Nadeln. Sie sind abgestorben. "Diese Bäume am Hang können wir stehen lassen, weil sie nicht auf die Hauptwege fallen können und somit keine Spaziergänger bedrohen", sagt Westphalen, der geschäftsführender Vorstand des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz ist, in dessen Eigentum sich das Seifersdorfer Tal seit 1997 befindet.

Anders musste mit rund 250 Bäumen umgegangen werden, die massiv vom Borkenkäfer befallen waren und dicht an den Hauptwegen des Tales standen. Sie wären abgestorben, umgefallen oder hätten Kronenteile verloren. Viel zu gefährlich, Spaziergänger diesem Risiko auszusetzen. Zumal die Besucherzahlen seit den Corona-Beschränkungen stark angestiegen sind. "Wir standen vor der Wahl, das Seifersdorfer Tal komplett zu sperren oder die geschwächten Bäume fällen zu lassen", sagt Westphalen. Die Entscheidung fiel zugunsten einer Fällaktion.

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Jungwuchs statt dunkler Wege

Doch seitdem im März das Holz herausgeholt wurde, müssen sich Thomas Westphalen und seine Mitstreiter anhören, dass das Tal so "unordentlich" aussehe, Reisig werde nicht beseitigt, große Stubben würden einfach stehengelassen. Nicht zuträglich für den Landschaftsgarten, den Christina von Brühl Ende des 18. Jahrhunderts angelegt hat. Zudem hätten doch Pferde genutzt werden können statt schwerer Technik, um die Wege zu schonen.

Dabei hatte sich der Verein Sächsischer Heimatschutz mit den Denkmalschutz- und Naturschutzbehörden des Kreises Bautzen sowie dem Landesamt für Denkmalpflege im Vorfeld über die Arbeiten abgestimmt und sie genehmigen lassen. Von Sachsenforst hat sich der Verein beraten lassen, wie man am besten vorgehen soll. Denn das Tal, durch das die Große Röder fließt, ist seit 1982 Naturschutzgebiet und seit 2006 Teil des Europäischen Schutzgebietes Natura 2000. Damit unterliegt es besonders strengen Bestimmungen beim Natur- und Vogelschutz.

Heiko Müller, der bei Sachsenforst für die Dresdner Heide zuständig ist, erklärt gern, weshalb die Arbeiten sowohl zeitlich als auch inhaltlich genau richtig waren im Seifersdorfer Tal.

Heiko Müller von Sachsenforst erklärt, weshalb Reisig und Stubben gut sind für ein stabiles ökologisches Gleichgewicht im Wald.
Heiko Müller von Sachsenforst erklärt, weshalb Reisig und Stubben gut sind für ein stabiles ökologisches Gleichgewicht im Wald. © Marion Doering

"Die beauftragte Firma hat im Frühjahr extra eine Frostperiode abgewartet, um mit den Fahrzeugen in den Wald zu fahren, um so wenig wie möglich Schaden zu verursachen. Es wurden 340 Kubikmeter Holz herausgeholt, was mit Pferden schon von der Menge her in kurzer Zeit nicht machbar ist. Dazu kommt, dass die Pferde bei dieser anstrengenden Arbeit stark schwitzen und dies bei Frost sehr gefährlich für ihre Gesundheit ist", erklärt der Leiter des Staatsforstbetriebes. Die Stammabschnitte wogen bis 600 Kilogramm, das sei auch für Kaltblüter im Gelände kaum möglich zu transportieren.

"Es ist völlig klar, dass Besucher jetzt einen ganz anderen Eindruck vom Tal bekommen, weil sie früher durch einen dunklen Wald gelaufen sind. Die Fichtenkronen haben kaum Licht zum Boden durchdringen lassen. Jetzt können auch die Spaziergänger sehen, wie Jungwuchs hervorkommt", sagt Müller.

Natürlich sei der Anblick von Reisighaufen ungewohnt. "Aber wir tun dem Wald damit Gutes, die Zweige werden zu Humus zersetzt, was das Wachstum der Jungbäume fördert. Aber das dauert natürlich ein, zwei Jahre." Müller zeigt auf die umstehenden kleinen Bäumchen. "Hier wachsen Buche, Bergahorn, Erle, Hainbuche, Vogelbeere - das sind die natürlich vorkommenden Arten. Sie sind eine gute Voraussetzung für einen ökologisch stabilen Wald." Und Müller weiß, dass es im Tal schon in fünf Jahren wieder ganz anders aussehen wird, weil vor allem der Bergahorn schnell wächst.

Er ärgert sich jedoch über mangelndes Verständnis und die schwindende Achtung vor den Waldarbeitern, die mit großer beruflicher Erfahrung und Geschicklichkeit im Tal gearbeitet haben. "Es war für die Leute auch nicht ungefährlich, die großen Bäume zu fällen." Kein einziges Denkmal ist beschädigt worden.

Holz bleibt in der Region

Das Holz selbst hat den besten vorstellbaren Weg genommen: Dreiviertel davon ist von regionalen Sägewerken verarbeitet worden, eine Radeberger Firma baut daraus Holzhäuser. Thomas Westphalen hat die Auflage von der Genehmigungsbehörde erhalten, die Jahresringe an den Stubben der gefällten Bäume zu zählen. Damit soll auch die Frage geklärt werden, ob die Fichten damals im Rahmen der Anlage des Parks gepflanzt wurden oder zu wirtschaftlichen Zwecken. An einem Stubben hat der Vereinsvorsitzende bereits 119 Ringe gezählt und vermutet, dass damals die Fichten zur Holzproduktion gesetzt wurden.

Mit Warnschilder weist der Verein Sächsischer Heimatschutz darauf hin, die kleinen Nebenpfade nicht zu betreten. Doch selten hängen die Schilder mehrere Tage, sie werden wie Warnband abgerissen.
Mit Warnschilder weist der Verein Sächsischer Heimatschutz darauf hin, die kleinen Nebenpfade nicht zu betreten. Doch selten hängen die Schilder mehrere Tage, sie werden wie Warnband abgerissen. © Marion Doering

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Für den Verein Sächsischer Heimatschutz sind die Arbeiten im Seifersdorfer Tal noch nicht abgeschlossen. Es soll noch partielle Nachpflanzungen an den Denkmalen geben, aber nicht mehr in diesem Jahr. Eventuell würde auch einzelnes Reisig zu größeren Haufen zusammengetragen, sagt Westphalen. Er hofft, dass die Besucher endlich auch die rot-weißen Absperrbänder und Warnschilder an den kleinen Pfaden akzeptieren und diese nicht mehr betreten. Denn dort geht weiterhin Gefahr von den abgestorbenen Fichten aus. Auch große Buchen sterben an den Hängen langsam ab. "Wir haben nur für die Hauptwege die Verkehrssicherungspflicht", sagt Westphalen.

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